FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Ein Experte sieht Deutschland beim Schutz vor Drohnenangriffen deutlich unterversorgt. Besonders fehle ein System, das den Himmel mit Drohnen und anderen Flugobjekten gemeinsam sichtbar macht und damit ein belastbares Lagebild liefert. Als erster Schritt nennt er das Scannen von Funkfrequenzen, ergänzt um Kameras und KI-gestützte Erkennung. Erst danach könne je nach Risiko auch Passivradar sinnvoll werden.

Drohnenabwehr: Funk-, KI- und Passivradar für ein gemeinsames Lagebild
Drohnenabwehr: Funk-, KI- und Passivradar für ein gemeinsames Lagebild (Foto: IT BOLTWISE)
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In Frankfurt am Main macht ein Experte einen Punkt besonders deutlich: Für den Schutz vor Drohnenangriffen reicht es offenbar nicht, einzelne Sensoren zu betreiben oder Ereignisse nur reaktiv zu beobachten. Entscheidend sei vielmehr ein zusammenhängendes, „gemeinsames Lagebild“ über den Himmel, in dem Drohnenflüge und der legale, angemeldete Luftverkehr im selben Kontext auftauchen. Genau diese Lücke beschreibt der Geschäftsführer des Unternehmens Droniq mit Blick auf die Situation in Leipzig als ein Beispiel dafür, wie schnell aus fehlender Transparenz ein operatives Problem wird: Wer die Lage nicht sauber kennt, kann weder Einsatzkräfte noch Behörden oder Betreiber richtig priorisieren.

Technisch betrachtet ist die Sensorik für das Überwachen großer Flächen laut dem Droniq-Manager keine grundsätzliche Herausforderung: Größere Räume ließen sich grundsätzlich erfassen. Den Anfang macht dabei das Scannen von Funkfrequenzen, also der Frequenzbereiche, über die Drohnen typischerweise ferngesteuert werden. Solche Frequenz-Scans liefern ein erstes Signalbild darüber, ob überhaupt Funktionsverkehr stattfindet und in welchem Spektrum sich potenzielle Aktivitäten verorten lassen. Damit erfasst man dem Bericht zufolge bereits einen wesentlichen Teil des Drohnenverkehrs. In der Praxis ist das wichtig, weil Funkdaten häufig früh einsetzen – noch bevor sich aus visuellen oder radarischen Indikatoren ein verlässliches Bild ableiten lässt.

Danach wird die reine Funkdetektion durch ergänzende Sinne erweitert. Die vorgeschlagene Architektur sieht vor, Frequenz-Sensoren mit Mikrofonen und Kameras zu kombinieren. Während Funk eine „Was passiert?“-Antwort liefert, können akustische und optische Informationen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass es sich tatsächlich um eine relevante Drohnenaktivität handelt. Der entscheidende Unterschied entsteht dabei durch KI-gestützte Mustererkennung: Die Software soll eigenständig Drohnen entdecken, indem sie charakteristische Bild- und Audio-Merkmale auswertet. Für Betreiber heißt das: Statt nur Alarme auf Basis einzelner Grenzwerte zu erzeugen, entsteht eine Klassifizierung, die Fehlalarme senken kann und zudem Hinweise auf das Verhalten gibt – etwa wenn ein Flugobjekt sich nicht so verhält, wie es angemeldet sein sollte.

Allerdings argumentiert der Experte auch gegen eine „Sensor-für-sich“-Strategie. Die aus Funk, Kamera und KI gewonnenen Erkenntnisse würden laut dem Bericht nur wenig bringen, wenn sie nicht in ein gemeinsames Lagebild eingebettet werden, das gleichzeitig den legalen Luftverkehr berücksichtigt. Erst dann wird aus Detektion eine Entscheidungsgrundlage. Genau in diesem Punkt wird „Sicherheit beginnt mit Übersicht“ zur operativen Leitlinie: Wenn im Lagebild auch die legalen Drohnenflüge sichtbar sind, lassen sich verdächtige Flugobjekte systematisch herausfiltern. Das kann bedeuten, dass Flugobjekte nicht angemeldet sind oder sich anders verhalten als angekündigt – und es kann Einsatzkräfte dabei unterstützen, ohne Blindflug zu priorisieren.

Je nach Gefährdungspotenzial soll im nächsten Schritt über Passivradar nachgedacht werden. Passivradar unterscheidet sich dabei grundsätzlich vom aktiven Radar: Es sendet typischerweise keine eigene Signale aus, sondern nutzt die Ausbreitung bereits vorhandener elektromagnetischer Quellen, um Objekte zu detektieren und zu verfolgen. Diese Eigenschaft ist in Szenarien interessant, in denen zusätzliche Signalemissionen unerwünscht sind oder in denen Funkdaten allein nicht ausreichen, etwa bei schwierigen Umgebungen oder bei Konstellationen, in denen die Funksignaturen weniger aussagekräftig sind. Der Bericht nennt diesen Schritt nicht als Standard für jede Situation, sondern als Option „in einem weiteren Schritt“, was auf eine mehrstufige Sicherheitslogik hindeutet: erst günstig und breit, dann spezifischer und risikobasiert.

Auch der Markt zeigt, dass solche Ansätze bisher nicht überall als durchgängige Plattform realisiert sind. Laut den Angaben aus dem Umfeld von Droniq arbeiten bislang nur vereinzelte Kommunen an Lösungen, darunter Mönchengladbach und Paderborn. Gleichzeitig wird ein Projekt genannt, das als wegweisend gilt: Der Landkreis Spree-Neiße plane in der Lausitz eine Flugzone für Drohnenflüge einzurichten – inklusive automatisierter Anmeldung und Genehmigung einzelner Flüge. Das ist aus Systemarchitektur-Sicht mehr als eine Komfortfunktion, weil es die Datenbasis für das Lagebild verändert: Wenn An- und Genehmigungen strukturiert vorliegen, kann die Erkennung deutlich präziser mit dem „normalen“ Verkehr abgeglichen werden. Die so entstehenden Informationen sollen in das übrige Fluggeschehen im Raum eingebunden werden, wodurch ein Abgleich zwischen „bekannt“ und „unerwartet“ technisch erst praktikabel wird.

Für den praktischen Betrieb in ländlich geprägten Regionen betont der Bericht zudem den Nutzen „freundlicher“ Drohnen. Dort bestehe kein Mangel an Einsatzmöglichkeiten: Drohnen könnten Saat oder Dünger ausbringen, Rehkitze retten oder Waren sowie Medikamente transportieren. Bei Bränden und Katastrophen könnten sie Einsatzkräfte unterstützen; im Alltag seien sie außerdem für Inspektionen in Tagebaugebieten, bei Pipelines, Stromtrassen und im Gewässerschutz denkbar. Genau diese Breite ist für die Akzeptanz relevant, denn ein Sicherheitsnetz, das allein auf Abwehr reduziert ist, wird schwerer zu finanzieren und operativ zu betreiben sein. Ein gemeinsames Lagebild, das legale Flüge sichtbar macht und nur Abweichungen besonders hervorhebt, schafft dagegen die Grundlage dafür, dass Sicherheits- und Nutzungslogik zusammenlaufen. Für Unternehmen und Systemintegratoren bedeutet das: Die nächste Qualitätsstufe entsteht weniger durch „noch mehr Sensoren“, sondern durch KI-gestützte Fusion, saubere Zuordnung zu Genehmigungsdaten und robuste Echtzeit-Korrelation zwischen Himmelssignalen und Luftverkehrsstatus.


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