KÖLN / LONDON (IT BOLTWISE) – Scherzer & Co. AG hat das erste Halbjahr 2026 nach vorläufigen Zahlen mit einem deutlich höheren Gewinn abgeschlossen. Das EBIT stieg auf 4,4 Mio. Euro nach 3,2 Mio. Euro im Vorjahr, während das EBT auf 5,7 Mio. Euro kletterte. Getragen wurde das Ergebnis vor allem von vereinnahmten Dividenden, realisierten Kursgewinnen und Zuschreibungen im Wertpapierbestand. Gleichzeitig bleibt das Stillhaltergeschäft mit -1,1 Mio. Euro belastet, und beim NAV liegt das Plus im laufenden Jahr bei 4,7%.

Wer auf die Kennzahlen zur Jahresmitte 2026 schaut, erkennt bei Scherzer & Co. AG vor allem zwei Dinge: Erstens dreht das Ergebnis spürbar in den positiven Bereich, zweitens wird die Wertentwicklung im Portfolio konsequent über NAV-Logik kommuniziert. Nach vorläufigen Angaben liegt das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) im ersten Halbjahr 2026 bei 4,4 Mio. Euro, nach 3,2 Mio. Euro im Vorjahr. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) steigt ebenfalls deutlich auf 5,7 Mio. Euro (Vorjahr: 3,1 Mio. Euro). Schon diese Spreizung ist für Anleger relevant, weil sie zeigt, dass die operative Ertragskraft nicht nur durch einmalige Sondereffekte über den Steuer- und Zinskanal „hochgerechnet“ wurde.
Technisch betrachtet wirkt die Ergebnisspur im Detail wie eine Momentaufnahme der gesamten Portfolio-Mechanik aus Dividenden, Kursbewegungen und Bewertungseffekten. Im Bericht werden vereinnahmte Dividenden in Höhe von 3,7 Mio. Euro als wesentlicher Beitrag genannt, dazu realisierte Kursgewinne von 2,7 Mio. Euro. Ergänzt wird das Bild durch Zuschreibungen auf den Wertpapierbestand in Höhe von 2,4 Mio. Euro sowie Erlöse aus Nachbesserungen (Generali Deutschland) von 2,0 Mio. Euro. Der positive Zinssaldo von 1,3 Mio. Euro entsteht dabei im Wesentlichen aus Zinsen auf Nachbesserungen; das ist ein Hinweis darauf, dass die Timing-Komponente aus Strukturmaßnahmen nicht nur über Ausgleichszahlungen, sondern auch über Zinsläufe in die GuV hineinwirkt.
Parallel dazu bleibt ein Teil der Strategie erkennbar volatil: Das Ergebnis aus Stillhaltergeschäften liegt bei -1,1 Mio. Euro. Gerade diese Kennzahl ist wichtig, weil sie die Bilanz zwischen „abgesicherten“ Ertragsquellen und operativen Risiken in ein Verhältnis setzt. Außerdem werden stichtagsbedingte Abschreibungen auf Wertpapiere in Höhe von 4,3 Mio. Euro genannt, die die Ergebnisqualität sichtbar belasten. Der betriebliche Aufwand lag bei 1,0 Mio. Euro; die operative Kostenbasis scheint damit im Vergleich zu den Kapitalmarkt-bezogenen Effekten überschaubar. In Summe ergibt sich also ein Bild, in dem das Ergebnis zwar gesteigert wird, aber nicht aus einem reinen „Risk-on“-Umfeld, sondern aus einer Mischung verschiedener Werttreiber mit gegenläufigen Bewegungen.
Für die Bewertung des laufenden Geschäftsjahrs ist der Net Asset Value (NAV) der zentrale Anker. Zum 31. Juli 2026 liegt der Tageswert der Portfoliopositionen unter Berücksichtigung der Verbindlichkeiten bei 3,50 Euro je Aktie. Der Bericht betont dabei ausdrücklich: Nachbesserungsrechte und mögliche anfallende Steuern werden in der Portfoliobewertung nicht berücksichtigt. Dieser Bewertungsansatz ist für die Interpretation entscheidend, weil er erklärt, warum der NAV nicht einfach „alle später erwarteten Cashflows“ vorzieht. Gegenüber dem Jahresultimowert 2025 von 3,39 Euro je Aktie ergibt sich unter dieser Logik ein Plus von 4,7% bei Dividendenausschüttung von 0,05 Euro je Aktie. Damit liefert das Unternehmen eine Kennzahl, die weniger von Erwartungswerten abhängt und stärker an Stichtagswerte gekoppelt ist.
Auf Portfolioebene nennt Scherzer & Co. AG zudem die zehn größten Aktienpositionen zum 31. Juli 2026, sortiert nach Kurswerten. Genannt werden unter anderem Rocket Internet SE, Allerthal-Werke AG, Weleda AG PS, 1&1 AG, RM Rheiner Management AG, Horus AG, Data Modul AG, Redcare Pharmacy N.V., K+S AG sowie AG für Erstellung billiger Wohnhäuser in Winterthur. Solche Aufstellungen sind für Marktteilnehmer vor allem deshalb relevant, weil sie Rückschlüsse auf die Risikomischung aus unterschiedlichen Sektor- und Liquiditätsprofilen erlauben. Allerdings wird zugleich deutlich, dass bei Sondersituationen und Corporate Actions eine zweite Vermögensschicht existiert, die nicht vollständig im NAV sichtbar ist, sondern über Nachbesserungsvolumen und Spruchverfahren abgebildet wird.
Genau diese zweite Schicht wird im Bericht konkretisiert: Das Nachbesserungsvolumen liegt bei rund 123,6 Mio. Euro. Mathematisch ergibt sich der Betrag aus der Anzahl der Aktien und dem zunächst vereinnahmten Abfindungspreis im Rahmen einer Strukturmaßnahme wie Squeeze-out oder dem Abschluss eines Beherrschungsvertrags. Die Höhe des Abfindungspreises bildet wiederum die Grundlage für eine eventuelle Nachbesserung, die regelmäßig im Rahmen eines Spruchverfahrens auf ihre Angemessenheit überprüft wird. Gleichzeitig stellt das Unternehmen klar, dass es zum aktuellen Zeitpunkt keine verlässlichen Aussagen dazu geben kann, ob und wann es zu Nachbesserungen aus den laufenden Spruchverfahren kommen wird. Für die Praxis heißt das: Selbst wenn das Ergebnis im ersten Halbjahr bereits Nachbesserungen und deren Zinseffekte sichtbar macht, bleibt der Zeitplan der übrigen erwartbaren Cashflows unsicher, und diese Unsicherheit wird bewusst nicht durch „vorzeitige“ NAV-Einpreisung kaschiert.
Ein weiterer Punkt, der für die Investor-Planung zählt, ist die zeitliche Taktung der Berichtsqualität. Ein ausführlicher Zwischenbericht erscheint voraussichtlich Ende August 2026. Bis dahin wirken die vorläufigen Zahlen wie ein „Schnitt“ durch die Ergebnis- und Bewertungslogik: Sie zeigen, wie stark Dividenden, Kursgewinne und Bewertungsanpassungen den Gewinn treiben, aber auch, wie stark Abschreibungen und das Stillhaltergeschäft gegenläufig wirken. Für Entscheider in Unternehmen, die sich mit Beteiligungs- und Kapitalmarktstrategien beschäftigen, ist außerdem die strategische Selbstbeschreibung von Bedeutung: Scherzer & Co. AG positioniert sich als Beteiligungsgesellschaft mit sicherheits- und chancenorientierten Investments, wobei unter sicherheitsorientierten Gesichtspunkten vor allem Abfindungswerte und Value-Aktien genannt werden. Gleichzeitig investiert die Gesellschaft laut eigener Darstellung auch in Unternehmen mit erhöhtem Chancenpotenzial bei kalkulierbarem Risiko, inklusive Teilnahme an Kapitalmaßnahmen oder Umplatzierungen.
Auch der Börsenkontext liefert eine pragmatische Dimension: Die Aktien notieren im Scale Segment der Frankfurter Wertpapierbörse sowie im Freiverkehr in Düsseldorf, München und Stuttgart; zudem sind sie im elektronischen Handelssystem Xetra und in Tradegate handelbar. Das ist relevant, weil Liquidität und Handelskanäle die Umsetzbarkeit der Investment-These beeinflussen und gerade bei Beteiligungswerten mit Sondersituationsfokus ein Großteil der Wertentwicklung über Zeitverzögerungen läuft. Für den Markt stellt sich damit die nächste Frage weniger als „Wie hoch wird der Gewinn im zweiten Halbjahr?“, sondern eher als „Welche Teile des Nachbesserungsportfolios werden zeitnah wirksam und wie entwickeln sich Stillhalter-Ergebnisbeiträge im Verhältnis zu Abschreibungen und Bewertungseffekten?“ Die Antwort darauf wird der ausführliche Zwischenbericht Ende August 2026 liefern müssen.
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