MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Startup-CEO Marc Wietfeld schildert, wie im Oktober 2025 Drohnen einen deutschen Flughafen anflogen und Spezialisten aus Bundeswehr, Airport und Politik kurzfristig zusammenkamen. Er sieht im Einsatz von Sprengladung eine Eskalation und warnt, dass Detektion allein nicht reicht. Laut Wietfeld verhindert vor allem Regulatorik eine schnelle Entscheidung zur Abwehr – entweder kinetisch oder nichtkinetisch. Zudem fordert er Ausrüstung, die sich ständig an die rasch wandelnde Drohnentechnologie anpasst.

Als im Oktober 2025 Drohnen einen deutschen Flughafen anflogen, mussten Bundeswehr, Airport und Politik innerhalb kurzer Zeit ein Lagebild herstellen und Spezialisten zusammenziehen. Genau an dieser Schnittstelle sitzt Marc Wietfeld, Jahrgang 1990, der als CEO des Defense-Tech-Startups Arx Robotics seine eigene Erfahrung aus dem Drohnen-Alarm am Münchner Flughafen einordnet. Wietfeld war 14 Jahre bei der Bundeswehr, bevor er 2022 Arx Robotics gründete – und seitdem treibt er nach eigenen Angaben die Entwicklung einer Abwehr, die nicht erst nach langen Freigabeprozessen greift, sondern vor Ort handlungsfähig ist.
In seinem Blick auf die Bedrohung betont Wietfeld vor allem eine technische und taktische Qualität: Der Einsatz von Sprengstoff bedeute eine Eskalation und knüpfe an Tests an, die überflüge über Flughäfen bereits länger vorbereitet hätten. Entscheidend ist für ihn dabei weniger der einzelne Vorfall als die Signalwirkung: Es handele sich nicht um einen „Drohnenfund“, sondern um einen Angriff auf kritische Infrastruktur auf NATO-Boden. Wenn die Angriffslogik von reiner Annäherung zu schadenserzeugenden Wirkungen übergeht, verändert das die Anforderungen an Sensorik, Entscheidungswege und Reaktionszeiten – und macht aus der Drohnenabwehr ein Echtzeitproblem.
Wietfeld räumt ein, dass das Problem in Deutschland erkannt ist. In der Breite aber, so seine Kernaussage, bleibt die Abwehr hinter dem Bedarf zurück: Anfliegende Drohnen werden häufig detektiert, Schutzmechanismen fehlen laut seiner Einschätzung jedoch noch weitgehend. Damit steigt der Druck auf die Abläufe „am Point of Action“ – also dort, wo sich entscheidet, ob eine Drohne kinetisch oder nichtkinetisch neutralisiert wird. Für ihn folgt daraus: Es brauche keine einzelne Wunderwaffe, keinen Wundersensor, und auch nicht zwingend an jedem Standort eine voll ausgerüstete Flugabwehranlage wie ein fest installiertes System. Stattdessen sollte die Fähigkeit zur schnellen Entscheidung in die Einsatzlogik eingebaut werden, damit die Abwehr auch dann funktioniert, wenn sich die Bedrohung in kurzer Zeit weiterentwickelt.
Die „deutsche Denkweise“, große Budgets in lange Entwicklungszyklen zu stecken, kritisiert Wietfeld ebenfalls. Seine Linie: Es geht nicht darum, viel Geld „in die Hand zu nehmen“, sondern schnell Geld in die Hand zu nehmen – also Tempo in Beschaffung, Integration und Anpassung zu bringen. Wer drei Jahre lang an einer neuen Abwehrwaffe baut, deren Fähigkeiten die Angriffstechnologien von vor drei Jahren abbildet, verliere den Takt: Drohnen ändern Reichweite, Steuerung und Einsatzprofile fortlaufend, und damit wird die Hardware-Spezifikation selbst zum Engpass. Genau hier verknüpft er Technik mit Organisation – Resilienz entsteht dann, wenn Trainings-, Update- und Entscheidungsprozesse so kurzzyklisch sind, dass sie mit der Bedrohung mithalten.
Auch der Erfahrungsaustausch spielt in seiner Argumentation eine Rolle. Wietfeld sagt, es gebe bereits mehrere Unternehmen in Deutschland, die mit deutschen Ingenieuren und mit Anwendungs-Erfahrung aus der Ukraine genau jene Kompetenzen aufbauen und bereitstellen könnten, die für die Drohnenabwehr erforderlich sind. Für Unternehmen bedeutet das zugleich: Der Engpass ist nicht nur „Wissen“, sondern die Skalierung von Know-how in Produkte, die sich schnell integrieren lassen – und in Betriebsabläufe, die im Ernstfall funktionieren. Seine klare Rückkopplung an reale Einsätze zielt darauf, dass die Abwehr nicht als reines Projekt, sondern als fortlaufender Betriebszustand verstanden wird.
Zur Frage, wer hinter solchen Attacken steckt, bleibt Wietfeld pragmatisch. Er spricht zwar eine nahe liegende Vermutung zur Orchestrierung an, zugleich stellt er aber klar: Für die Drohnenabwehr zähle am Ende, dass kritische Infrastruktur geschützt werde – unabhängig davon, welche Seite die Drohnen einsetzt. Diese Perspektive ist operativ wichtig, weil sie die Reaktionskette von politischer Attribution entkoppelt. So rückt erneut die technische und organisatorische Kernaufgabe in den Vordergrund: Sensorik erkennen, Prozesse entscheiden lassen, Systeme adaptieren. Genau diese drei Schritte entscheiden darüber, ob aus Detektion im Einsatz ein wirksamer Schutz wird.
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