LONDON (IT BOLTWISE) – MARA Holdings und CleanSpark berichten trotz fortgesetzter KI-Infrastruktur-Offensive spürbar schwächere Quartalsumsätze. MARA meldet für das zweite Quartal 2026 Erlöse von 174,9 Millionen US-Dollar, 27% weniger als im Vorjahr. CleanSpark liegt im dritten Geschäftsquartal bei 138,0 Millionen US-Dollar und damit 30,5% unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Im Hintergrund laufen parallel Expansionsschritte bei Hochleistungsrechenkapazität, Energie- und Rechenzentrumsoptionen.

MARA und CleanSpark rutschen in Umsatz-Tief – KI-Infrastruktur-Pivot trotz Gegenwind
MARA und CleanSpark rutschen in Umsatz-Tief – KI-Infrastruktur-Pivot trotz Gegenwind (Foto: IT BOLTWISE)
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Die jüngsten Quartalszahlen zeigen vor allem eines: Der Schritt von klassischen Bitcoin-Miner-Aktivitäten hin zu KI-Infrastruktur ist keine reine Buchungs-Übung, sondern hängt weiterhin eng an der aktuellen Ertragslage im Mining. MARA Holdings hat im zweiten Quartal 2026 einen Umsatzrückgang um 27% gemeldet – von 238,5 Millionen US-Dollar auf 174,9 Millionen US-Dollar. CleanSpark, das für das dritte Quartal berichtet (Ende am 30. Juni), kam auf 138,0 Millionen US-Dollar und damit auf ein Minus von 30,5% gegenüber 198,6 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Damit werden die Märkte, die den KI-Pivot als Stabilitätsanker verkaufen, zumindest kurzfristig noch von den klassischen Bitcoin-Volkswirtschaften ausgebremst.

Technisch betrachtet bleibt die gemeinsame Klammer beider Unternehmen die Kombination aus Rechenleistung und Stromzugang. MARA nennt für den Zeitraum einen Energized-Hashrate-Zuwachs von 22% auf 70,3 EH/s. Zugleich sinkt der Kostenblock nicht im selben Tempo: Die Kennzahl „Cost per petahash per day“ verbessert sich um 4% auf 27,7 US-Dollar. Solche Bewegungen sind wichtig, weil sie anzeigen, dass mehr Hashrate nicht automatisch bedeutet, dass das Unternehmen pro Einheit Leistung ineffizienter wird. Gleichzeitig liegt die eigentliche Ergebnisqualität trotzdem deutlich unter Druck: MARA weitet den Nettoverlust auf 611,3 Millionen US-Dollar aus, während es im Jahr zuvor noch einen Nettoertrag gab. Einen erheblichen Anteil macht laut Angaben ein 343 Millionen US-Dollar fair-value Verlust auf digitale Assets aus, und auch das Adjusted EBITDA schwenkt von einem Profit in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar zu einem Verlust von 360,9 Millionen US-Dollar.

Bei CleanSpark spiegelt sich derselbe Spannungsbogen: Das Unternehmen meldet einen Nettoverlust von 239,8 Millionen US-Dollar (0,89 US-Dollar je „basic share“) nach vorherigem Nettoertrag von 257,4 Millionen US-Dollar (0,90 US-Dollar je „share“). Auch hier dreht sich das operative Bild: Das Adjusted EBITDA fällt auf -113,0 Millionen US-Dollar nach -377,7 Millionen US-Dollar im Vorjahr, also verbessert sich das Ergebnis gegenüber der sehr schwachen Vergleichsbasis. Auffällig ist jedoch, dass CleanSpark im Quartal zusätzlich einen fair-value Verlust auf Bitcoin von 116,3 Millionen US-Dollar ausweist. Das unterstreicht ein grundlegendes Muster: Selbst wenn Unternehmen ihre KI-Infrastruktur hochfahren und Kapazitäten für Hochleistungsrechenleistung aufbauen, bleibt die Bilanzwirkung von Bitcoin-Preisschwankungen ein dominierender Faktor. Es ist weniger „KI ersetzt Mining“ als „Mining finanziert die KI-Infrastrukturoptionen“, zumindest solange die Umsätze aus dem Mining-Geschäft rückläufig bleiben.

Für die Unternehmensstrategie liefern die Aussagen der Firmen konkrete Anknüpfungspunkte. CleanSpark betont eine Portfolio-Logik: Das Unternehmen verfügt laut eigener Darstellung über mehr als 1,8 GW an Strom-, Land- und Data-Center-Kapazität und verweist gleichzeitig darauf, dass die aktuellen Mining-Ökonomien herausfordernd seien. Besonders deutlich wird der Kommerzialisierungsansatz über eine langfristige, „triple-net lease“ Struktur: CleanSpark nennt eine 20-jährige Vereinbarung über 6,6 Milliarden US-Dollar am Standort Sandersville, inklusive eines „high investment-grade“ Mieters. Unterm Strich zielt das auf eine Entkopplung von der operativen Volatilität ab – die Hoffnung lautet, dass Cashflows aus Infrastrukturverträgen die Grundlage für KI- und HPC-Erweiterungen bilden können, während die Rechenlast aus dem Markt nach und nach steigt.

MARA verfolgt parallel einen ähnlichen Pfad, jedoch mit unterschiedlichen Hebeln. Das Unternehmen arbeitet daran, seine Long-Ridge-Akquisition abzuschließen; die erwartete Wirkung liegt laut Angaben in einem unmittelbaren positiven Adjusted EBITDA und in einer Ausweitung der KI-Kapazität am Hannibal-Campus, sobald die Zustimmung der Federal Energy Regulatory Commission vorliegt. Zusätzlich meldet MARA den Ausbau um 2 GW durch einen akquirierten Standort im Matagorda County in Texas, was das Power-Portfolio Richtung 4,8 GW verschieben könnte. Dazu passt auch die strategische Argumentation im Management-Statement: Bitcoin-Mining lieferte die Grundlage, und „digital infrastructure“ zusammen mit Exaion- und weiteren Technologieinitiativen solle den Wert aus dieser Basis in Richtung mehrstufiger KI-Infrastrukturwertschöpfungsketten übertragen. Für Investorinnen und Investoren ist dabei entscheidend, ob sich diese mehrjährige Optionalisierung schon bald in belastbaren Cashflows niederschlägt – denn die Quartalszahlen zeigen, dass die Umsatzhebel bislang nicht ausreichen, um den Rückgang im Mining-Umfeld zu neutralisieren.

Auch die Bilanzdimensionen machen klar, warum der KI-Pivot in diesem Markt nicht nur eine Softwarefrage ist. CleanSpark weist zum 30. Juni 2026 202,6 Millionen US-Dollar Cash und 814,9 Millionen US-Dollar Bitcoin (bewertet) aus; die Gesamtaktiva belaufen sich auf 2,7 Milliarden US-Dollar, die langfristigen Schulden auf 1,8 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig nennt das Unternehmen ein Working Capital von 761 Millionen US-Dollar. Diese Größenordnung ist relevant, weil sie den finanziellen Spielraum für KI-Rechenzentrumsausbau, Hardware-Refresh und Betriebsmodelle beeinflusst. MARA wiederum verweist auf seine Position als viertgrößter Bitcoin-Halter börsennotierter Unternehmen und nennt eine Treasury-Zahl von 35.577 BTC, während die eigene Bitcoin-Treasury laut dem Bericht um 29% zurückgegangen sein soll. Solche Verschiebungen zeigen, wie eng Kapitallage, Mining-Output und strategische Rebalancings miteinander verwoben sind.

Für die Marktinterpretation ist damit weniger die einzelne Kennzahl entscheidend als das Zusammenspiel aus Hashrate-Wachstum, Preis- und Bilanzrisiken sowie der Geschwindigkeit, mit der Infrastruktur in KI-Nachfrage übersetzt wird. MARA weist im Quartal eine Mining-Menge von 2.422 BTC aus, verkauft 2.213 BTC und setzt dabei durchschnittliche Abverkaufspreise um 73.078 US-Dollar an, während der durchschnittliche Miningspot bei rund 71.325 US-Dollar lag. CleanSpark liefert keine identische Detail-Zusammenstellung im Text, aber die fair-value Effekte und die Ergebnisdrehsignale sind konsistent: Bitcoin-Volatilität wirkt direkt, und der KI-Ausbau braucht Zeit. Gleichzeitig ist die Bewegung in beide Richtungen plausibel: Mehr Rechenleistung und stärkere Energieanbindung erhöhen die Chancen, KI-Workloads attraktiver zu bedienen. Auf der anderen Seite bleibt der kurzfristige Druck bestehen, solange die Umsätze aus dem Mininggeschäft rückläufig sind und weil Investitionen in HPC-Infrastruktur in der Regel nicht automatisch sofortige Umsatzäquivalente auslösen.

Aus Sicht der Branche entsteht damit ein realistisches Bild für Entwickler, Rechenzentrumsbetreiber und Unternehmenskunden, die KI-Workloads planen: Der Engpass wandert zunehmend vom Modell-Training hin zu Infrastrukturzugang, Energiecontracting und Skalierbarkeit im Betrieb. Unternehmen, die Kapazitäten und Stromoptionen besitzen, können sich dadurch als langfristige Partner positionieren – aber sie müssen die Übergangsphase überstehen. Die aktuellen Quartalsrückgänge bei MARA und CleanSpark zeigen, dass der KI-Infrastruktur-Pivot derzeit eher eine Portfolio-Transformation als eine sofortige Ergebnisentlastung ist. Damit rückt auch die Timing-Frage in den Fokus: Genehmigungen wie im Fall von Long Ridge, Hardware- und Standortintegration sowie die Vermarktung von Kapazitäten entscheiden darüber, ob sich aus „optionalem“ Infrastrukturpotenzial bald wieder stabile Ertragsströme formen lassen.


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