LONDON (IT BOLTWISE) – Base Power, ein Startup von Zach Dell, will teure gasbetriebene Notstromgeneratoren durch Heimbatterien ersetzen. Das Unternehmen verzeichnet ein starkes Wachstum: von einer Installation pro Tag auf über 100 täglich und mehr als 30.000 Kunden. Nach einer Series-D-Runde mit 1 Mrd. US-Dollar bewertet sich Base Power aktuell auf 13 Mrd. US-Dollar. Im Fokus steht zudem ein Geschäftsmodell, bei dem die Batterien auch am Strommarkt genutzt werden, um Strom bei günstigen Netzpreisen zu speichern und bei hoher Nachfrage wieder abzugeben.

Base Power: Zach Dell baut Batterie-Backup statt teure Stromgeneratoren
Base Power: Zach Dell baut Batterie-Backup statt teure Stromgeneratoren (Foto: IT BOLTWISE)
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Base Power setzt auf einen Ansatz, der auf den ersten Blick nach „Hardware zum Einmalpreis“ klingt, im Kern aber ein Infrastrukturgeschäft sein will: Statt klassische Notstromgeneratoren zu verkaufen, installiert das Startup Heimbatterien, die während eines Stromausfalls Haushalte mehrere Tage mit Energie versorgen können. Laut Beschreibung liegt die Liefer- und Nutzdauer dabei je nach Verbrauch typischerweise zwischen zwei und drei Tagen. Damit zielt Base Power auf ein sehr konkretes Problem ab, das viele Regionen in den USA zunehmend spüren: Stromausfälle, die nicht nur ärgerlich sind, sondern auch Kühlsysteme, medizinische Geräte oder Heim-Internet direkt treffen können.

Der wirtschaftliche Hebel entsteht gleichzeitig aus der Art, wie Base Power die Batterien betreiben möchte. Zach Dell formuliert das Modell mit Blick auf das Setup der Anlage deutlich: „Our business model, which is very unique, is that we’re really an infrastructure company.“ Die Kernaussage dahinter: Das Unternehmen betrachtet sich nicht als reiner Anbieter eines Konsumprodukts, sondern als Betreiber von Assets, die auch auf „Wholesale power markets“ Geld verdienen. Praktisch bedeutet das, dass die Batterien nicht nur im Notfall „stehen“, sondern mit dem Strompreis am Netz arbeiten sollen. Dell beschreibt das als eine Art Taktung: „We’re charging the batteries when prices on the grid are low, and we’re discharging the batteries with demand when prices on the grid are high, “ also Laden bei niedrigem Preisniveau und Entladen bei hoher Nachfrage.

Technisch positioniert sich Base Power über die Kapazität der neuen Speicher. In der Berichterstattung wird eine Batteriespeichermenge von 39,2 Kilowattstunden genannt, was über dem liegt, was „viele konkurrierende Produkte“ bieten sollen. Für Endkunden ist diese Zahl vor allem dann relevant, wenn man die Entstörung im Alltag betrachtet: Wie lange ein Haushalt bei einem Ausfall wirklich durchkommt, hängt nicht nur von der reinen Kapazität ab, sondern auch von Lastprofilen wie Kühlung, Warmwasser, Beleuchtung und der Frage, welche Systeme priorisiert werden. Genau deshalb vermischt das Unternehmen Notstromfähigkeit mit einem zweiten Nutzenversprechen, nämlich der potenziellen Monetarisierung über das Preissignal im Netz.

Das Marktumfeld liefert dafür den Timing-Vorteil. Base Power begründet die zunehmende Relevanz unter anderem mit wachsendem Strombedarf, der durch KI-getriebene Rechenzentren stärker werde, während die Netzinfrastruktur gleichzeitig unter Druck gerate. Diese Kombination ist auch deshalb strategisch, weil sie zwei Märkte gleichzeitig berührt: den „Resilience“-Bedarf der Haushalte und den Systembedarf der Netzbetreiber bzw. des Marktes für Flexibilität. In der Praxis entsteht daraus ein Wettbewerb, bei dem nicht nur Installationskosten und Batteriekapazität zählen, sondern auch die Betriebslogik und die Einbindung in energiewirtschaftliche Mechanismen.

Finanziell untermauert Base Power die Skalierungsrichtung mit einer großen Runde. Die Bewertung des Startups wird mit 13 Mrd. US-Dollar angegeben, nachdem in einer Series-D-Runde 1 Mrd. US-Dollar eingesammelt wurden. Als Lead werden Ribbit Capital, Addition, Valor Equity Partners und J.P. Morgan Chase’s Strategic Investment Group genannt; außerdem hätten bestehende Investoren wie Thrive Capital, Andreessen Horowitz (a16z), Lightspeed, Trust Ventures und CapitalG mitgezogen. Auch wenn Michael Dell laut Darstellung nicht in die operative Arbeit involviert ist, äußert Zach Dell, dass sein Vater als Mentor fungiere. Für Unternehmen mit Blick auf die Investorenlogik ist das vor allem ein Signal: Der Markt scheint das Geschäftsmodell als skalierbare Kombination aus Installation, Service und Systemflexibilität zu sehen.

Beim Go-to-Market setzt Base Power auf einen klaren Wechsel der Preissprache. Kunden zahlen laut Angaben eine Installationsgebühr ab 695 US-Dollar plus eine monatliche Mitgliedschaft von 19 US-Dollar, anstatt einen Generator zu kaufen, der schnell 15.000 US-Dollar oder mehr kosten könne. Zusätzlich will Base Power in neuen Märkten die Einstiegshürde weiter senken: In einigen Regionen werde Batterieinstallation sogar für 95 US-Dollar angeboten, um schneller Kunden zu gewinnen. Für Interessenten ist das vor allem deshalb relevant, weil es die Entscheidung von einer großen Einmalinvestition hin zu einer laufenden Kostenstruktur verlagert – ein Modell, das sich besonders gut mit dem Gedanken „Backup als Service“ verträgt.

Geografisch zeigt Base Power ebenfalls Tempo. Innerhalb von nur drei Jahren sei das Unternehmen von Texas in den Bundesstaat Illinois gewachsen und plane für das kommende Jahr weitere US-Staaten. Der Ausbau der Fertigung ist dabei Teil der Kapazitätsstrategie: Das Startup hat in Austin bereits eine erste Batteriefabrik eröffnet und arbeitet an einer zweiten, größeren Anlage, die voraussichtlich 2027 fertig wird. Auf die Frage nach der weiteren Reichweite nennt Zach Dell eine klare Vision: „We want to bring Base to every neighborhood in America over time, “ ergänzt um globale Ambitionen und nennt als interessante Märkte unter anderem das Vereinigte Königreich, Deutschland und Australien. Für die Branche bedeutet das: Wer Heimspeicher anbietet, tritt zunehmend in einen Infrastrukturwettbewerb ein, in dem Fertigungstiefe, Betriebssoftware und energiewirtschaftliche Nutzung zusammenkommen müssen.

Für Anwender und Entscheider ist damit ein Punkt besonders wichtig: Der Nutzen einer Heimbatterie entsteht nicht nur im Blackout, sondern auch im Zusammenspiel mit Netzpreisen, Lastspitzen und der Erwartung, dass Flexibilität auf Systemebene wirtschaftlich wird. Genau diesen Spagat versucht Base Power über sein Mitgliedschaftsmodell und die Verknüpfung mit dem Großhandelsmarkt zu lösen. Wenn sich die Annahmen zum wachsenden Strombedarf durch KI und die daraus resultierenden Netzengpässe weiter bestätigen, könnte das Setup aus Speicherhardware, Installation und marktorientiertem Betrieb die Art verändern, wie Haushalte „Notstrom“ definieren – weg vom einmal gekauften Generator, hin zu einer dauerhaft genutzten Energieinfrastruktur.


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