GROSSOSTHEIM / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Deko-Einzelhandelskette Depot schaltet offenbar deutlich zurück: In den kommenden Wochen sollen wesentlich weniger Filialen weiterlaufen als bislang geplant. Rund 330 Beschäftigte wurden zum 1. August freigestellt, darunter etwa 220 aus Filialen sowie 110 aus Zentrale und Außendienst. Betroffene erhalten für den Juli noch Entgelt über das Insolvenzgeld, ab August aber kein Gehalt mehr. Hintergrund ist das laufende Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, das das Unternehmen nach eigenen Angaben nutzt, um das Geschäftsmodell anzupassen.

Die Deko-Kette Depot steht erneut unter wirtschaftlichem Druck – und die Folgen treffen nicht nur den Filialbestand, sondern auch die Belegschaft. Nachdem das Unternehmen bereits in den vergangenen Jahren hunderte Standorte geschlossen hatte, kündigt sich jetzt eine weitere Schrumpfung an. Im Mittelpunkt steht dabei die GDC Deutschland GmbH mit Sitz in Großostheim bei Aschaffenburg: Für sie läuft seit Mai ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, bei dem das Amtsgericht Aschaffenburg derzeit offenbar ein vorläufiges Vorgehen prüft.
Für viele Beschäftigte wird die Umstellung besonders spürbar. Wie aus einer internen Mitteilung an die Belegschaft hervorgeht, hat Depot rund 330 Mitarbeitende zum 1. August freigestellt – mit einer Aufteilung von etwa 220 Personen aus den Filialen sowie rund 110 aus Zentrale und Außendienst. Das Juli-Entgelt soll demnach noch über das Insolvenzgeld ausgeglichen werden, ab August jedoch nicht mehr gezahlt werden können, weil die Insolvenzmasse dafür nicht ausreicht. Für die Betroffenen bedeutet das in der Praxis einen abrupten Übergang vom regulären Arbeitsverhältnis in eine Phase ohne laufende Vergütung.
Die genaue Logik dahinter lässt sich auch an den Filialzahlen ablesen. Depot ist nach den Angaben im Umfeld des Verfahrens mit rund 1.200 Beschäftigten und 155 geöffneten Filialen in das Eigenverwaltungsverfahren gegangen – und wollte zunächst über geordnete Anpassungen nachsteuern. Im Juni wurden bereits 66 Standorte angekündigt, die schließen sollen. Nach der aktuellen Planrichtung sollen künftig neben dem Onlinegeschäft und Shop-in-Shop-Flächen nur noch 50 Filialen weiterlaufen; damit müssten weitere 39 Läden dichtmachen, sodass am Ende von den im Mai existierenden 155 Standorten nur etwa 105 wegfallen würden – also deutlich mehr als in einer reinen „Restrukturierung in kleinen Schritten“.
Dass es dabei nicht bei einer ersten Kurve bleibt, zeigt der Blick in die Historie: Bereits 2024 musste die GDC Deutschland GmbH in die Insolvenz. Damals habe das Verfahren die Schließung von rund 250 Läden und den Abbau von etwa 2.000 Stellen ausgelöst, zeitweise betrieb die Unternehmensgruppe rund 500 Filialen in Deutschland und beschäftigte Ende 2021 gut 6.000 Menschen. Bleiben am Ende tatsächlich nur 50 Filialen übrig, wäre das im Vergleich zu diesen Größenordnungen rechnerisch nur noch ein Zehntel des früheren Umfangs. Auch im Ausland geriet die Gruppe laut den vorliegenden Angaben unter Druck: Die österreichische Tochter meldete 2024 Insolvenz an, und die Schweizer Depot CH AG schloss Anfang 2025 alle 34 Filialen.
Als Treiber der anhaltenden Krise nennt Unternehmenssprecherin bzw. Geschäftsführung Christian Gries (laut Berichtslage) vor allem gestiegene Importzölle, verschärften Wettbewerb durch asiatische Online-Handelsplattformen sowie die Kaufzurückhaltung der Verbraucher. In diesem Spannungsfeld hat sich das Eigenverwaltungsmodell als „Zeitgewinn“ etabliert: Es soll ermöglichen, Prozesse und Kostenstrukturen anzupassen, bevor ein klassisches Insolvenz-Szenario mit deutlich stärkerem Zugriff durch Dritte greift. Sachwalter Thomas Rittmeister betonte dem Bericht zufolge, dass die Eigenverwaltung dem Unternehmen helfen soll, das Geschäftsmodell unter geordneten Bedingungen zu verändern – allerdings wirkt die aktuelle Zahlendimension eher wie eine spürbare Beschleunigung als wie eine reine Feinjustierung.
Für den Markt ist der Fall vor allem deshalb relevant, weil er zeigt, wie stark Filialhändler im Deko- und Non-Food-Bereich unter Druck geraten, sobald Preiswettbewerb und Bestandsabbau zusammenkommen. Der Abgleich mit anderen Handelssegmenten zeigt: Wenn Händler gleichzeitig gegen E-Commerce-Konkurrenz bestehen müssen und die Kostenbasis über mehrere Zyklen schrumpft, reichen oft weder eine einzelne Marketingmaßnahme noch die Umstellung auf Online-Shop-Flächen, um die Gesamtlage zu stabilisieren. Gleichzeitig entsteht für Lieferketten- und Logistikdienstleister sowie für die betriebliche Umstellung in Filialnetzen eine neue Planungsrealität: Standortschließungen bedeuten nicht nur Personalanpassungen, sondern auch eine Neuordnung von Beständen, Retourenprozessen und Dienstleisterverträgen. Wie lange das Eigenverwaltungsverfahren noch vorläufig bleibt und wann das Gericht das Verfahren endgültig eröffnet, ist laut Berichtslage noch nicht bestätigt – bis dahin bleibt für viele Beschäftigte vor allem die Unsicherheit über den nächsten Schritt.
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