FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Neue Daten von mehr als 700 deutschen Finanzinstituten deuten darauf hin, dass der Kaufmarkt für Wohnungen und Häuser deutlich langsamer anspringt. Insgesamt verteuerten sich Immobilien zum Kauf im zweiten Quartal um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während es zum Vorquartal sogar einen Rückgang von 0,1 Prozent gab. Besonders bei Wohnimmobilien ließ der Auftrieb spürbar nach, bei Mehrfamilienhäusern blieb das Wachstum wieder hinterher. Gleichzeitig wachsen die Neuvertragsmieten zwar weiter, aber langsamer als in den vergangenen Quartalen.

Der deutsche Immobilienmarkt zeigt wieder ein typisches Muster aus der Zinswende: Nicht zwingend ein Einbruch, aber eine spürbare Verlangsamung bei Kaufpreisen und Vermietungsdynamik. Laut Daten, die auf dem VDP-Index basieren, verteuerten sich Immobilien zum Kauf insgesamt im Schnitt um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gegenüber dem Vorquartal fiel das Ergebnis mit -0,1 Prozent dagegen erstmals wieder negativ aus; zuvor lag das Plus im Vorquartalsvergleich noch bei 2,2 Prozent. Die Nervosität entsteht dabei nicht aus einer einzelnen Zahl, sondern aus dem Trendwechsel: Die Aufwärtsbewegung verliert Fahrt, während die Rahmenbedingungen wie gestiegene Zinsen und konjunkturelle Unsicherheit weiterhin wirken.
Technisch interessant ist an den aktuellen Ergebnissen vor allem die Datenbasis: Der VDP-Index stützt sich auf Transaktionsdaten von mehr als 700 deutschen Finanzinstituten, darunter Sparkassen sowie große Häuser wie Deutsche Bank und Commerzbank. Damit entsteht kein Stimmungsbarometer, sondern ein Abbild realer Kaufaktivitäten – mit Segmenten, die das Marktgeschehen getrennt sichtbar machen. Genau diese Granularität erklärt, warum die Gesamtzahlen nicht automatisch bedeuten, dass „der Markt dreht“: Innerhalb des Wohnsegments verschieben sich die Gewichte. So landet der Wohnimmobilienbereich insgesamt noch mit einem Jahresplus, doch die Wachstumsrate wird sichtbar niedriger: Im zweiten Quartal lag das Plus zum Vorquartal nur noch bei 0,3 Prozent und zum Vorjahresquartal bei 1,9 Prozent. In der ersten Jahreshälfte war das Tempo noch höher.
Bei den Wohnimmobilien kommt als Treiber hinzu, dass sich Preiserwartungen in Richtung Käuferseite bewegen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) beschreibt, dass die Preiszuwächse „sichtbar an Schwung verloren“ hätten. Der Zusammenhang lässt sich plausibel mit dem Zusammenspiel aus Zinsen und Finanzierungskosten erklären: Wenn die Kapitalmarkterwartungen wackeln, reagieren Angebotspreise häufig zuerst. In der aktuellen Einordnung heißt es, dass Inserate wieder öfter nach unten angepasst werden. Damit verschiebt sich die Preisfindung von „Preissteigerungen durch Angebotknappheit“ hin zu einem Markt, in dem Käufer stärker in Verhandlungsmacht geraten, ohne dass sofort alle Segmente kippen.
Regional betrachtet zeigt sich ein differenziertes Bild, das für Unternehmen mit Projekt- und Portfolioplanung wichtiger ist als ein bundesweiter Durchschnitt. In den sieben größten Städten – darunter Hamburg, Berlin, Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart und München – stiegen die Wohnimmobilienpreise im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal um 2,1 Prozent. Diese Entwicklung liegt damit etwas über dem Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig liefert Hamburg die stärkste Jahresdynamik mit 3,8 Prozent, gefolgt von Köln mit 2,5 Prozent. Stuttgart dagegen wächst im Vergleich zu den Top-Standorten am schwächsten, mit lediglich 0,7 Prozent im Vorjahresvergleich. Dass München bei Angebotspreisen mit 8.346 Euro pro Quadratmeter weiterhin den Spitzenplatz einnimmt, macht die Mischung aus „teuer bleiben“ und „weniger schnell werden“ besonders greifbar.
Auch nach Objektart ist das Bild klar: Einfamilienhäuser ziehen wieder stärker an, während Mehrfamilienhäuser erneut unter Druck geraten. Laut VDP-Index entfiel im zweiten Quartal das größte Plus auf Einfamilienhäuser: +2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und +0,4 Prozent zum Vorquartal. Eigentumswohnungen legten zwar ebenfalls zu, aber mit geringerer Dynamik (+2,0 Prozent zum Vorjahresquartal; +0,5 Prozent zum Vorquartal). Das Schlusslicht bilden erwartbar die Mehrfamilienhäuser: Das Preiswachstum verlor weiter an Tempo, mit +1,6 Prozent zum zweiten Quartal 2025 und nur +0,3 Prozent zum Vorquartal. Auffällig ist dabei, dass die Mieten in Mehrfamilienhäusern nach wie vor steigen – die Preisseite reagiert also zeitversetzt oder mit anderen Erwartungen, etwa an Verkaufspreise, Finanzierung oder Risikoaufschläge.
Im Mietmarkt verlangsamt sich die Dynamik ebenfalls, auch wenn sie nicht abrupt stoppt. Die bundesweiten Neuvertragsmieten für Mietwohnungen in Mehrfamilienhäusern erhöhten sich von April bis Juni um 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit fällt das Wachstum langsamer aus als in den vergangenen Quartalen. In den Top-sieben-Städten stiegen die Neuvertragsmieten im Schnitt um 1,5 Prozent binnen Jahresfrist – ebenfalls weniger als der Bundesschnitt. Berlin zeigt zum Vorquartal mit +0,6 Prozent das schwächste Wachstum; Düsseldorf wächst dagegen deutlich stärker (+3,6 Prozent). Danach folgen Hamburg (+3,3 Prozent), Köln (+2,9 Prozent) und München (+2,4 Prozent). Für Vermieter und Kapitalanleger bedeutet das: Die Refinanzierung von Mietobjekten bleibt grundsätzlich gestützt, aber die Ertragskurve flacht ab – und damit wird die Kalkulation von Modernisierung und Capex anspruchsvoller.
Der Gewerbeimmobilienbereich bestätigt schließlich, dass sich die Zyklen nicht synchron bewegen. Der Markt für Gewerbeimmobilien entwickelt sich seit längerem schwächer als der Wohnsektor, und auch im zweiten Quartal zeigt sich kein echter Umschwung: Nachdem sich Büros zuletzt zu erholen schienen, gingen die Preise dort wieder zurück. Büroimmobilien verbilligten sich um 1,2 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2025; Einzelhandelsimmobilien verzeichneten nur ein Minus von 0,2 Prozent. In dieser Gemengelage sprechen VDP-Aussagen davon, dass sich die Preise in den Objektklassen erstmals seit anderthalb Jahren wieder uneinheitlich bewegen. Für die Branche heißt das praktisch: KI-gestützte Analyse- und Pricing-Modelle können zwar schneller Muster erkennen, aber die Ergebnisqualität hängt stärker denn je davon ab, ob sie Segmentrisiken (Wohnen vs. Gewerbe), regionale Unterschiede und die Zeitverzüge zwischen Kauf- und Mietmärkten sauber abbilden.
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