LONDON (IT BOLTWISE) – PFAS gelten als besonders problematische Chemikalien, weil sie im Körper und in der Umwelt lange nachwirken können. Forschende der FAU Erlangen-Nürnberg entwickelten Nanopartikel, die PFAS im Wasser nach Angaben der Studie deutlich stärker binden. In Tests sank die PFAS-Konzentration in kontaminiertem Wasser um 87 Prozent. Damit rückt eine neue Generation der Wasseraufbereitung näher an die Praxis heran.

PFAS tauchen im Trinkwasserdiskurs nicht als abstraktes Umweltproblem auf, sondern als konkrete Frage nach Langzeitwirkung, Messbarkeit und Abscheidetechnik. Die per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen gelten als schwer abbaubar und können über Industrieabfälle, Löschschäume und Deponien in den Wasserkreislauf geraten. Fachleute ordnen das Risiko für eine einzelne Glasportion zwar oft als nicht akut ein, betonen aber zugleich die Bedeutung der Anreicherung über lange Zeiträume. Genau hier setzt der aktuelle Forschungsansatz an: Wenn die Konzentrationen nicht schnell genug sinken, entscheidet die Wasseraufbereitung über das Tempo, mit dem sich Belastungen aus dem System entfernen lassen.
Für die technische Einordnung lohnt sich ein Blick darauf, warum PFAS so hartnäckig sind. Die Moleküle sind chemisch stabil und werden deshalb nicht wie viele andere Stoffe durch einfache biologische Prozesse abgebaut. In der Praxis entstehen dadurch Probleme bei der Behandlung von Grund- und Brunnenwasser, das regionale Einträge widerspiegelt und in längeren Zeiträumen belastet sein kann. Regionale Untersuchungen werden deshalb häufig zu einem Frühwarnsystem: Der Verein VSR-Gewässerschutz analysierte im Juni 60 Brunnenwasserproben aus Krefeld. In etwa jeder siebten Probe lag der Nitratwert über 50 Milligramm pro Liter, und auch wenn das nicht PFAS ist, zeigt es das Grundmuster, dass einzelne Schadstofffamilien standortabhängig auftreten können. Solche Befunde sind für Betreiber wichtig, weil sie wiederum beeinflussen, welche Aufbereitungskette (z. B. Aktivkohle, Membranprozesse oder Fällung) technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.
Mit der von der FAU Erlangen-Nürnberg entwickelten Lösung verschiebt sich der Fokus von generischen Filtermedien hin zu einem gezielteren Bindemechanismus auf Materialebene. Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Marcus Halik arbeitete mit speziellen Eisenoxid-Nanopartikeln. Die Idee: PFAS und fluorhaltiges Mikroplastik sollen an den Partikeln magnetisch gebunden und anschließend aus dem Wasser entfernt werden. In den Tests sank die PFAS-Konzentration in kontaminiertem Wasser um 87 Prozent; zugleich wurde dabei laut Darstellung die Einhaltung neuer Grenzwerte bei 100 Nanogramm pro Liter deutlich unterschritten. Technisch betrachtet geht es damit um eine bessere Kopplung zwischen Schadstoff und Oberfläche: Je stärker die Wechselwirkung, desto weniger „Restkonzentration“ bleibt nach der Abtrennung übrig.
Spannend ist dabei auch, wie solche Laborergebnisse später in den Betrieb übertragen werden können. Nanomaterialien funktionieren nicht im luftleeren Raum: Betreiber müssen die Kontaktzeiten, die Durchmischung, den pH-Wert und den Umgang mit Rückständen berücksichtigen. Eisenoxidpartikel bringen zwar eine Reihe von Vorteilen mit, etwa die prinzipielle Abtrennbarkeit, aber der eigentliche Aufwand entsteht in der Praxis häufig in der Prozessführung und im Nachbehandlungs- und Entsorgungskonzept. Außerdem spielt die Wassermatrix eine Rolle: Begleitstoffe können Bindestellen blockieren oder die Wirksamkeit verändern. Genau deshalb sind Feldtests und wiederholte Messreihen zentral, wenn aus einer beeindruckenden prozentualen Reduktion eine belastbare Aufbereitungskette für unterschiedliche Quellen werden soll.
Parallel dazu zeigt die Debatte um Wasserqualität, dass „Sauber“ nicht gleich „einheitlich“ ist. Selbst bei Mineralwässern ergeben Testreihen Unterschiede in sensorischen Merkmalen und in mikrobiologischen Qualitätsaspekten; zudem dominieren laut Stiftung Warentest bei einigen Marken- und Eigenmarken häufig Discounter-Strukturen das Ergebnisfeld. Diese Perspektive ist wichtig, weil Wasseraufbereitung zwar Schadstoffe wie PFAS adressieren kann, gleichzeitig aber weitere Qualitätsdimensionen im Blick bleiben müssen, etwa Stabilität der Sensorik, mikrobiologische Unbedenklichkeit oder das Verhalten bei Lagerung und Transport. Das Umfeld aus Produktqualität, regionalen Messungen und unterschiedlichen Aufbereitungswegen ist damit mehr als Hintergrundrauschen: Es bestimmt, wie schnell neue Verfahren akzeptiert und skaliert werden.
Auch außerhalb von PFAS zeigt sich, wie stark Chemie und Anwendung zusammenhängen. In einem Forschungskontext der Semmelweis-Universität Budapest wurde untersucht, wie stark alkalisches Mineralwasser mit einem pH-Wert über 8 die Freisetzung von Wirkstoffen aus magensaftresistenten Tabletten wie Omeprazol oder ASS beschleunigt. In Laborversuchen wurde dabei angegeben, dass innerhalb von fünf Minuten über 90 Prozent des Wirkstoffs freigesetzt wurden; dadurch könne die vorgesehene Wirkung beeinträchtigt werden. Für die Praxis folgt daraus eine pragmatische Konsequenz: Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte die Wahl des Wassers an die Formulierung der Arznei anpassen. Auch wenn das nicht unmittelbar mit PFAS zu tun hat, illustriert es, dass Wasser als Träger chemischer Eigenschaften ernst genommen werden muss.
Für Unternehmen und Betreiber in der Wasser- und Versorgungskette liegt die eigentliche Chance der Nanopartikel-Ansätze in der Kombination aus Wirksamkeit und Prozessintegration. Ein Reduktionswert um 87 Prozent ist ein starkes Signal, aber entscheidend wird, ob sich die Technologie in standardisierte Anlagen einfügt, ohne zusätzliche Risiken zu erzeugen. Dazu zählen stabile Betriebsfenster, die Handhabung der Partikel, die Erfassung von Nebenbestandteilen sowie die Auslegung für unterschiedliche Rohwasserqualitäten. Wenn das gelingt, könnten KI-gestützte Überwachungs- und Steuerungssysteme künftig helfen, Messdaten aus dem laufenden Betrieb mit Laborprofilen zu verknüpfen und so die Dosierung präziser zu regeln. Damit würde aus einer Materialinnovationen nicht nur ein Laborresultat, sondern ein skalierbarer Baustein moderner Wasseraufbereitung.
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