LUDWIGSHAFEN / LONDON (IT BOLTWISE) – BASF hat am 3. August ein neues Aktienrückkaufprogramm mit bis zu 1,0 Milliarden Euro gestartet. Das Chemieunternehmen steigerte im zweiten Quartal 2026 den Umsatz um 16 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro und erhöhte zugleich den Ergebnisausblick. Im selben Quartal flossen nach Steuern rund 3,5 Milliarden Euro aus dem Verkauf des Coatings-Geschäfts an Carlyle. Die Aktie legte daraufhin binnen eines Tages um 1,18 Prozent auf 51,48 Euro zu.

Der Chemiekonzern BASF setzt nach einem kräftigen Ergebnisquartal auf Kapitalrückführung: Am 3. August startete das Unternehmen in Ludwigshafener Regie ein neues Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 1,0 Milliarden Euro. Der Markt reagierte kurzfristig sichtbar, denn die Aktie stieg am Freitag um 1,18 Prozent auf 51,48 Euro. Entscheidend ist dabei weniger die Tagesbewegung als die Signalwirkung für den weiteren Umgang mit Kapital, zumal BASF bereits einen mehrjährigen Rückgabeplan skizziert hat: Insgesamt sollen bis Ende 2028 bis zu 4 Milliarden Euro über Rückkäufe an Aktionäre zurückfließen.
Im Hintergrund steht ein zweites Quartal, das operative Kennzahlen deutlich über den Erwartungen platzierte. BASF meldete für 2026 im zweiten Quartal einen Umsatzanstieg um 16 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro, während im Vorjahreszeitraum 14,8 Milliarden Euro erzielt wurden. Noch stärker fiel der Ergebnishebel aus: Das EBITDA vor Sondereinflüssen stieg auf 2,4 Milliarden Euro und lag damit über der Analystenschätzung von 2,1 Milliarden Euro sowie klar über dem Vorjahreswert von 1,6 Milliarden Euro. Ergänzend kommt ein Veräußerungsgewinn hinzu: Nach Steuern verbuchte BASF 3,5 Milliarden Euro aus dem Verkauf des Coatings-Geschäfts an Carlyle, der Ende Juni abgeschlossen wurde.
Diese Ergebnisdynamik spiegelt sich auch im angehobenen Jahresausblick wider. Für 2026 erwartet BASF beim EBITDA vor Sondereinflüssen nun eine Spanne von 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro, zuvor lag die Prognose bei 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro. Gleichzeitig bleibt der Ausblick auf den freien Cashflow unverändert bei 1,5 bis 2,3 Milliarden Euro. Technisch betrachtet ist diese Kombination für Investoren interessant, weil sie zwei Dinge gleichzeitig adressiert: Erstens verbessern höhere Ergebnisschätzungen die Visibilität über die Profitabilität, zweitens bleibt der Cashflow-Korridor konservativ, was in kapitalintensiven Branchen typischerweise als Signal für ein diszipliniertes Working-Capital- und Investitionsmanagement gelesen wird.
Das neue Rückkaufprogramm läuft bis Ende April 2027 und ist Teil eines größeren Volumens aus dem September 2024: 4 Milliarden Euro bis Ende 2028. Bereits zwischen November 2025 und Juni 2026 hatte BASF Aktien im Wert von rund 1,5 Milliarden Euro erworben. Dabei nennt der Konzern 31.600.261 Aktien, entsprechend etwa 3,5 Prozent des Grundkapitals; diese Aktien sollen eingezogen werden, was das Grundkapital reduziert. Parallel fährt BASF eine finanzielle Straffung über die Bilanz: Im dritten Quartal 2026 will das Unternehmen Anleihen und Kredite mit einem Nominalvolumen von 1,6 Milliarden Euro vorzeitig zurückzahlen, um die Nettoverschuldung zu senken. Auch hier spielt der Coatings-Deal eine Rolle, denn BASF nennt für den Verkauf einen Zahlungsmittelzufluss vor Steuern von rund 5,8 Milliarden Euro.
Die Transaktion mit Carlyle ist zudem nicht die einzige Portfolio- und Strukturbewegung. Bereits im Mai hatte BASF eine Vereinbarung zum Verkauf des Silikatgeschäfts sowie von Vermögenswerten am Standort Düsseldorf/Holthausen an PQ unterzeichnet, wobei der Abschluss für das zweite Quartal 2026 vorgesehen war. Im Agrargeschäft schloss die Tochter BASF Agricultural Solutions Ende März die Übernahme von AgBiTech von Paine Schwartz Partners ab. Gerade in dieser Gemengelage zeigt sich, wie BASF die Wertschöpfung über verschiedene Sparten neu ordnet: Nicht jedes Geschäft soll dauerhaft die gleiche Kapitalschwere im Portfolio tragen, während die Veräußerungserlöse wiederum die Spielräume für Rückkäufe und Schuldenabbau erweitern.
Dass der Markt die Richtung bestätigt, zeigt sich in den Reaktionen der Analysten. UBS hob das Kursziel für BASF von 52 auf 55 Euro an, blieb aber bei der Einstufung Neutral. Berenberg erhöhte das Kursziel von 47 auf 50 Euro und hielt die Bewertung bei Hold. Beide Anpassungen erfolgten im Anschluss an die Quartalszahlen und den angehobenen Jahresausblick. Auf der Unternehmensseite liefen außerdem personelle Entscheidungen an: Mary Kurian und Livio Tedeschi wurden in den Vorstand berufen, während Michael Heinz zum 30. April in den Ruhestand ging. Die nächsten Quartalszahlen will BASF am 27. Oktober veröffentlichen, womit sich der Kapitalrückführungs- und Bilanzpfad zeitlich eng an die regelmäßige Ergebnisberichterstattung koppelt.
Für Unternehmen und Investoren lässt sich aus dem Zusammenspiel von Rückkauf, Ausblicksanhebung und Portfolioabbau ein klarer Strategierahmen ableiten: BASF versucht, nicht nur Gewinne zu präsentieren, sondern die Kapitalallokation messbar zu machen. Der Rückkauf bis April 2027 und das bis Ende 2028 geplante Volumen schaffen eine direkte Brücke vom operativen Ergebnis zur Aktionärsvergütung; die geplanten vorzeitigen Rückzahlungen bei Anleihen und Krediten zielen parallel auf die Verschuldungsseite. Entscheidend bleibt jedoch, wie der freie Cashflow im Rahmen der 1,5 bis 2,3 Milliarden Euro weiter stabil bleibt, gerade weil das Marktumfeld in der Chemie regelmäßig von Zyklus, Energiepreisen und Nachfrageverschiebungen geprägt ist. Nicht zuletzt sind Börsengeschäfte mit Risiken verbunden; BASF weist in seinem Artikel-Disclaimer darauf hin, dass keine Anlageberatung erfolgt und dass Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr sind.
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