LONDON (IT BOLTWISE) – Linken-Chef Luigi Pantisano fordert eine Zusammenarbeit mit der CDU, obwohl er die Partei zuvor scharf kritisiert hatte. Er argumentiert mit pragmatischer Arbeit auf kommunaler Ebene und betont, es gehe ihm darum, das Leben der Menschen zu verbessern. Gleichzeitig räumt er ein, dass seine Ende Juni getätigte Aussage zu einem angeblich fehlenden Unterschied zwischen CDU, AfD und „Faschisten“ falsch gewesen sei. Für den politischen Betrieb wird die Lage damit spätestens nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September konkret.

Luigi Pantisano setzt nach seiner scharfen Kritik an der CDU nun auf Kooperation – und zwar ohne die politische Debatte zu vertagen. Der Linken-Chef hat dazu explizit zur Zusammenarbeit mit der Union aufgerufen und begründet seinen Schritt mit Erfahrungen aus der kommunalen Praxis. Dort, so seine Darstellung, arbeite man „bundesweit“ ganz selbstverständlich auch mit der CDU zusammen, weil viele Aufgaben vor Ort unabhängig von Parteietiketten funktionieren müssen. Gerade diese kommunale Perspektive ist der Kern seiner Argumentation: nicht das Zeremoniell großer Koalitionsversprechen, sondern das Abarbeiten konkreter Vorhaben, die im Alltag ankommen.
In den Mittelpunkt stellt Pantisano dabei die Logik, Projekte gemeinsam umzusetzen, statt in dauerhafter Abgrenzung zu verharren. Er verweist auf zahlreiche Initiativen, bei denen er zufolge CDU und Linke „abgestimmt und gemeinsam“ etwas durchgesetzt hätten. Gleichzeitig grenzt er sich rhetorisch von einem Lagerkampf ab und positioniert sich als Pragmatiker: Da sei er „kein Ideologe, so wie einige aus der Union“. Diese Formulierung macht deutlich, dass er nicht nur eine Koalitionsoption diskutiert, sondern auch einen Stil der Zusammenarbeit fordert – weniger als moralischer Dauerstreit, mehr als konsensorientierte Arbeitsweise. Für die politische Umsetzung spielt das eine Rolle, weil gerade auf kommunaler Ebene Entscheidungen oft in konsistenten Zeiträumen getroffen werden müssen, etwa bei Planungen, Haushaltslinien und Verwaltungsprozessen.
Hintergrund ist jedoch ein echter Vertrauensbruch in der öffentlichen Kommunikation. Ende Juni hatte Pantisano die CDU scharf angegriffen und gesagt: „Letztlich gibt es auch gerade gar keinen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik macht, der AfD oder den Faschisten selbst.“ Dafür erhielt er deutliche Kritik. Dass er nun erneut eine Zusammenarbeit anspricht, hängt auch daran, dass er die Vorwürfe gegen sich selbst beziehungsweise die Wirkung seiner Aussage adressiert. In dem aktuellen Schritt ordnet er seine frühere Aussage zurück und erklärt: „Meine Aussage war falsch, ich habe mich dafür entschuldigt, aber damit sollte das auch geklärt sein.“ Damit verschiebt er die Debatte von der Frage, ob die CDU pauschal falsch liegt, hin zur Frage, ob ein politischer Neuanfang ohne dauernde Handlungsunfähigkeit möglich ist.
Technisch betrachtet – zumindest dort, wo Kommunalpolitik in der Realität auf konkrete Umsetzung trifft – ist genau diese Frage entscheidend: In vielen Stadt- und Gemeindeverwaltungen entscheidet sich Kooperation nicht in Grundsatzreden, sondern in alltäglichen Verwaltungsabläufen. Das betrifft zwar nicht die im Text beschriebenen Details, aber die Arbeitslogik ist vergleichbar: Wenn zwei Parteien bei Digitalvorhaben wie Online-Dienstleistungen, Bürgerportalen, Glasfaser-Planungen, Ausschreibungen für IT-Betrieb oder der Pflege von Fachanwendungen zusammenarbeiten sollen, braucht es Verlässlichkeit in Abstimmungsprozessen. Schon kleine Brüche in der politischen Sprache können in der Verwaltungspraxis zu Verzögerungen führen – etwa durch langwierige Rückfragen, geänderte Beschlusslagen oder eine veränderte Risikoabwägung in Vergaben. Pantisano versucht mit seiner erneuten Einladung zur Zusammenarbeit, genau solche Reibungsverluste politisch zu begrenzen.
Die Dringlichkeit bekommt das Thema durch den Zeitplan. Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September könnten CDU und Linke „aktuellen Umfragen zufolge“ auf eine Kooperation angewiesen sein, wenn sie eine parlamentarische Mehrheit ohne die AfD erreichen wollen. Aus Sicht der Mehrheitsarithmetik ist das ein praktischer Hinweis: Sobald eine gewünschte Mehrheit zahlenmäßig nur mit Partnern außerhalb des engsten Parteiumfelds erreichbar ist, steigt der Druck, über rote Linien hinweg handlungsfähig zu bleiben. Für die inhaltliche Ausrichtung bedeutet das: Kooperation wird dann nicht nur zur strategischen Option, sondern zur Voraussetzung, um überhaupt politische Entscheidungen treffen zu können. In einem solchen Szenario wird die Frage, ob eine frühere sprachliche Zuspitzung „geklärt“ ist, nicht nur moralisch, sondern auch organisatorisch relevant.
Gleichzeitig bleibt die kommunikative Spannung bestehen, weil Pantisano die CDU zuvor mit sehr harten Worten kritisiert hatte. Seine jetzige Position lässt sich deshalb als Versuch lesen, eine klare Kante zu machen – gegen den Einfluss von Rechtsextremen – und zugleich die Arbeitsfähigkeit im demokratischen Mitte-Spektrum zu sichern. Der Linken-Chef verbindet beides: Zusammenarbeit mit der CDU, aber er erwartet, dass es auch um das Ziel geht, Rechtsextreme von der Macht fernzuhalten. Ob das innerhalb der Linken-Basis und bei den politischen Gegnern überzeugt, hängt weniger von der formalen Einladung ab als von der Glaubwürdigkeit der Aufarbeitung. Dass er seine Aussage als falsch bezeichnet und sich entschuldigt, ist dabei ein konkretes Element; der Rest bleibt Verhandlung.
Für den weiteren politischen Verlauf ist entscheidend, wie schnell sich aus der Debatte um Kommunikation wieder belastbare Kooperationsformeln ableiten lassen. Wenn CDU und Linke nach der Wahl tatsächlich aufeinander zugehen müssen, wird die nächste Auseinandersetzung vermutlich weniger um Worte kreisen als um den Katalog dessen, was gemeinsam erreichbar ist: Inhalte, Budgets, Personalentscheidungen und die Frage, wie konsequent man Verwaltung und Politik an gemeinsame Ziele bindet. Gerade in Bereichen, in denen Staat und Kommune eng verzahnt arbeiten, etwa bei digitaler Verwaltung und Infrastruktur, entscheidet sich Zusammenarbeit häufig daran, ob Beschlüsse in die Praxis übersetzen lassen. Pantisano versucht mit seinem Signal, diese Übersetzung vorzubereiten – und setzt damit auf eine pragmatische Haltung, die politischen Konflikt nicht ausblendet, aber in Handlungsfähigkeit überführt.
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