KÖLN / LONDON (IT BOLTWISE) – LANXESS meldet für das zweite Quartal einen Umsatzsprung von 6,5 % auf 1,56 Milliarden Euro und bestätigt das Jahresgewinnziel. Der operative Gewinn steigt zwar leicht beim EBITDA, doch der Konzern warnt zugleich vor fehlenden Impulsen für die Nachfrage in den Kernmärkten. Besonders positiv entwickelt sich Specialty Additives, während Advanced Intermediates wegen hoher Energiekosten und Vorratsabbau gegenwind bekommt. Fürs Jahresende setzt das Management daher vor allem auf Kostensenkungsprogramme statt auf eine konjunkturelle Erholung.

LANXESS startet nach einem zweiten Quartal mit ordentlichen Zahlen in das weitere Jahr – aber das Unternehmen bleibt beim großen Bild deutlich vorsichtig. Der Spezialchemiekonzern berichtet von einem Markt, in dem einzelne Faktoren kurzfristig stützen, das Gesamtumfeld jedoch weiterhin anspruchsvoll bleibt. Hintergrund ist unter anderem die angespannte Versorgungslage in Asien: Durch die Sperrung der Straße von Hormus wurde die Öl- und Gasversorgung in Teilen der Region erschwert. Das führte dazu, dass asiatische Chemieunternehmen ihre Produktion zeitweise drosseln mussten und sich bei vielen Grundchemikalien die Preise teils deutlich erhöhten. Genau davon konnten Anbieter mit Produktionsstandorten in Europa profitieren.
Finanziell zeigt sich dieser Mix aus Entlastung durch Liefer- und Preisimpulse und Belastung durch die konjunkturelle Lage. In den drei Monaten bis Ende Juni steigerte LANXESS den Umsatz im Jahresvergleich um 6,5 % auf 1,56 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) liegt bei 152 Millionen Euro und damit gut 1 % höher als im Vorjahr. Für 2026 nennt LANXESS weiterhin eine Zielspanne von 450 bis 550 Millionen Euro, während die Aktie im frühen Handel nach der Meldung zeitweise nachgab. Damit steht die Frage im Raum, ob sich die jüngste Kurserholung fundamental tragen lässt – oder ob Anleger vorerst nur einen technischen Rückprall einpreisen.
Spannender als das Konzernaggregat ist die Performance auf Spartenebene, weil sie erklärt, wo das laufende Einsparprogramm wirken kann und wo die Chemiebranche derzeit die Grenzen ausreizt. Specialty Additives, unter anderem mit Spezialchemikalien für Reifenindustrie, Additive für Schmierstoffe und Kunststoffe sowie Flammschutzmittel für die Elektronik und Gebäudedämmung, lief im Quartal besonders stark. Hier sprang der operative Gewinn um rund ein Drittel nach oben. Dagegen geriet Advanced Intermediates – also industrielle Zwischenprodukte wie anorganische Farbpigmente – durch hohe Energiekosten sowie den Abbau von Vorräten unter Druck und musste einen deutlichen Ergebnisrückgang hinnehmen. Höhere Verkaufspreise konnten diese Belastung offenbar nicht vollständig kompensieren.
Im Bereich Consumer Protection rund um Duftstoffe, Desinfektionsmittel und Wasseraufbereitungstechnologien fiel der operative Gewinn zwar etwas, allerdings verweist LANXESS auf einen entscheidenden Sondereffekt aus dem Vorjahr: Damals gab es eine Versicherungserstattung im hohen einstelligen Millionen-Euro-Bereich. Zusätzlich belastet eine anhaltende Nachfrageschwäche aus der Agrarchemie die Tochter Saltigo. Damit verdichtet sich das Muster: Während einzelne Endmärkte wie Reifen und Elektronik zeitweise mehr Spielraum bieten, drücken bei Zwischen- und Spezialchemikalien steigende Kosten und Nachfragedynamik. Zugleich restrukturiert LANXESS die Auftragsfertigerin für Pharma- und Agrarchemieunternehmen aktuell; der Fokus soll stärker auf der Pharmaindustrie und auf Spezialanwendungen liegen, um die Abhängigkeit von zyklischen Volumenschwankungen zu reduzieren.
Das Management versucht, die Erwartungshaltung für die zweite Jahreshälfte entsprechend zu kalibrieren. LANXESS-Chef Matthias Zachert betont, dass trotz der Zugewinne im zweiten Quartal kein nachhaltiger Aufschwung der Nachfrage in den Kernmärkten in Sicht sei und die Marktbedingungen anspruchsvoll bleiben. Bis Ende des Jahres rechnet das Unternehmen voraussichtlich mit keinen weiteren konjunkturellen Impulsen, erwartet aber aus den Kostensenkungsprogrammen höhere Beiträge als im ersten Halbjahr. Genau an dieser Stelle entscheidet sich für Investoren die Bewertung: Nicht die kurzfristige Preisstütze durch geänderte Versorgungswege, sondern die Fähigkeit, Margendruck durch Effizienzmaßnahmen zu kompensieren, wird zum zentralen Faktor.
Auch an der Börse spiegelt sich diese Gemengelage. Für den Aktienkurs ging es am Vormittag um knapp drei Prozent auf 16,70 Euro nach unten; gleichzeitig hatten sich die Papiere vom Dreimonatstief Anfang Juli zuletzt deutlich erholt, die Gewinne seitdem summieren sich noch auf rund 17 %. Langfristig ist die Erwartung jedoch noch nicht auf eine Bodenbildung festgelegt: 2026 steht die Aktie laut den vorliegenden Angaben gut 5 % im Minus, und über fünf Jahre hat sie rund drei Viertel ihres Wertes verloren. Unter dem Strich verbuchte LANXESS im zweiten Quartal einen Verlust von 53 Millionen Euro nach einem Minus von 45 Millionen Euro im Vorjahresquartal; als Gründe werden Wertberichtigungen sowie Kosten für Restrukturierungsmaßnahmen genannt.
Für die Branchenlogik bleibt damit entscheidend, wie sich Kosten und Nachfrage im Verlauf des zweiten Halbjahres tatsächlich entkoppeln lassen. Analysten sehen hier unterschiedliche Treiber: So wurde in einer ersten Reaktion unter anderem hervorgehoben, dass Consumer Protection und Specialty Additives besser abgeschnitten hätten als erwartet, während Advanced Intermediates hinter den Erwartungen zurückblieb. JPMorgan zufolge könnte die Schwäche von Advanced Intermediates auch mit einer verzögerten Weiterreichung gestiegener Rohstoffkosten an Kunden zusammenhängen; falls sich das bestätigt, könnte sich der Verlauf im zweiten Halbjahr entspannen. Für Unternehmen in der Chemielieferkette heißt das vor allem: Preissetzung, Energiebeschaffung und Bestandsführung sind derzeit nicht nur operative Themen, sondern direkt Bewertungshebel – und genau diese Stellschrauben wird LANXESS über das weitere Jahr hinweg verlässlich beweisen müssen.
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