RABAT / LONDON (IT BOLTWISE) – Gianni Infantino strebt bei der FIFA-Wahl am 18. März 2027 in Rabat eine weitere Amtszeit bis 2031 an. Die UEFA hält dagegen an einem Boykott-Plan fest und knüpft ihr Vertrauen an Zusicherungen, solche Versuche der Rechtevermarktung künftig zu unterlassen. Europa und Afrika signalisieren sich damit gegenseitig einen Machtkampf, während Asien und Teile Amerikas noch offen wirken. Entscheidend dürfte sein, wer die Verteilung der Stimmen im Weltverband bis zur Wahl tatsächlich dreht.

Gianni Infantino geht mit einem klaren Ziel in die FIFA-Wahl am 18. März 2027 in Rabat: Er will nicht nur bleiben, sondern seine Amtszeit bis 2031 verlängern. Die Ausgangslage wirkt dabei paradox, denn auf der einen Seite steht der Hinweis, dass die FIFA-Krisensitzungen und die jüngsten Diskussionen um den Verkauf von WM-Rechten den Verband besonders unter Druck setzen. Auf der anderen Seite zeigt die politische Dynamik bereits jetzt, wie stark die Wahl weniger als „Personalfrage“, sondern eher als Test über Bündnisfähigkeit, Kontrollansprüche und Abstimmungsdisziplin verstanden wird.
Europa stellt diesen Anspruch besonders laut in den Raum. Laut Bericht aus der FIFA-Umfeldkommunikation hatte die UEFA in kurzer Zeit alle 55 stimmberechtigten Mitgliedsverbände hinter eine Boykottdrohung versammelt. Damit sendete der Kontinentalverband ein geschlossenes Signal: keine Zustimmung zu den Plänen, die im Zusammenhang mit dem gescheiterten Investorendeal im Raum stehen. In der Folge hält die UEFA die Drohung auch nach dem Abzug des Investorendeals aufrecht und macht sie an eine Erwartung geknüpft, bei künftigen Versuchen, den Fußball auf diese Weise zu „entstellen“, müsse es nach ihrer Darstellung entsprechende Zusicherungen geben.
In dieser europäisch verdichteten Frontlinie fällt zudem auf, dass das Lager zwar gegen Infantino argumentiert, aber nicht jede Mitgliedschaft gleich sichtbar ist. Aus der UEFA-Sicht heißt es, man habe das Vertrauen in den Präsidenten verloren; gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass eine interne Unterstützung durch einzelne FIFA-Angestellte daran nichts ändere. Einzelne Mitgliedsverbände wie Serbien und Wales hätten zudem ihr Unterstützungsschreiben für Infantino zurückgezogen. Ob weitere Verbände nachziehen, bleibt offen; gerade diese Unklarheit ist strategisch relevant, weil die FIFA-Wahl in Stimmenblöcken entschieden wird und nicht über öffentliche Debatten allein.
Während Europa auf Konfrontation setzt, liefert Afrika eine bemerkenswert eindeutige Gegenposition. Der Kontinentalverband Caf kann Infantino dem Bericht zufolge in „großer Mehrheit“ zuordnen, und auch das Exekutivkomitee soll einstimmig die Erklärung von Infantino und Mattias Grafström begrüßt haben. Dass ein Dachverband kurz nach dem Scheitern der Investorenpläne intern so sichtbar pro Infantino Stellung bezieht, wirkt wie ein Signal für Prioritäten: Stabilität in der Organisation, Rückhalt aus dem Global South und ein Verständnis davon, welche Rolle die FIFA-Verwaltung in der Umsetzung großer Turnierpläne spielt. Caf-Präsident Patrice Motsepe hebt dabei nicht nur die Position der Unterzeichner hervor, sondern dankt ausdrücklich für den Einsatz für den afrikanischen Fußball sowie für die erfolgreiche Austragung der WM 2026; im Bericht wird auch beschrieben, dass Afrika durch das auf 48 Nationen erweiterte WM-Feld zehn Teilnehmer stellte, während es 2022 in Katar noch fünf gewesen seien.
Asien wiederum erscheint als Spannungsbogen zwischen Loyalität und Machtkalkül. Der AFC stellt sich dem Bericht zufolge schnell gegen die Pläne, positioniert sich jedoch nicht gegen den Präsidenten selbst. Infantino kann laut Darstellung „knapp zehn“ Unterstützer aus dem asiatischen Raum auf sich vereinen, darunter auch der frühere WM-Gastgeber Katar. Selbst kleinere Verbände wie die Mongolei und die Philippinen werden in diesem Zusammenhang genannt. Entscheidend ist aber weniger die öffentliche Namensliste als die Frage, ob Asien im Frühjahr 2027 zum „Königsmacher“ werden könnte, weil die Verhältnisse in Europa und Afrika bereits relativ klar wirken.
Auch in Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik zeigt sich eine Mischung aus geschlossener Verbandslinie und nationalen Ausnahmen. Der Bericht ordnet Concacaf ähnlich wie Europa und Asien als Block ein, der gegen das Milliarden-Vorhaben steht; gleichzeitig wird betont, dass nicht alle Mitgliedsverbände automatisch grundsätzlich gegen Infantino seien. Vielmehr dürften die Nord- und Mittelamerikaner gesteigertes Interesse daran haben, den eigenen Verbandspräsidenten Victor Montagliani aus Kanada als nächsten FIFA-Chef zu platzieren. Gleichzeitig überrascht eine öffentliche Wortmeldung Mexikos, das den zuvor geschlossenen Concacaf-Block aufbrach und Infantino Unterstützung zusicherte; der Bericht deutet an, dass weitere Nationen folgen könnten, vor allem dort, wo kleinere Staaten durch Infantinos Expansionspolitik spürbar profitiert hätten. In Südamerika bleibt die Lage dagegen tendenziell pro Infantino, weil Conmebol nicht kategorisch gegen die Pläne auftritt, aber seine Besorgnis über die „wiederholt einseitigen Maßnahmen“ rund um den geplanten Verkauf von WM-Rechten ausdrückt.
Für die Wahlentscheidung könnte am Ende weniger die Rhetorik als die konkrete Kandidatenlandschaft zählen. Der Bericht macht deutlich, dass aktuell unklar ist, wer überhaupt gegen Infantino antreten könnte; als möglicher Bewerber wird Nasser Al-Khelaifi genannt, Präsident bei Paris Saint-Germain, der Ambitionen zuvor zurückgewiesen haben soll. Diese Unschärfe ist für alle Seiten strategisch, denn sie zwingt die Kontinente, ihre Bündnisse bis zum letzten Moment nach Abstimmungslogik zu optimieren. Selbst Ozeanien bleibt indes offen: Der OFC habe bislang keine inhaltliche Positionierung zum gescheiterten Investorenplan veröffentlicht, obwohl kleine Nationen in den vergangenen Jahren nach Darstellung des Berichts Geld und eine echte Chance auf WM-Tickets durch Infantinos Expansionspolitik erhalten hätten. Damit bleibt der Wahlkampf am 18. März 2027 in Rabat weniger eine Debatte über Visionen als ein Durchrechnen von Mehrheiten: Wer kann welche Stimmen kurzfristig stabilisieren, und wer muss in letzter Minute umschwenken?
Unabhängig vom sportlichen Spitzenpersonal zeigt die FIFA-Entscheidung auch eine technische und organisatorische Parallele zu anderen Plattform- und Verbandswelten: Macht wird in solchen Systemen häufig dort entschieden, wo Prozesse, Rechteflüsse und Zustimmungswege standardisiert oder blockiert werden. Der Konflikt um die Vermarktung von WM-Rechten wirkt damit wie ein Prüfstein für das Vertrauen in Governance-Strukturen – genau dort, wo ein Vorstand oder Exekutivkomitee signalisiert, dass es den Kurs nicht allein in der Person, sondern in der methodischen Ausführung sieht. Für Entscheider aus Verbänden und Organisationen ist das ein konkreter Hinweis darauf, wie schnell sich Bündnisse verfestigen, wenn ein Projekt als „entstellend“ wahrgenommen wird, und wie stark Gegenkräfte mobilisieren, wenn zugleich Turnier-Ergebnisse und die Verteilung von Startplätzen als Argumentationslinie dienen. Die UEFA versucht über Boykott und Zusicherungsforderungen die Verhandlungsposition zu erzwingen, Afrika stärkt dagegen mit klarer Unterstützung und Verweis auf die WM 2026 den Status quo, und Asien könnte mit seiner weniger eindeutigen öffentlichen Linie den Ausschlag geben.
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