FORT IRWIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die US-Armee hat Tests im Rahmen von Project Convergence Capstone 6 gestartet, bei denen autonome Ford-Pickups mit Minenerkennung und Einsatzprofilen für Durchbruchoperationen evaluiert werden. Parallel laufen Erprobungen für einen autonomen Raketenwerfer DeepFires, der über ein bemanntes JUMPS-Kommando- und Kontrollfahrzeug gesteuert wird. Mit der Kombination aus zivilen Fahrzeugplattformen, Roboteranbindung und zusätzlicher Fahrzeug-Energie für Sensoren verschiebt sich der Fokus der Automatisierung klar in Richtung weniger Risiko für Soldaten. Gleichzeitig treibt ein neues Heavy-Transport-Prototypenprogramm die Anforderungen an mobile Stromerzeugung und Nutzlast hoch.

Die Erprobungen der US-Streitkräfte bei Fort Irwin zeigen weniger eine einzelne „Autonomie-Demo“, sondern eine konsequente Systemidee: Robuste, in der Breite verfügbare Fahrzeugplattformen sollen die Schnittstelle für unbemannte Aufgaben übernehmen. Im Zentrum steht dabei Project Convergence Capstone 6 (PC-C6), die Übung, in der sich am Ende Juli Feldversuche und Vertragsvergaben zu einem klaren Bild verdichteten. Die Logik dahinter ist pragmatisch. Wo früher Fahrzeuge selbst in den Gefahrenbereich fuhren, sollen heute Sensorik, Entscheidung und Aktuierung stärker auf Robotik ausgelagert werden – und zwar so, dass Bediener weiterhin mit einem zentralen Kontrollfahrzeug arbeiten können.
Am 31. Juli kündigte die US-Armee die Vorbereitung von Tests mit autonomen Ford F-250-Pickups an, die mit Systemen des Unternehmens Forterra ausgestattet sind. Das XVIII Airborne Corps soll vier dieser Fahrzeuge evaluieren, unter anderem für Minenerkennung und Durchbruchoperationen. Genau hier wird sichtbar, warum zivile Automobilbasisplattforme so attraktiv sind: Pickup-Fahrzeuge bringen etablierte Wartungswege, bekannte Ersatzteilketten und eine für militärische Feldbedingungen hinreichende Robustheit mit. Gleichzeitig lässt sich die Automatisierungssoftware als „Schicht“ aufsetzen, sodass die eigentliche Innovation weniger im Karosseriebau als in der Sensorik, der Navigation und der sicheren Anbindung liegt. Für die Einsatzführung ist das auch deshalb relevant, weil Minenräumung nicht nur Geschwindigkeit, sondern vor allem wiederholbare Erkennungs- und Abstandslogik erfordert.
Parallel zur Pickup-Erprobung testete das 2. Bataillon des 18. Feldartillerie-Regiments den autonomen Raketenwerfer DeepFires in Fort Irwin. In diesen Tests, die Unterstaatssekretär Michael Obadal am 24. Juli beobachtete, steuerte ein bemanntes JUMPS-Kommando- und Kontrollfahrzeug erfolgreich zwei Roboterplattformen. JUMPS fungiert dabei als eine Art „Insel“ der Kontrolle: Ein einziges, fahrzeugbasiertes Kommandozentrum bündelt die Steuerung mehrerer unbemannter Träger. Das System entstand laut Quelle in Zusammenarbeit von Armee, Oshkosh, Forterra, Corvid Technologies und Collins Aerospace; das Ziel ist künftig, dass ein Kommandofahrzeug bis zu vier Werfer bedienen kann. Technisch bedeutet das vor allem Lastverteilung auf mehreren Ebenen: Kommunikationspfade, robuste Funk- und Datenverbindungen sowie eine Betriebslogik, die Fehlermeldungen und Statusupdates konsistent zwischen bemannter und unbemannter Komponente abwickelt.
Während die Robotik für Gefechtsunterstützung wächst, verlagert sich die Automatisierung zugleich in Richtung Transport und Energieversorgung. Ende Juni vergab die US-Armee Prototypaufträge im Programm Infantry Squad Vehicle-Heavy (ISV-H) an Ford, GM Defense und BC Customs. Bis zum 30. März 2027 müssen die Hersteller jeweils drei Prototypen liefern; die endgültige Vergabe für mehr als 600 Fahrzeuge soll für Herbst 2027 erwartet werden. Die Anforderungen sind dabei klar auf „fließende“ Sensor- und Funklasten ausgelegt: Die Fahrzeuge sollen 60 kW Hochspannungs-Gleichstrom bereitstellen und rund 1.800 Kilogramm Nutzlast tragen. Dazu passt die Wahl der Basisplattformen: Ford adressiert das über die F-Series-Super-Duty-Plattform, GM Defense über den Chevrolet Silverado HD 3500. Der strategische Effekt ist deutlich. Wer mobile Stromerzeugung in der Fahrzeugarchitektur verankert, reduziert Abhängigkeiten von externen Generatoren und kann unbemannte Systeme sowie Aufklärungskomponenten näher an die Einsatzlinie bringen.
Auch im Nachschubsektor werden die Bausteine für „hybride“ und sprachgestützte Autonomie zusammengeführt. American Rheinmetall sicherte sich dafür einen 18-Monats-Vertrag für Sustainment. Gemeinsam mit Partnern wie Harbinger, Forterra und Primordial Labs arbeitet das Unternehmen an hybriden autonomen Bodenfahrzeugen mit integrierter Sprachsteuerung. Schon vorher stellte Rheinmetall Canada Mitte Juli den Mission Master Silent Partner-Hotel (MMSP-H) vor: ein vollelektrisches 8×8-Fahrzeug, das eine Tonne Last an Land transportieren kann. Diese Kombination aus leiser Elektrik und autonomen Fahrfunktionen zielt auf einen wichtigen Praxispunkt: In der Logistik entscheidet nicht nur die Reichweite, sondern auch die Betriebsakustik, die Planbarkeit von Fahrprofilen und die Fähigkeit, in komplexen Umgebungen zuverlässig zu manövrieren – gerade dann, wenn Fahrzeuge nicht dauerhaft von allen Seiten eingesehen werden können.
Ergänzt wird das Gesamtbild durch weitere parallele UGV- und Drohnen-Erprobungen im gleichen Übungsumfeld. BLADE präsentierte am 30. Juli den Dire WOLF UGV: einen diesel-elektrischen Hybriden, der Hindernisse von 60 Zentimetern Höhe überwinden und Strom exportieren kann. Am 31. Juli testete Thales Australia den Guardian Angel UGV mit einem 8×4-Prototypen samt Schusswaffeneinsatz; entwickelt wurde er in sechs Wochen, um Risiken für Frontsoldaten zu reduzieren. Die autonome Drohne Pyka DropShip absolvierte Ende April ihren Erstflug und führte am 31. Juli bei PC-C6 Versorgungsmissionen durch, inklusive simulierter Verwundetenevakuierung und Medikamententransport über mehr als 5.600 Kilometern. Vor allem diese Distanzangabe macht deutlich, dass „Autonomie“ nicht nur lokal im Fahrbetrieb stattfindet, sondern sich auch in Missionsplanung, Routenwahl und Übergabeprozeduren zwischen Systemen ausdrückt.
Zum Ende hin unterstreicht auch der Multinationalitätsaspekt, warum die bisherigen Schritte mehr sind als einzelne Technologieinseln. In der Mojave-West schlossen die Five-Eyes-Nationen am 30. Juli eine gemeinsame Übung ab, bei der rund 50 bis 60 Technologien getestet wurden – darunter KI-gesteuerte Drohnen und autonome Lastwagen für den Nachschub. Das Hauptaugenmerk lag laut Quelle auf Interoperabilität zwischen den verbündeten Streitkräften. Genau darin liegt für die Industrie ein zentraler Hebel: Sobald Steuerungs- und Datenflüsse zwischen verschiedenen Plattformen und Ländern standardisierter funktionieren, sinkt der Integrationsaufwand bei neuen Varianten. Für Unternehmen, die Komponenten für Robotik, Energieversorgung, Sensorintegration oder Kommunikationsschnittstellen liefern, entsteht dadurch ein größerer Markt, allerdings auch ein höherer Druck auf Dokumentationsqualität, Schnittstellenstabilität und robuste Betriebsfähigkeit im Feld.
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