NIEDERSACHSEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Sicherheitsteams warnen vor einer wachsenden Phishing-Welle, die sich gezielt gegen Bankkunden richtet. Eine als „Storm-2945“ identifizierte Kampagne soll in vier Wochen rund sieben Millionen Angriffe ausgelöst haben. Laut Meldungen konzentriert sich ein großer Teil der Versuche auf KI-gestützte Vorgehensweisen. Für Verbraucher steht dabei besonders der Schutz mobiler Geräte und die richtige Handhabung von App-Freigaben im Fokus.

In den letzten Wochen ist Phishing wieder zu einem Massenphänomen geworden, allerdings mit einem spürbaren technologischen Schritt: Die Angriffe setzen nicht mehr nur auf klassische E-Mail-Köder, sondern verknüpfen Telefonie, manipulierte Rufnummern und App-Freigaben zu einer durchgängigen Betrugsstrecke. Die geschilderten Fälle zeigen dabei ein klar wiederkehrendes Muster gegen Bankkunden: Täter melden sich unaufgefordert, geben sich als Mitarbeiter von Kreditinstituten oder als angebliche PayPal-Unterstützung aus und versuchen, die Opfer anschließend zu konkreten Aktionen zu bewegen – vom App-Installieren bis zum Bestätigen sensibler Vorgänge.
Besonders anschaulich wird das am Beispiel Ibbenbüren: Am 4. August soll eine 31-jährige Frau auf einen falschen PayPal-Mitarbeiter hereingefallen sein. Die Betrüger überzeugten sie, mehrere Apps auf ihrem Smartphone zu installieren, und noch kurze Zeit später wurde laut Polizei ein dreistelliger Betrag von ihrem Konto abgebucht. Dasselbe Grundprinzip taucht in anderen Städten ebenfalls auf: In Hamm verlor ein 65-Jähriger am 4. August einen vierstelligen Betrag, nachdem er gleichzeitig mit einer Phishing-E-Mail und dem Anruf eines falschen Bankangestellten konfrontiert wurde; in Landau soll ein Anrufer am 1. August die offizielle Telefonnummer einer Bank vorgetäuscht haben, wodurch ein 26-Jähriger im hohen vierstelligen Bereich geschädigt worden sein soll.
Technisch betrachtet liegt die Schwachstelle weniger in „dem“ Kommunikationskanal, sondern in der Kette aus Vertrauen und Aktivierung. Angreifer nutzen gefälschte Absender, manipulieren Rufnummern und setzen ihre Opfer unter Druck, damit sie zeitnah handeln statt prüfen zu können. Genau in diese Lücke passt der Hinweis der Polizei, der für den Alltag besonders wichtig ist: Bei unaufgeforderten Anrufen von vermeintlichen Support-Mitarbeitern sollten Verbraucher sofort misstrauisch werden und den Vorgang nicht in Interaktion fortsetzen. Die Empfehlung lautet dann auch nicht „irgendwie vorsichtig“, sondern konkret: verdächtige Anrufe beenden und die Bank über die offiziell bekannte Nummer zurückrufen.
Noch unmittelbarer wird der Mechanismus im mobilen Umfeld, wo Sicherheits-Apps als vermeintlich letzter Schutz wirken. Die Polizei Düren warnt ausdrücklich vor Betrugsversuchen mit der SecureGo-App: Täter sollen am Telefon dazu bringen, Freigaben in der App zu bestätigen. Das Ziel ist dabei häufig nicht „nur“ die Abfrage von Daten, sondern die Ausführung oder Vorbereitung weiterer Schritte – etwa die Einrichtung einer digitalen Bezahlkarte auf den Geräten der Kriminellen. Für Nutzer ergibt sich daraus eine klare Faustregel: Nur solche Vorgänge in Sicherheits-Apps bestätigen, die man selbst unmittelbar zuvor angestoßen hat. Damit wird aus der abstrakten IT-Sicherheit eine konkrete Interaktionsentscheidung, die im Moment des Anrufs getroffen werden muss.
Der eigentliche Beschleuniger in dieser Welle ist jedoch KI. Laut den Angaben von Sicherheitsexperten kam es im ersten Halbjahr 2026 zu einem 15-fachen Anstieg beim sogenannten Device-Code-Phishing; parallel berichten IT-Sicherheitsunternehmen von vermehrt KI-gestützten Kampagnen. Besonders relevant für die Einordnung ist die als „Storm-2945“ bezeichnete Kampagne: Sie soll innerhalb von vier Wochen rund sieben Millionen Phishing-Angriffe generiert haben, ein Großteil davon per KI. Für die wirtschaftliche Dimension nennen die Meldungen außerdem eine Größenordnung: Allein in Niedersachsen beziffert sich der Schaden durch Cyberkriminalität demnach auf rund 217,5 Millionen Euro. Hier wird deutlich, warum Sicherheits-Teams nicht nur einzelne Versuche abwehren, sondern Kommunikations- und Prozessketten in Unternehmen und bei Endkunden neu bewerten.
Für Unternehmen und IT-Verantwortliche verschiebt sich damit der Fokus von „E-Mail-Schutz“ hin zu einer umfassenderen Absicherung mobiler Identitäten und Autorisierungen. Das betrifft nicht nur Schulungen gegen Schockanrufe, die in den Berichten ebenfalls vorkommen (etwa in Nürnberg: Eine 85-Jährige soll am 4. August Opfer eines falschen Arztes geworden sein, der Geld für eine angebliche Behandlung forderte). Es betrifft auch die technische Gestaltung von Workflows rund um Banking- und Zahlungsfreigaben, etwa indem man Ausnahmen, Freigabewege und Eskalationsprozesse nachvollziehbar macht. In der Praxis heißt das: Nutzer sollten bei verdächtigen Situationen nicht in der App nach „Hilfsmitteln“ suchen, sondern konsequent den Kanalwechsel einleiten und im Zweifel den Zugriff stoppen.
Die letzte Meile bleibt dabei allerdings bei den Endanwendern. Banken und Polizei sind sich laut den Hinweisen einig: Mitarbeiter von Finanzinstituten fragen niemals telefonisch nach Passwörtern, PINs oder TANs. Bei verdächtigen Anrufen gilt „sofort auflegen“ und anschließend die Bank über die offiziell bekannte Nummer kontaktieren. Wer bereits geschädigt wurde, soll das Konto umgehend über den Sperr-Notruf 116 116 sperren lassen und Anzeige bei der Polizei erstatten. Gerade weil KI-gestützte Kampagnen im Hintergrund schneller, individueller und automatisierter werden können, bleibt der wichtigste Schutz letztlich ein stabiler Entscheidungsprozess: nichts freigeben, was man nicht selbst angestoßen hat, und bei Druck sofort die eigene Prüfung hochfahren statt dem Zeitdruck zu folgen.
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