LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie ordnet Männer anhand ihrer Prioritäten bei körperlichen Merkmalen in Untergruppen ein. Dabei zeigt sich: Viele Männer gewichten sowohl Po als auch Brüste, aber ein klarer „Po-Fokus“ tritt sichtbar auf, während kein entsprechender „Brüste-allein“-Cluster erscheint. Auf Basis von Umfragedaten aus Norwegen lässt sich außerdem ableiten, dass Werte wie Sexiness-Orientierung und Materialismus die Gruppenzugehörigkeit mit beeinflussen. Die Ergebnisse stützen damit die These, dass der Po im Erleben als stabilere Anziehungs-„Leitvariante“ wirkt.

Wie stark körperliche Merkmale bei der Partnerwahl tatsächlich ins Gewicht fallen, lässt sich oft nur als grobe Durchschnittsaussage beschreiben. Genau an diesem Punkt setzt die vorliegende Arbeit an: Statt Präferenzen für „Brüste“ und „Po“ einfach als ähnlich wichtig zu behandeln, untersucht sie, ob Männer sich in ihrer Gewichtung zu klar unterscheidbaren Segmenten gruppieren lassen. Die Studie, veröffentlicht in Evolutionary Psychology, nutzt dafür eine datengetriebene Klassifikation und kommt zu dem Ergebnis, dass Po-Präferenzen in den Modellen konsistent als eigenes Muster auftauchen – während ein Segment, das ausschließlich Brüste priorisiert, nicht identifiziert werden konnte.
Die theoretische Folie liefert die Evolutionspsychologie: Ausgangspunkt ist die Annahme, dass mate selection historisch stark über visuelle Hinweise auf Gesundheit, Jugend und reproduktive Eignung lief. In diesem Rahmen gelten sowohl Brüste als auch Po als sekundäre Geschlechtsmerkmale, die sich in der Pubertät ausbilden. Viele ältere Arbeiten behandeln beide Merkmale dabei als vergleichbar relevante Signale. Die neue Studie widerspricht dieser Gleichgewichtung allerdings zumindest für die Verteilung individueller Präferenzen: Wenn bei den Befragten hohe Werte für Brüste auftreten, dann fast immer zusammen mit hohen Werten für den Po – das Umgekehrte gilt zwar ebenfalls für Po-Fokus-Gruppen, aber ohne dass Brüste allein ein vergleichbar eigenständiges Profil bilden.
Konzipiert wurde die Untersuchung von Mehmet Mehmetoglu, Professor im Fachbereich Psychologie an der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie. Sein methodischer Ansatz zielt auf einen häufigen statistischen Effekt: Mittelwerte können verstecken, dass sich Menschen innerhalb einer Population deutlich unterscheiden. In einer direkten Einordnung beschreibt Mehmetoglu, warum die Fragestellung für ihn über Jahre hinweg „offen“ blieb: „I’ve always had the impression, both from academic reading and, even more so, from just chatting with friends, that people assume buttocks and breasts are equally important to men, “ erläuterte er. Und weiter: „In social settings, I’ve been asked this very question so many times that I’ve actually been thinking about it for the past 10 years. I realized that there wasn’t really a specific answer to this question. I was honestly just very curious to see the results!“ Der Kern seiner Überlegung: Wenn es tatsächlich unterschiedliche Motivationsprofile gibt, müsste man sie auch in den Daten finden können.
Für die empirische Basis wertete die Studie Umfrageantworten von 395 norwegischen Männern aus. Die Stichprobe bestand überwiegend aus jungen Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von rund 23 Jahren; zum Zeitpunkt der Befragung waren die meisten nicht in einer romantischen Beziehung. Bewertet wurden zwei Zielmerkmale getrennt: Po und Brüste – jeweils auf einer Skala von 1 bis 5, wobei 1 „nicht wichtig“ und 5 „sehr wichtig“ bedeutet. Zusätzlich erhoben die Forschenden allgemeine Kriterien wie Sexiness und intellektuelle Eigenschaften. Um Werteorientierungen zu erfassen, kamen Messungen zu egalitären Einstellungen (Gleichheit von Rechten und Chancen) sowie Materialismus hinzu (Wunsch nach Besitztümern, die andere beeindrucken). Mehmetoglu gruppierte anschließend mithilfe einer „latent profile analysis“ – einer Technik, die natürliche Kategorien in der Datenstruktur identifiziert, statt starre vorgegebene Boxen zu erzwingen.
Die Analyse ergab vier unterscheidbare Untergruppen. Die größte, „Highly Body-Oriented“, machte 53 % der Stichprobe aus und bewertete sowohl Brüste (Ø 4,1 von 5) als auch Po (Ø 4,4). Eine zweite Gruppe, „Moderately Body-Oriented“ (20 %), zeigte ein ausgewogenes, aber schwächeres Interesse: Beide Merkmale lagen bei einem Durchschnittswert von 3,2. Ein drittes Profil, „Buttocks-Oriented“ (18 %), hob sich deutlich ab: Hier lag die Po-Bewertung bei 4,5, während Brüste nur mit 2,5 bewertet wurden. Die letzte Gruppe „Body-Unoriented“ (9 %) setzte insgesamt geringe Prioritäten; beide Werte lagen unter 2. Entscheidend ist dabei nicht nur das Auftauchen des Po-Fokus, sondern die Konsistenz des Musters über verschiedene Modellvarianten: Ein exklusives „Brüste“-Segment wurde in den statistischen Lösungen nicht sichtbar. Mehmetoglu fasst die Überraschung so zusammen: „I’ll be honest and admit that I was expecting to find a distinct ‘breasts-oriented’ segment, but I didn’t!“ In den von ihm getesteten Modellen sei ein klarer Po-Fokus stets gefunden worden, während hohe Brüste-Werte stets zusammen mit hohen Po-Werten auftreten.
Als Folgerung aus der Datenlage leiten die Autoren die Hypothese ab, dass Männer offenbar über Po-Präferenzen „ausreichende evolutive Hinweise“ auf Jugend und Fertilität beziehen könnten. Mehmetoglu formuliert den Takeaway explizit: „The main takeaway is how buttocks seem to be a much more central and stable cue in the male brain than breasts, “ bemerkte er. Er ergänzte zudem, dass diese Muster offenbar schon „aus Millionen von Jahren“ verankert seien, weil die sichtbaren Merkmale Dinge wie Jugend, Fertilität und Gesundheit signalisieren. Für die Praxis heißt das nicht, dass andere Faktoren keine Rolle spielen, sondern dass die Anziehungslogik bei vielen Männern offenbar weniger „entweder Po oder Brüste“, sondern eher „Po als zentraler Hebel, Brüste als ergänzendes Signal“ strukturiert. Dazu passt auch der Wertebezug aus der Umfrage: Eine ein-Punkt-Erhöhung bei der Bewertung von Sexiness erhöhte die Wahrscheinlichkeit, in der „Highly Body-Oriented“-Gruppe zu landen, um 501 % gegenüber „Body-Unoriented“. Materialismus steigerte die Chance für „Buttocks-Oriented“ um 86 %. Dagegen korrelierte Egalitarismus mit weniger Fokus auf körperliche Merkmale: Ein ein-Punkt-Anstieg im Egalitarismus reduzierte die Odds für „Highly Body-Oriented“ um 63 %. Gleichzeitig war die Vorliebe für intellektuelle Eigenschaften in den Modellen kein statistisch signifikantes Prädiktor für die Mitgliedschaft in den spezifischen Körperprofilen.
Gleichwohl bleibt die Studie durch ihre Rahmenbedingungen begrenzt. Mehmetoglu weist selbst darauf hin, dass die Ergebnisse am besten für ähnliche soziale Kontexte übertragbar sind, weil es sich um eine junge Stichprobe norwegischer Männer handelt. Zudem handelt es sich um eine „convenience sample“ und um Selbstauskünfte über einzelne Fragen zu komplexen Konstrukten wie Materialismus und Egalitarismus. Gerade deshalb ist der nächste logische Schritt aus wissenschaftlicher Sicht nicht die sofortige Verallgemeinerung, sondern die Replikation mit mehrteiligen, etablierten Messinstrumenten. Interessant wäre auch eine Ergänzung um Verhaltensdaten: etwa Tracking von Blickbewegungen, um zu prüfen, ob die gemeldeten Prioritäten im Dating-Setting wirklich mit dem tatsächlichen Blick- und Aufmerksamkeitsmuster übereinstimmen. Mehmetoglu kündigt genau solche Erweiterungen an und zeigt besonderes Interesse an der kleinen „Body-Unoriented“-Gruppe: „I am also really interested in that 9% ‘Body-Unoriented’ group. Since they aren’t primarily focused on buttocks or breasts, I want to find out what actually drives their attraction, whether it’s personality, intelligence, or other facial features.“ Für Unternehmen und Produktverantwortliche in datengetriebenen Bereichen – etwa Matching-Plattformen oder analytische Personalisierung – ist die Botschaft letztlich: Präferenzen sind nicht nur „ja oder nein“, sondern können als stabile Segmente mit Wertbezügen beschrieben werden. Wer solche Muster ignoriert und nur mit Durchschnittswerten arbeitet, verpasst vermutlich den größten Teil der Varianz.
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