LONDON (IT BOLTWISE) – OpenAI hat das Präsentations-Startup NextSlide übernommen, allerdings wurde der Zukauf erst später öffentlich gemacht. Das Team um Gründer Ahmed Beshry arbeitet nach Angaben nun bei OpenAI an ChatGPT, ein eigenständiges NextSlide-Produkt verschwindet. Der Deal passt in einen breiteren Umbau Richtung KI-Workflows für fertige Arbeitsergebnisse, in denen Präsentationen ein häufiges Kundenbedürfnis sind. Offen bleibt, ob und wie NextSlide-Funktionen in ChatGPT integriert werden.

OpenAI hat mit der Übernahme von NextSlide erneut ein Muster sichtbar gemacht, das in den vergangenen Monaten besonders gut zu der Produktstrategie des Unternehmens passt: Statt einen weiteren eigenständigen Tool-Anbieter aufzubauen, integriert OpenAI gezielt ein kleines Team und dessen Expertise in eine bestehende Produktlinie. Nach Angaben, die der Gründer Ahmed Beshry selbst veröffentlicht hat, wurde die Transaktion zwar bereits früher im Jahr 2026 abgeschlossen, die Bekanntmachung kam aber „ein paar Monate zu spät“. Ein Kaufpreis oder Details zu den Konditionen wurden nicht genannt, und auf der Website von NextSlide ist mittlerweile nur noch eine Abschiedsnotiz zu sehen. Für Unternehmen ist das vor allem deshalb relevant, weil es weniger nach einer reinen Übernahme von Features aussieht, sondern nach einer gezielten Beschleunigung von KI-gestützter „Output“-Erzeugung: aus Notizen werden fertige Präsentationsunterlagen.
NextSlide hatte dabei einen klar umrissenen Zweck, der aus Nutzersicht eigentlich genau die Lücke adressiert, die viele Teams im Arbeitsalltag kennen: Inhalte entstehen oft als Prompt, Stichpunkte, Dokumente oder Recherchematerial – die eigentliche Folienproduktion dagegen scheitert an Gestaltung, Formatierung und Konsistenz. Beshry beschreibt den Kernansatz als „polierte, editierbare Präsentation“, also nicht als einfachen Foliengenerator, sondern als Weg, visuelle Kommunikation zugänglicher zu machen, insbesondere für Menschen ohne Design-Erfahrung. Diese Abgrenzung ist technisch bedeutsam: Wer nur „Slides schneller erzeugen“ will, landet häufig bei unflexiblen Vorlagen. Wer dagegen editierbare Ergebnisse priorisiert, muss stärker in Layout- und Formatierungslogik investieren, etwa in der sauberen Strukturierung von Textbausteinen, dem Umgang mit Typografie-Regeln und dem Übersetzen von Quelleninhalten in konsistente Folien.
In der Systematik wirkt der Deal wie ein Acqui-Hire, also eine Übernahme, bei der das Team und das vorhandene Produkt-Know-how im Vordergrund stehen. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil OpenAI parallel an einer produktivitätsorientierten Ausrichtung arbeitet, die Präsentationen als „Arbeitsergebnis“ und nicht als Nebenthema betrachtet. Im März 2026 hatte Fidji Simo, damals CEO of Applications, auf einem All-Hands angekündigt, das Unternehmen richte sich „aggressiv“ auf produktivitätsstarke Anwendungsfälle aus und solle sich nicht in Nebenschauplätzen verlieren; ein möglicher Börsengang galt als Hintergrund. Diese Stoßrichtung wurde in den darauffolgenden Monaten auch in den Produktankündigungen sichtbar: Im Juli 2026 stellte OpenAI die Modellfamilie GPT-5.6 vor und präsentierte den Agenten „ChatGPT Work“, der mehrstufige Büroaufgaben wie das Erstellen von Dokumenten, Tabellen und eben auch Präsentationen übernehmen soll. Gleichzeitig positionierte das Unternehmen diese Releases offen als Antwort auf Anthropic.
Gerade hier setzt NextSlide als Baustein an: Präsentationen lassen sich im Unternehmenskontext selten als „Einmal-Output“ behandeln. In der Praxis kommen iterativ Rückfragen dazu, Anpassungen an Tonalität und Zielgruppe, sowie eine fortlaufende Versionierung, bei der Folien nicht nur erstellt, sondern überarbeitet werden müssen. Wenn OpenAI ChatGPT in Richtung Werkzeug erweitert, wird der Bedarf an zielgerichteten Formatierungs- und Editiermechanismen größer – und genau das war bei NextSlide ein zentraler Anspruch. Dass NextSlide aktuell kein eigenständiges Produkt mehr anbietet, sondern sein Interface nach und nach verliert, deutet darauf hin, dass die Funktionalität in eine bestehende ChatGPT-Arbeitslogik überführt werden soll. Für Teams heißt das perspektivisch: weniger Wechsel zwischen Notiz-Tool, Präsentationssoftware und KI-Hilfe, mehr „End-to-End“-Prozess innerhalb einer einzigen Umgebung, in der Dokumente und Folien aus denselben Arbeitskontexten entstehen.
Der strategische Druck auf OpenAI kommt dabei aus dem Enterprise-Geschäft, das über Jahre hinweg als schwerer „Showroom“ für KI-Funktionen galt: Wer in Unternehmen einkauft, braucht planbare, oft hochpreisige Verträge und vor allem reproduzierbare Ergebnisse in echten Workflows. Laut Daten, die der Ausgaben-Management-Anbieter Ramp ausweist, zeigte sich im März 2026 eine Trendwende: Unter Unternehmen, die erstmals KI-Dienste einkaufen, entschied sich die deutliche Mehrheit für Anthropic. Der Anteil der Firmen mit einem Anthropic-Abo stieg innerhalb eines Jahres von rund vier auf knapp ein Viertel, während OpenAI den stärksten je gemessenen Monatsrückgang verzeichnete. Auch Menlo Ventures sieht Anthropic bei Enterprise-Workloads, insbesondere beim Coding, seit längerem vorn. OpenAI bleibt zwar beim Gesamtumsatz vorn, getragen von rund 900 Millionen wöchentlichen ChatGPT-Nutzer: innen, aber die Verschiebung betrifft vor allem den Teil des Marktes, der für langfristige Skalierung und stabile Budgetierung am wichtigsten ist.
Parallel dazu baut Anthropic seine Office-Nähe aus, was den Wettbewerb um „fertige Arbeitsergebnisse“ zusätzlich intensiviert. Seit Februar 2026 können auch Gratis-Nutzer: innen Excel-, PowerPoint-, Word- und PDF-Dateien direkt im Chat erzeugen lassen; seit dem Frühjahr existieren Claude-Add-ins für Excel, Word, PowerPoint und Outlook, die den Kontext zwischen den Anwendungen weiterreichen. OpenAI hält im selben Umfeld einen eigenen Sidebar-Add-in-Ansatz für PowerPoint bereit, also einen spezifischen Integrationsweg in das Office-Ökosystem. Vor diesem Hintergrund ist NextSlide mehr als ein isolierter Zukauf: Wenn ChatGPT Work tatsächlich zunehmend Dokumente und Präsentationen als Agenten-Aufgabe abbildet, muss die Qualität des Präsentationsoutputs nicht nur „formatieren“, sondern auch in typische Firmenanforderungen wie Klarheit, Struktur und schnelles Nachbearbeiten übersetzen. Genau da kann das Know-how aus NextSlide entlastend wirken, weil der Fokus bereits bei der Konvertierung von Rohmaterial in editierbare Decks lag.
Was bleibt, ist der konkrete Integrationspfad. OpenAI hat im Zusammenhang mit NextSlide keine Produktpläne kommuniziert: Unklar ist, ob und in welcher Form die Slide-Funktionen des Startups in ChatGPT auftauchen, ob es dafür neue Workflows geben wird oder ob die Fähigkeiten in bestehende Agenten- oder Editor-Stationen einfließen. Auch die wirtschaftliche Seite des Deals bleibt offen, weil weder Preis noch Konditionen veröffentlicht wurden. Klar ist allerdings die Richtung, die in der Summe mehrerer Signale sichtbar wird: ChatGPT soll weniger als reiner Chatbot verstanden werden, sondern stärker als Werkzeug für Ergebnisse, die unmittelbar in Arbeitsprozesse zurückgespeist werden können. Für Entscheider bedeutet das, dass sie bei der KI-Einführung künftig weniger auf einzelne „Demofunktionen“ schauen sollten, sondern auf die Fähigkeit, aus gemeinsamem Kontext konsistente Deliverables zu erzeugen – gerade bei Präsentationen, die in Unternehmen zu den häufigsten Ausgangspunkten für Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse gehören.
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