BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Berliner Senat und mehrere Wirtschaftsorganisationen stellen ein neues Resilienzkonzept für die Berliner Wirtschaft vor. Ziel ist, die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit gegenüber unterschiedlichen Bedrohungsszenarien gezielt zu stärken. Gleichzeitig startet die Kampagne „Berlin denkt weiter“, die Unternehmen zur vorausschauenden Planung ermutigt. Im Fokus stehen dabei auch digitale Angriffe und neue gesetzliche Anforderungen.

Berlin reagiert mit einem neuen Resilienzkonzept auf ein Problem, das in vielen Unternehmen lange als „best effort“ behandelt wird: Krisenvorsorge passiert oft dann, wenn bereits Ausfälle eingetreten sind. Am 10. August 2026 stellten der Berliner Senat sowie die Industrie- und Handelskammer (IHK), die Handwerkskammer (HWK), die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB) und der Berlin-Partner-Beirat für Wirtschaft und Technologie (BPWT) die gemeinsame Initiative vor. Mit der Initiative soll die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit des Standorts gegenüber verschiedenen Bedrohungsszenarien systematisch ausgebaut werden – also nicht nur im Katastrophenfall, sondern als dauerhafte Managementaufgabe.
Konkret setzt das Konzept auf eine bessere Koordination vorhandener Hilfs- und Beratungsangebote. Die beteiligten Partner wollen diese Angebote stärker bündeln und so verfügbar machen, dass Berliner Betriebe leichter eine zentrale Anlaufstelle finden. Der Ansatz zielt dabei nicht ausschließlich auf Informationsbereitstellung, sondern auf Unterstützung bei zwei oft getrennten Arbeitsschritten: der Identifikation von Risiken und der Umsetzung präventiver Maßnahmen. Für die Praxis bedeutet das vor allem: Unternehmen sollen ihre Vorsorgeplanung von Grundannahmen lösen und stärker an realistischen Bedrohungsprofilen ausrichten – quer durch Branchen, statt als punktuelle Einzelmaßnahme.
In der Ausrichtung spielt dabei die Rolle der Unternehmensverantwortung eine zentrale Rolle. Senatorin Giffey stellte im Rahmen der Veröffentlichung heraus, dass betriebliche Resilienz Teil der unternehmerischen Verantwortung sein müsse. Der Ton ist bemerkenswert klar: Angesichts globaler Unsicherheiten ist die Fähigkeit, sich auf unvorhersehbare Ereignisse einzustellen, eine Grundvoraussetzung für langfristigen Erfolg und Stabilität. Genau diese Brücke zwischen öffentlicher Unterstützung und Eigenvorsorge versucht die Initiative zu schlagen – mit dem Ziel, die Substanz des Standorts auch dann zu erhalten, wenn Normalbetrieb unter Druck gerät.
Parallel zum Resilienzkonzept startete am 10. August 2026 die Kampagne „Berlin denkt weiter“. Träger sind unter anderem der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI), die IHK Berlin, die Handwerkskammer sowie die UVB, zusätzlich unterstützen 20 Organisationen das Vorhaben. Die Kampagne richtet sich auf vorausschauendes Handeln und knüpft damit an ein typisches Muster an: Viele Sicherheits- und Krisenpläne existieren zwar auf Papier, werden aber erst im Ereignisfall sichtbar. Die Veröffentlichung betont zudem die zunehmenden digitalen Bedrohungen und die neuen gesetzlichen Anforderungen als Faktoren, die Unternehmen nicht erst „bei Gelegenheit“ nachziehen sollten. In diesem Zusammenhang wird ein kostenloses E-Book bzw. ein kostenfreier Report adressiert, der Sicherheitslücken ohne hohe Investitionen schließen helfen soll – ausdrücklich als Einstiegsangebot für Unternehmer gedacht.
Dass das Thema nicht nur politisch motiviert ist, untermauern die wirtschaftlichen Kennzahlen, die in der Darstellung der IHK Berlin aufgegriffen werden. Berlin wird mit über 1,7 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten als bedeutender Arbeitsmarkt beschrieben. Dazu kommen steuerliche Beiträge: Die jährlichen Einnahmen aus der Gewerbesteuer liegen laut den genannten Angaben bei mehr als 3 Milliarden Euro, die Körperschaftsteuer trägt jährlich mehr als 1 Milliarde Euro zum Steueraufkommen bei. Solche Größenordnungen sind relevant, weil Resilienzmaßnahmen im Ernstfall nicht nur einzelne Firmen betreffen, sondern Lieferketten, Beschäftigung, regionale Wertschöpfung und damit auch die Fähigkeit des Landes, handlungsfähig zu bleiben.
Technisch betrachtet liegt der Kern der kommenden Diskussion für viele Unternehmen in einer Kombination aus präventiver Sicherheitsarchitektur und organisatorischer Umsetzung. Proaktiver Schutz vor Cyberangriffen bedeutet in der Praxis, dass Risiken kontinuierlich bewertet, Prioritäten klar festgelegt und Maßnahmen in Betriebsabläufe integriert werden – etwa durch geordnete Incident-Prozesse, klare Verantwortlichkeiten und regelmäßig aktualisierte Annahmen zur Bedrohungslage. Gleichzeitig wird in der Initiative explizit die Kenntnis über KI-Gesetze als Teil der unternehmerischen Eigenvorsorge benannt. Das verschiebt Sicherheits- und Compliance-Themen von rein juristischen Randbereichen in den Alltag von IT, Datenschutz, Produkt- und Prozessverantwortlichen. Wer heute Resilienz plant, muss damit auch berücksichtigen, wie KI-gestützte Prozesse im Unternehmen betrieben, abgesichert und rechtlich eingeordnet werden.
Für Entscheiderinnen und Entscheider ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Resilienzkonzept und Kampagne vor allem ein Umsetzungsanreiz: Beratungsangebote werden nicht einfach „zusammengelegt“, sondern auf eine zentrale Zugänglichkeit und eine aktivere Unterstützung bei der Risikobearbeitung ausgerichtet. Damit können Unternehmen schneller von der Bestandsaufnahme zur Maßnahmenplanung wechseln – insbesondere, wenn sie bisher keine durchgängigen Vorlagen für Krisenszenarien hatten. Gleichzeitig bleibt der Nutzen nur dann nachhaltig, wenn die Angebote in messbare Aktivitäten münden: Risikoanalysen, Übung von Krisenkommunikation, Nachsteuerung von Security-Hygiene und die Dokumentation von Entscheidungen. Als Begleittext wird zudem ein Disclaimer genannt, wonach es sich bei den Inhalten um keine Anlageberatung handelt und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung erfolgt; Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten erfolgen ohne Gewähr und können sich jederzeit ändern. Solche Hinweise sind zwar redaktionell, aber sie spiegeln die Grundidee wider: Das Resilienzthema soll in erster Linie die organisatorische und technische Handlungsfähigkeit stärken.
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