DEUTSCHLAND / LONDON (IT BOLTWISE) – In Deutschland steigt die Zahl versicherter E-Scooter 2025 auf knapp 1,66 Millionen. Der Zuwachs kommt fast ausschließlich aus dem privaten Bereich, während Leih-Scooter sinken. Gleichzeitig melden Versicherer deutlich mehr Unfälle mit Personenschaden. Der GDV fordert schärfere Regeln für Verleiher, Nutzer und Schulen, um das Risiko zu senken.

E-Scooter-Zahlen 2025: Mehr Private, mehr Unfälle – GDV nennt Risikotreiber
E-Scooter-Zahlen 2025: Mehr Private, mehr Unfälle – GDV nennt Risikotreiber (Foto: IT BOLTWISE)
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Die E-Scooter-Landschaft in Deutschland verändert sich gerade in Richtung „mehr privat, weniger Mietflotte“. Für das Jahr 2025 weist der Versicherungsverband GDV knapp 1,66 Millionen versicherte E-Scooter aus. Das sind rund 320.000 mehr als im Vorjahr und gut doppelt so viele wie 2022. Besonders markant: Der Anstieg basiert laut den GDV-Angaben nur auf privat genutzten Geräten – dort kletterte die Zahl von 1,01 Millionen auf 1,34 Millionen. Leih-Scooter dagegen gingen von 331.000 auf 300.000 zurück. Für die urbane Mobilität bedeutet das weniger Flottendruck in den Quartieren, gleichzeitig aber auch eine breitere Verteilung unterschiedlicher Fahrstile, Nutzerprofile und Wartungsgewohnheiten in privaten Haushalten.

Dass E-Scooter überhaupt versichert sein müssen, ist der zentrale Rahmen, in dem die Zahlen zu interpretieren sind. Der GDV weist darauf hin, dass Fahrzeuge, die im öffentlichen Straßenraum eingesetzt werden, versichert sein müssen. Zugleich lässt sich aus den Daten nicht direkt ableiten, wie hoch die „tatsächliche“ Gesamtsumme aller E-Scooter in Deutschland ist, weil auch Geräte in Kellern verstauben oder trotz Pflicht nicht versichert sind. Für Unternehmen und kommunale Entscheider ist genau dieser Punkt wichtig: Versicherungsdaten zeigen zuverlässig die versicherte Grundgesamtheit, bilden aber nicht komplett ab, wie viele Roller faktisch im Alltag herumfahren. Gerade bei steigender Privatnutzung kann die Lücke zwischen „aktiv genutzt“ und „vorhanden“ größer oder kleiner werden – je nachdem, wie stark Anschaffung und Nutzung auseinanderdriften.

Parallel zum Mengenwachstum verschiebt sich auch das Unfallbild. Der GDV berichtet unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes von insgesamt 16.496 E-Scooter-Unfällen mit Verletzten im Jahr 2025, bei denen 38 Menschen ums Leben kamen. 2022 lag die Zahl noch bei 8.341 Unfällen mit Personenschaden – die Entwicklung ist also nicht nur ein statistischer Effekt, sondern spiegelt ein reales Risiko wider. Darüber hinaus zählten Versicherer 2025 insgesamt 11.700 Haftpflichtschäden mit E-Scootern. Interessant ist dabei die Schadenhäufigkeit nach Nutzungsart: Bei Mietgeräten lagen die Werte mehr als doppelt so hoch wie bei privaten, nämlich 13 Schäden pro 1.000 versicherten Mietgeräten gegenüber 6 Schäden pro 1.000 versicherten Privatgeräten. Der GDV stellt allerdings klar, dass offen bleibt, ob Mietgeräte insgesamt mehr oder weniger gefahren werden als Privatgeräte – die Kennzahl beschreibt also Häufigkeit bezogen auf versicherte Einheiten, nicht zwingend auf gefahrene Kilometer.

Als mögliche Erklärung für den unterschiedlichen Risikoprofil-Ansatz bringt der GDV Verhaltensunterschiede ins Spiel. Die Leiterin der Unfallforschung im GDV, Kirstin Zeidler, nennt in den vorliegenden Angaben, dass Nutzer eigener Scooter typischerweise mehr fahren, eher einen Helm tragen und seltener auf Gehwegen unterwegs sind. Diese drei Faktoren wirken in der Praxis oft gleichzeitig: Mehr Fahrten können zwar die „Exposition“ erhöhen, ein Helm reduziert aber die Verletzungsschwere, und das Vermeiden von Gehwegen reduziert besonders konfliktträchtige Situationen. Für Verleiher und Betreiber mit Fokus auf Mietflotten leitet sich daraus ein klarer Handlungsrahmen ab: Wenn mehr Schäden pro 1.000 Mietgeräte auftreten, muss das nicht allein an der Technik liegen, sondern kann stark mit Nutzerverhalten, Durchmischung unterschiedlicher Fahrfähigkeiten und dem Management von Regelverstößen zusammenhängen.

Genau hier setzt der GDV mit konkreten Vorschlägen an. Er empfiehlt, dass Verleiher deutlich stärker gegen Verstöße vorgehen – etwa gegen Trunkenheitsfahrten, gegen das Mitnehmen mehrerer Personen auf einem Roller oder gegen das Fahren auf Gehwegen. Zusätzlich plädiert der Verband dafür, dass weiterführende Schulen die Regeln vermitteln. Der Hintergrund: Laut GDV ist vielen offenbar nicht bewusst, dass für E-Scooter unter 21 Jahren ein Alkoholverbot gilt. Die Konsequenz ist nicht nur ein Bußgeld, sondern laut GDV-Angaben auch eine potenzielle spätere Beeinträchtigung für den Führerschein. Für die Umsetzung heißt das: Aufklärung muss an den Lebensrealitäten der Zielgruppen ansetzen, während technische und organisatorische Maßnahmen die Umsetzung im Alltag absichern.

Für die weitere Marktentwicklung liefert die Kombination aus Privatwachstum und Unfallstatistik einen wichtigen Hinweis: Der Trend zu mehr individuellen Fahrzeugen verschiebt das Problem weg von „Flottensteuerung“ hin zu „Nutzerkompetenz und Regelkultur“. Kommunen, Mobilitätsanbieter und Versicherer dürften daher stärker zusammenarbeiten müssen, etwa bei Kampagnen, bei der Gestaltung von Kontroll- und Sanktionslogiken sowie bei der Frage, wie sich Regelkenntnis messbar erhöhen lässt. In der Versicherungswelt wiederum werden die Daten wahrscheinlich als Grundlage dienen, um Risikomodelle für verschiedene Nutzergruppen zu verfeinern – denn die Kennzahlen unterscheiden sich bereits heute nach Miet- und Privatkontext. Und auch wenn KI im Mobilitätsumfeld immer häufiger genutzt wird, bleibt der Kern der aktuellen Diskussion hier erstaunlich analog: bessere Regeln, bessere Schulung, konsequenterer Vollzug und ein rücksichtsvolleres Miteinander im Straßenverkehr.


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