LONDON (IT BOLTWISE) – Hims & Hers meldet im zweiten Quartal 38% Umsatzwachstum auf rund 753 Millionen US-Dollar und steigende Abonnentenzahlen. Unter dem Strich bleibt jedoch ein Verlust von 0,37 US-Dollar je Aktie, der unter anderem auf einmalige Kosten zurückgeht. Zusätzlich sinkt das bereinigte EBITDA um 27% und die Marge gerät von 10–12% auf 9–10%. Der operative und freie Cashflow fallen zudem jeweils negativ aus, während das Management für das dritte Quartal eine vorsichtige Erholung andeutet.

Der Einstieg in die Quartalszahlen von Hims & Hers klingt erst einmal nach Wachstum: Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz um 38% auf rund 753 Millionen US-Dollar, und auch die Abonnentenzahl legte deutlich zu. Konkret stieg die Nutzerbasis auf knapp 2,9 Millionen Abonnements, was einem Plus von 19% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Genau hier trennt sich jedoch die Wahrnehmung zwischen „mehr Geschäft“ und „bessere Profitabilität“, denn unter dem Strich weist das Unternehmen einen Verlust von 0,37 US-Dollar je Aktie aus – entsprechend einem Nettoverlust von 86,3 Millionen US-Dollar.
Für die Einordnung ist entscheidend, dass das Ergebnis nicht allein aus dem laufenden Kerngeschäft erklärt wird. Laut den Angaben entfallen ein wesentlicher Teil der Belastung auf einmalige Kosten im Umfeld der Übernahme des australischen Telehealth-Anbieters Eucalyptus im Juni sowie auf Restrukturierungen und juristische Rückstellungen. Solche Sondereffekte verschieben zwar oft die Gewinnrechnung kurzfristig, beeinflussen aber die Kapitalmarktreaktion dennoch direkt, weil sie die Vergleichbarkeit der Kennzahlen reduzieren. Besonders stark wird zudem die Internationalisierung: Während das US-Geschäft um 16% zulegte, wuchs der internationale Umsatz nach dem Zukauf um das rund 17-Fache.
Die eigentliche Bruchlinie zeigt sich anschließend bei den Margen. Das bereinigte EBITDA sank im Quartal um 27% auf 60,3 Millionen US-Dollar, auch wenn der Wert besser ausfällt als eine erwartete Marke von 47,2 Millionen US-Dollar. Wirtschaftlich relevant ist dennoch die Richtung: Branded-Präparate wie Wegovy und Zepbound, die Hims & Hers seit März über eine Partnerschaft mit Novo Nordisk vertreibt, wirken nicht als stabilisierender Kostentreiber, sondern werden offenbar von einem Mix-Effekt überlagert. Gleichzeitig belastet das margenschwächere internationale Geschäft die Bruttomarge, wodurch Wachstum in neue Regionen nicht automatisch zu höherer Profitabilität führt.
Auch die Jahresperspektive macht das Spannungsfeld sichtbar. Bei der Umsatzplanung hebt der Konzern die Prognose auf 3,1 bis 3,3 Milliarden US-Dollar an, nachdem zuvor ein Korridor von 2,8 bis 3,0 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt worden war. Beim bereinigten EBITDA bleibt das Ziel zwar bei 275 bis 325 Millionen US-Dollar, die resultierende Marge sinkt aber von zuvor zehn bis zwölf Prozent auf nun neun bis zehn Prozent. Damit verschiebt sich die Erwartungslage von „Skalierung schafft automatisch Marge“ hin zu „Skalierung muss die Kostenlogik erst wieder auf Kurs bringen“.
Die operative Finanzdynamik wirkt zusätzlich verhalten. Der operative Cashflow lag bei minus 36 Millionen US-Dollar, der freie Cashflow bei minus 68 Millionen US-Dollar – ein Signal, dass die Umsetzung von Wachstum in Liquidität in diesem Zeitraum nicht glatt verlief. Zwar verweist das Unternehmen auf über 840 Millionen US-Dollar an Cash und kurzfristigen Anlagen als Puffer, und auch der laufende Aktienrückkauf bleibt teilweise ungenutzt: Insgesamt bleiben 225 Millionen US-Dollar aus dem Programm frei verfügbar. Für das Management ist das kurzfristig ein Management-Thema, für den Markt aber ein Bewertungsparameter, weil wiederkehrende negative Free-Cashflow-Phasen typischerweise die Frage nach Timing und Effizienz von Wachstum schärfen.
Für das dritte Quartal stellt das Unternehmen eine Zielspanne von 880 bis 900 Millionen US-Dollar Umsatz in Aussicht sowie ein bereinigtes EBITDA von 75 bis 95 Millionen US-Dollar. Aus diesen Werten würde sich laut eigener Rechnung eine Marge von rund zehn Prozent ergeben – also eine leichte Verbesserung gegenüber dem laufenden Quartal. Genau darauf läuft die Erwartung hinaus: Nicht auf einen schnellen Sprung, sondern auf eine schrittweise Rückkehr zu stabileren Margen, während internationale Expansion weiterhin einen größeren Anteil am Umsatzportfolio einnimmt. Für Entscheider in der Branche bleibt der Fall damit besonders lehrreich: Telehealth-Modelle können sowohl schnell skalieren als auch gleichzeitig mit Übergangskosten, Regulierungs- und Rechtsrisiken sowie Mix-Effekten kämpfen, bevor die Kostenkurve wieder flacher wird.
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