KAMPALA / LONDON (IT BOLTWISE) – Uganda streicht die bisherige Steuerbefreiung für landbasierte Casinos. Betreiber müssen künftig 15 Prozent Quellensteuer auf die Nettogewinne einbehalten, wodurch die Abgaben näher an den Online-Sektor heranrücken. Die Regierung nennt Mehreinnahmen von rund 17,5 Millionen US-Dollar und will damit Steuerschlupflöcher schließen. Gleichzeitig warnen Branchenstimmen vor zu hohen Sätzen und möglichen Effekten auf den Schwarzmarkt.

Uganda dreht spürbar an der steuerlichen Stellschraube im Glücksspielmarkt: Landbasierte Casinos verlieren ihre Sonderstellung, sodass stationäre Anbieter künftig nicht mehr anders behandelt werden als Online-Plattformen. Im Zentrum steht die Änderung über das Einkommensteuergesetz (Income Tax Amendment Bill 2026), die nach den Angaben im Gesetzestext eine verpflichtende Abgabe von 15 Prozent auf Nettogewinne vorsieht. Für Betreiber vor Ort bedeutet das vor allem eines: Sie müssen die Steuer als Quellensteuer einbehalten und damit die Belastung innerhalb der Wertschöpfungskette messbarer machen.
Der politische Kern der Reform wird mit dem Anspruch begründet, gleiche Aktivitäten unabhängig vom Einsatzort gleich zu besteuern. Bisher konnten landbasierte Spielbanken im Vergleich zum Online-Segment eine Befreiung von der Quellensteuer auf Gewinne nutzen. Mit der Aufhebung dieser Ausnahme wird die Wettbewerbslandschaft verschoben; nicht mehr die Plattformform entscheidet über die Steuerlogik, sondern die Tätigkeit wird fiskalisch stärker harmonisiert. Damit reagiert Uganda auch auf den im Text beschriebenen Effekt, dass identische Glücksspiele je nach Durchführung unterschiedlich besteuert wurden und sich daraus Ungleichgewichte ableiteten.
Finanziell untermauert die Regierung den Schritt mit konkreten Erwartungen: Die Steuereinnahmen sollen durch den Wegfall der Ausnahme für landbasierte Casinos auf 65 Milliarden Shilling steigen, was laut Quelle etwa 17,5 Millionen US-Dollar entspricht. Der Vorsitzende des Ausschusses für Finanzplanung und wirtschaftliche Entwicklung, Maximus Ochai, verknüpft die Maßnahme direkt mit dem Vorwurf, die Ausnahme habe unnötige Möglichkeiten zur Steuervermeidung eröffnet und damit Einnahmeverluste begünstigt. „Der Ausschuss hat den Gesetzentwurf zur Einkommensteuer sowie den Antrag des Präsidenten geprüft und stimmt mit dem Präsidenten überein, dass die den landbasierten Casinos gewährte Ausnahme unnötige Möglichkeiten zur Steuervermeidung und zu Einnahmeverlusten schafft, da sie eine unterschiedliche steuerliche Behandlung für im Wesentlichen ähnliche Glücksspielaktivitäten festlegt, die sich lediglich durch die Plattform unterscheiden, über die sie durchgeführt werden.“ – Maximus Ochai, Vorsitzender des Ausschusses für Finanzplanung und wirtschaftliche Entwicklung, Uganda
Timing und Systematik der Reform sind dabei entscheidend, weil Uganda nicht bei der neuen 15-Prozent-Quellensteuer stehen bleibt. Bereits im April 2026 hatte Uganda die Steuerlandschaft für Wetten und Gaming mit einer Änderung des Lotterie- und Glücksspielgesetzes harmonisiert und einen einheitlichen Satz von 30 Prozent für Betreiber festgelegt. Im Vorfeld wurden Wetten nach dem beschriebenen Modell mit 20 Prozent besteuert, weil sie als weniger risikoreich für Spieler galten als klassisches Gaming. Zusammen bilden beide Schritte eine Abfolge, die die Steuerlogik vereinheitlichen und zugleich die fiskalische Kontrolle über Einnahmeströme erhöhen soll.
Diese Richtung findet in der Branche allerdings nicht ungeteilte Zustimmung. Neal Menashe, CEO der Super Group (Muttergesellschaft von Betway), warnt in der Quelle vor einer Überlastung der Branche durch zu hohe Steuern und nennt als aus seiner Sicht „optimalen“ Bereich 15 bis 25 Prozent des Nettospielertrags. In seiner Argumentation geht es auch um die Mechanik des Ausweichens: „Wenn Regierungen Steuern in Höhe von 30 oder 40 Prozent erheben, wenden sich die Kunden dem Schwarzmarkt zu, der keine Steuern zahlt und keine Praktiken für verantwortungsvolles Glücksspiel befolgt.“ – Neal Menashe, CEO, Super Group. Für Entscheider in der Glücksspielregulierung ist das mehr als eine politische Debatte, denn der Satz entscheidet häufig darüber, ob lizenzierte Anbieter ihre Kosten und Compliance-Aufwände noch aus dem legalen Markt decken können.
Dass Uganda mit der Maßnahme nicht allein auf sich aufmerksam macht, zeigt auch der regionale Vergleich, der im Text genannt wird: In Kenia wurde laut Quelle im vergangenen Jahr unter anderem eine Abgabe von 5 Prozent auf jede Auszahlung aus einem Wett-Konto sowie eine 5-prozentige Verbrauchssteuer auf Einzahlungen eingeführt. In Nigeria, im Bundesstaat Lagos, ist im Februar eine sofortige Quellensteuer von 5 Prozent auf Spielergewinne implementiert worden. Ergänzend ordnet der Text das Wachstum des Marktes ein: Daten von H2 Gambling Capital zufolge lag der Bruttospielertrag (Gross Gaming Revenue – GGR) für Ugandas interaktives Segment 2025 bei 435,3 Millionen US-Dollar; bis Ende 2029 soll dieser Wert auf über eine Milliarde US-Dollar pro Jahr steigen. Genau dort treffen sich Steuerpolitik, Marktinteressen und die Frage, wie stark der legale Kanal ausgebaut werden kann, ohne dass die Nachfrage in inoffizielle Angebote abwandert.
Für deutsche Spieler ergibt sich daraus vor allem eine Signalwirkung statt einer direkten Änderung des eigenen Geldbeutels. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 bereits, wie Online-Slots und Online-Poker besteuert werden; im Text wird dabei betont, dass die Steuer auf den Spieleinsatz erhoben wird, nicht auf den Gewinn. Außerdem nennt die Quelle den regulatorischen Rahmen für Limits, etwa ein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat, das über das LUGAS-System überwacht wird, sowie das Einsatzlimit von einem Euro pro Spin bei virtuellen Automatenspielen. Gleichzeitig bleibt für Nutzer entscheidend, dass sie ausschließlich bei Anbietern mit GGL-Whitelist spielen, damit sie rechtlich abgesichert bleiben. Aus Sicht lizenzierter Anbieter in Deutschland unterstreicht die Uganda-Entwicklung den globalen Trend zur „Totalregulierung“: Wenn steuerliche Belastungen und Auflagen nicht ausbalanciert sind, steigt der Druck, Kundennachfrage in legale Bahnen zu lenken, andernfalls wachsen die Anreize für Ausweichmärkte.
Damit verschiebt Uganda auch die Diskussion darüber, welche Bemessungsgrundlage in Zukunft politisch bevorzugt wird: Der Wechsel hin zu Steuern auf Nettogewinne statt auf vorher klar begrenzten Einsatzgrößen kann die Planbarkeit für Betreiber verändern und zugleich die Steuerdisziplin auf Spielerseite beeinflussen. Für den Markt heißt das: Lizenzierte Anbieter müssen ihre Produkt- und Zahlungsprozesse an neue Steuerabführmechaniken anpassen und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit ihrer Angebote gegenüber der Konkurrenz durch nicht-lizenzierte Angebote verteidigen. Entscheidend wird sein, ob der neue Satz in der Praxis die gewünschte Harmonisierung tatsächlich stärkt oder ob er – wie von Menashe skizziert – die Nachfrage strukturell in den Schwarzmarkt drückt. Uganda hat jedenfalls mit der Kombination aus 15 Prozent Quellensteuer und zuvor festgelegtem 30-Prozent-Ansatz einen klaren Hebel angesetzt, um den legalen Kanal fiskalisch attraktiver zu machen.
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