LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Mehrheit der Deutschen hält große US-Techkonzerne wie Amazon, Google, Meta und weitere für zu einflussreich. In der repräsentativen YouGov-Umfrage sprechen 66 Prozent von einem Problem, besonders hohe Werte finden sich bei Grünen- und älteren Wählergruppen. Als Hauptgründe nennen Befragte Abhängigkeit von den USA sowie Sorgen um Datenschutz, Privatsphäre und die Meinungsbildung durch Algorithmen. Parallel fordern mehrere Parteien mehr Durchsetzungskraft bei EU-Regeln und eine Digitalsteuer für Konzerne mit bislang geringer Steuerlast.

Umfrage: Mehrheit sieht zu viel Macht US-Techkonzerne – Politik drängt auf Digitalsteuer
Umfrage: Mehrheit sieht zu viel Macht US-Techkonzerne – Politik drängt auf Digitalsteuer (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Debatte um die Macht großer US-Techkonzerne bekommt in Deutschland neuen politischen Druck, nachdem eine repräsentative Umfrage klare Vorzeichen geliefert hat. Laut einer exklusiven YouGov-Erhebung für einen deutschen Wirtschaftskontext halten zwei Drittel der Bevölkerung Unternehmen wie Amazon, Google, Meta, Apple, SpaceX oder OpenAI inzwischen für zu einflussreich. 66 Prozent stimmen der Aussage zu, nur 18 Prozent widersprechen, 17 Prozent bleiben unentschlossen. Interessant ist dabei weniger der Grundtenor als die soziale Verteilung: Wer bereits politisch skeptisch positioniert ist, wirkt in der Frage nach Tech-Macht deutlich anders als Teile des sonstigen Elektorats.

Besonders auffällig ist die parteipolitische Schlagseite. Unter Grünen-Wählerinnen und -Wählern sehen 85 Prozent den Einfluss als zu groß, bei Unterstützern der Linkspartei sind es 77 Prozent. Auch bei SPD- und Unionswählern liegt die Zustimmung mit 74 bzw. 72 Prozent spürbar über dem Bundesdurchschnitt. Dagegen bleibt die Skepsis bei AfD-Anhängern deutlich zurück: Hier stimmen 47 Prozent zu, während 34 Prozent keinen übermäßigen Einfluss erkennen. Bei der FDP hält eine knappe Mehrheit (52 Prozent) die Macht für zu groß; 34 Prozent sehen hingegen keinen Handlungsbedarf. Diese Muster deuten darauf hin, dass „Tech-Skepsis“ in Deutschland nicht nur ein Thema einzelner Milieus ist, sondern sich je nach politischem Kontext mit unterschiedlichen Prioritäten überlagert.

Technisch und politisch wird die Wahrnehmung vor allem mit Abhängigkeit begründet. Gefragt nach den Gründen nennen 63 Prozent der Kritiker eine wachsende Abhängigkeit Deutschlands von den Vereinigten Staaten. Fast ebenso häufig (59 Prozent) wird den Technologiekonzernen vorgeworfen, monopolartige Strukturen aufgebaut zu haben. 55 Prozent verweisen zudem explizit auf Datenschutz- und Privatsphärenrisiken. Dazu kommt die Sorge um die öffentliche Debatte: Mehr als die Hälfte der Kritiker (53 Prozent) meint, die Unternehmen beeinflussten die Meinungsbildung über Algorithmen. Drei von zehn Befragten sehen außerdem die Gefahr, dass Konzerne politische Entscheidungen oder Gesetzgebungsprozesse in Deutschland beeinflussen könnten. Dass dabei Plattform-Logik, Werbe- und Empfehlungsmechanismen sowie Datenverarbeitung als „Hebel“ der Macht wahrgenommen werden, passt zu einem breiteren Muster, das auch in früheren europäischen Diskussionen um Plattformregulierung immer wieder auftauchte.

Mit der Generation verschiebt sich die Bewertung ebenfalls. Während unter 18- bis 29-Jährigen 60 Prozent von zu viel Einfluss sprechen, steigt der Wert bei Menschen über 60 Jahren auf mehr als 70 Prozent. Auch der Bildungsgrad spielt mit: Bei Befragten mit hohem Bildungsstand liegt die Zustimmung bei 73 Prozent, in der Gruppe mit niedrigem Bildungsniveau dagegen bei 58 Prozent. Besonders relevant für Unternehmen ist die Frage, wie sich solche Einstellungen in konkrete Erwartungen an Produkte und Services übersetzen. Wenn Datenschutz und Privatsphäre (55 Prozent der Kritiker) sowie die algorithmische Beeinflussung der Meinungsbildung (53 Prozent) so stark im Vordergrund stehen, dann rücken Themen wie Datenminimierung, Transparenz über Empfehlungslogiken und die tatsächliche Nutzerkontrolle stärker in den Mittelpunkt von Beschaffungs- und Compliance-Entscheidungen, selbst bei Organisationen, die das Thema sonst als „Public Policy“ abtun.

Auch wenn Künstliche Intelligenz in der Umfrage nicht im Zentrum steht, zeigt sich ein zweiter Strang von Sorge: Von denjenigen, die den Einfluss als zu groß betrachten, nennt ein Viertel (25 Prozent) Nachteile für Beschäftigte und den Verlust von Arbeitsplätzen durch KI-Anwendungen. 22 Prozent befürchten sogar eine wachsende soziale Ungleichheit. Das ist für die KI-Industrie deshalb relevant, weil politische Unterstützung häufig an die Frage gebunden ist, ob Innovation und soziale Absicherung zusammen gedacht werden. Gleichzeitig melden mehrere Parteien konkrete Gegenmaßnahmen an: Die Grünen fordern unter anderem eine stärkere Unterstützung der Aufsichtsbehörden bei der Umsetzung entsprechender EU-Gesetze, die Entwicklung von Alternativen zu den US-Firmen sowie den Aufbau eigener Cloud-Lösungen. Konkreter wird es mit dem Vorschlag, eine Digitalsteuer für große Techfirmen einzuführen, die bislang nach Darstellung der Politik nur vergleichsweise wenig Steuern zahlen. Fraktionsvize Konstantin von Notz wird dabei mit dem Satz zitiert: „Auch die Einführung einer Digitalsteuer für die großen Techfirmen, die bis heute noch immer kaum Steuern zahlen, gehört dazu“. Aus der Parteizentrale der SPD kommen laut Bericht ähnliche Forderungen; zudem wird betont, dass strukturelle Macht nicht unbegrenzt auf Märkte, Medien und die demokratische Öffentlichkeit einwirken dürfe.

Die Forderungen zielen dabei nicht nur auf Symbolpolitik, sondern auch auf Durchsetzbarkeit und Infrastruktur. Die Linkspartei verlangt nach dem Bericht eine selbstbewusste Haltung Europas gegenüber den amerikanischen Techkonzernen und verknüpft das mit „wirksamer Digitalsteuer“ sowie „klaren Regeln“, die konsequent durchgesetzt werden. Bundesgeschäftsführer Janis Ehling wird mit den Worten wiedergegeben: „Wir brauchen eine wirksame Digitalsteuer und klare Regeln, die konsequent durchgesetzt werden“. Auch das Daten-Geschäft wird dabei als Hebel genannt: Der Co-Parteivorsitzende des BSW, Fabio De Masi, spricht sich dem Bericht zufolge mit Blick auf das lukrative Daten-Geschäft für eine schärfere Besteuerung aus. Demgegenüber sieht die stellvertretende FDP-Vorsitzende Svenja Hahn die Ursache hoher US-Abhängigkeit stärker in Überregulierung und Bürokratisierung: „Viel zu oft werden Risiken überbetont, sodass Innovationen im Tech-Bereich von vornherein verhindert werden“. Für Unternehmen heißt das: Der Konflikt zwischen Investitions- und Innovationsanreizen auf der einen Seite und politischer Regulierung samt Besteuerungslogik auf der anderen Seite dürfte in den kommenden Monaten stärker in Beschaffungsprozesse, Partnerschaften und Go-to-Market-Strategien hineinspielen.


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