LONDON (IT BOLTWISE) – Das israelische KI-Startup Decart steht Berichten zufolge kurz vor einem Verkauf für etwa 6 bis 7 Milliarden US-Dollar. Zunächst liefen Gespräche mit NVIDIA, anschließend zog laut Bericht ein größerer Bieter nach. Als Kandidaten werden unter anderem SpaceX und Amazon genannt, der Prozess soll in den USA stattfinden. Für die Firma könnte das bedeuten, dass ihre Echtzeit-Video-KI in einer neuen Konzernstrategie weiter skaliert.

Decart-Deal: Israels KI-Startup steht Berichten zufolge vor Verkauf für 6–7 Mrd. USD
Decart-Deal: Israels KI-Startup steht Berichten zufolge vor Verkauf für 6–7 Mrd. USD (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Wege von KI-Startups in Richtung Mega-Exit werden derzeit gleich mehrfach über den Atlantik gespiegelt: Decart, ein israelisches Unternehmen mit Fokus auf KI-Modelle für Echtzeit-Videoerzeugung, soll laut einem Bericht in fortgeschrittenen Gesprächen über einen Verkauf stehen. Die Größenordnung wird mit rund 6 bis 7 Milliarden US-Dollar beziffert; dem Vernehmen nach befinden sich die Vertragsentwürfe bereits in einer späten Phase und eine Unterzeichnung könnte in der kommenden Woche erfolgen. Besonders spannend ist dabei, dass die Verhandlungen nach einer fast abgeschlossenen Einigung mit einem bekannten Chip-Ökosystem offenbar neu ausgerichtet wurden, weil ein anderer Großakteur ein noch stärkeres Angebot eingebracht haben soll.

Technisch betrachtet ist Decarts Position nicht primär „nur“ eine weitere GenAI-App, sondern eher ein Ansatz, Video in einer Qualität und Latenz zu erzeugen, die sich als Bestandteil realer Produkt-Workflows verstehen lässt. Das Unternehmen ist nach Angaben im Bericht eines der wenigen israelischen Firmen, die eigene große KI-Modelle entwickeln, mit einem Schwerpunkt auf Video, das zur Laufzeit genutzt werden kann. Der Startpunkt war dabei Oasis, ein Spiel, das auf Decarts Technologie zur Echtzeit-Videoerzeugung setzt. Dass so ein Use Case überhaupt „so schnell“ Resonanz erzeugen konnte, ist auch ein Signal: Wer Video generieren kann, das in einem interaktiven Spiel direkt im Flow entsteht, muss sowohl mit Modellarchitektur als auch mit Engineering an Durchsatz, Inferenzkosten und Systemintegration gearbeitet haben.

Im Marktbild geht es in dem Deal jedoch nicht nur um ein Produkt, sondern um eine strategische Hebelwirkung innerhalb bestehender Infrastruktur. Laut Bericht wollte NVIDIA Decart ursprünglich übernehmen; als die Gespräche kurz vor einer Einigung standen, sei jedoch ein weiterer internationaler Anbieter eingestiegen und habe die Gründer dazu bewegt, erneut zu verhandeln. Für den neuen Bieter werden in dem Kontext unter anderem SpaceX und Amazon genannt, außerdem wird die cloudnahe Firma Nebius als potenziell Interessierte erwähnt. Der Umstand, dass der gesamte Prozess in den USA laufen soll, passt dabei zu typischen M&A-Workflows großer Technologiekonzerne, bei denen Due-Diligence, Verhandlung und Finanzierung häufig über dortige Strukturen abgewickelt werden.

Mit Blick auf mögliche Käufer sticht vor allem die Rolle von SpaceX und dem dort aufgebauten KI-Ökosystem hervor. Musk soll Decart bereits seit 2024 verfolgen; im Bericht wird der Zusammenhang über Oasis beschrieben, bei dem Musk nach dem Ausprobieren mit „wow“ reagiert habe. Zudem wird erwähnt, dass Musk und Dean Leitersdorf, einer der beiden Gründer, seitdem in regelmäßigem Kontakt geblieben seien. Sollte SpaceX tatsächlich zugreifen, könnte Decart als Basis für einen R&D-Standort in Tel Aviv dienen – ein Punkt, der für die israelische Tech-Landschaft über den reinen finanziellen Exit hinausgeht. Gleichzeitig wird in dem Bericht auch die breitere Unternehmenslogik sichtbar: SpaceX hat laut Darstellung große Schritte bei der eigenen KI-Infrastruktur unternommen, unter anderem durch die Einbindung anderer KI-Startups und die Bündelung von KI-Aktivitäten.

Amazon wird als weiterer Kandidat beschrieben, wobei die Story zugleich die „Unternehmens-Stilfrage“ anspricht: Dem Bericht zufolge ist der Konzern historisch eher zurückhaltend gewesen, wenn es um sehr große Übernahmen ging. Stattdessen wird auf einen Deal im April verwiesen, bei dem Amazon eine Satellitenfirma für 11 Milliarden US-Dollar erwerben wollte, um im Wettbewerb mit Starlink besser zu positionieren. Übertragen auf Decart wäre die Frage daher weniger, ob Amazon technisch Bedarf hat, sondern ob die Entscheidungslogik für sehr teure Opportunitäten passt. Decarts geschätzte Einnahmen werden als „mehrere Dutzend Millionen“ US-Dollar eingeordnet, mit ungleichmäßigem Wachstum, das insbesondere von Projekten für Chip-Hersteller getrieben sein soll. Genau diese Kundenbeziehungen sind für potenzielle Käufer wertvoll, weil sie einen direkten Draht zu Hardware-Roadmaps und Optimierungszyklen darstellen.

Auch die Zeitachse innerhalb des Unternehmens wirkt ungewöhnlich schnell. Decart wurde 2023 gegründet, beschäftigt laut Bericht etwa 100 Personen und soll innerhalb seiner kurzen Existenz rund 450 Millionen US-Dollar eingesammelt haben. Erst drei Monate vor dem nun beschriebenen Exit-Versuch habe das Startup eine Finanzierung über 300 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von ungefähr 4 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Für Investoren wäre ein Verkauf zu 6 bis 7 Milliarden US-Dollar ein erheblicher Return – für die Gründer dagegen möglicherweise eher eine Zwischenstation als das Endziel. Leitersdorf, der mit 27 Jahren als CEO genannt wird, und Moshe Shalev als CPO, werden im Bericht nicht als „klassische“ Gründerlinie dargestellt, die nur auf eine schnelle Cash-out-Story setzt. Stattdessen werden Ambitionen zitiert bzw. paraphrasiert, die Decart als KI-Player in der Liga von Google, Apple oder Facebook verorten.

Um zu verstehen, warum ein Exit dieser Größenordnung realistisch erscheint, lohnt sich ein Blick auf die Investmentdynamik. Dem Bericht zufolge startete Decart mit einem Seed-Round über 21 Millionen US-Dollar, angeführt von Sequoia Capital. Einen Monat später folgte eine weitere Runde über 25 Millionen US-Dollar mit einer Bewertung von ungefähr 500 Millionen US-Dollar, und weniger als ein Jahr danach wurde erneut Kapital beschafft, dieses Mal bei einer Bewertung von 3,1 Milliarden US-Dollar. Danach kam im Mai die 300-Millionen-Finanzierung hinzu. Solche Sprünge sind in der frühen KI-Phase nicht untypisch, zeigen aber gleichzeitig: Decart hat schnell Substanz geliefert, etwa durch die Demonstrationen rund um Oasis. Entscheidend ist dabei weniger der Konsum-Eindruck eines Spiels, sondern die technische Übersetzung in skalierbare Inferenz und wirtschaftliche Kosten pro generiertem Frame, die im Bericht als ein Vorteil gegenüber konkurrierenden Modellen beschrieben werden.

Für die Branche wäre ein Deal mit einem der genannten Käufer ein doppeltes Signal: Erstens zeigt er, dass Echtzeit-Video-KI nicht nur ein Forschungsdemo-Thema ist, sondern in M&A-Szenarien als strategischer Baustein betrachtet wird. Zweitens würde eine mögliche Integration in größere Plattformen oder Cloud- und Compute-Strategien den Wettbewerb um effiziente Inferenz weiter anheizen – insbesondere dort, wo GPU-Kapazitäten und Cloud-Angebote bereits heute eng mit KI-Roadmaps verknüpft sind. Sollte Decart zudem wirklich in einer konkreten Form in den Aufbau neuer Standorte wie in Tel Aviv hineinwirken, könnten sich damit auch mehr Chancen für Talente und Engineering-Teams ergeben. Bis zur möglichen Vertragsunterschrift bleibt allerdings die zentrale Frage offen, welche Käuferlogik am Ende entscheidet und wie schnell sich Decarts Technologie in die jeweiligen Produkt- und Infrastrukturpfade einpassen lässt.


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