KÖLN / LONDON (IT BOLTWISE) – In Köln wurde ein historischer Tiefststand am Rhein gemessen, der die Pegel in NRW weiter unter Druck setzt. Laut Prognose sinken die Werte in Köln, Düsseldorf, Emmerich und Duisburg-Ruhrort bis Freitagabend teils deutlich gegenüber dem aktuellen Niveau. Zwar wird für die kommende Woche ein leichter Anstieg erwartet, doch Moritz Axt vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein betont: „Das stellt noch keine Entspannung dar.“ Für die Schifffahrt wird die Fahrrinne vielerorts zum Engpass, weil die Wassertiefe am Ufer nicht der Tiefe in der Fahrrinne entspricht.

Die Niedrigwasserlage am Rhein verschärft sich in Nordrhein-Westfalen erneut: In Köln wurde aktuell ein historischer Tiefstwert erfasst, und die weitere Entwicklung folgt einer klaren Richtung. Aus den Daten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein geht hervor, dass die Pegelstände in mehreren Messbereichen bis Freitagabend weiter deutlich gegenüber den jeweiligen aktuellen Werten zurückgehen sollen. Besonders auffällig ist dabei nicht nur das Schlagwort „historisch“, sondern die konkrete Dimension: In Köln liegt der gemessene Tiefststand bei 56 Zentimetern, und für den Verlauf des Tages wird ein Absinken auf 54 Zentimeter erwartet. Für spät am Freitagabend nennt die Prognose sogar 47 Zentimeter.
Technisch erklärt sich die Dramatik für die Schifffahrt aus dem Unterschied zwischen Pegelstand am Ufer und tatsächlicher Fahrrinnentiefe. Der Pegel beschreibt den Wasserstand an einer Messstelle, während die Fahrrinne im Flussbett ihre eigene Geometrie besitzt. In Köln sind es laut Angabe rund 1,11 Meter „mehr“ zwischen Pegelstand und der effektiven Situation in der Fahrrinne. Schiffe können demnach zwar weiter fahren, aber nur mit wenig Fracht. Das ist ein klassischer Effekt bei Niedrigwasserereignissen: Je geringer die verfügbare Wassertiefe, desto stärker sinkt die zuladbare Transportmenge, obwohl der Fluss insgesamt noch durchgehend befahrbar sein kann.
Während Köln und der Niederrhein besonders im Fokus stehen, zeigt die Verteilung über verschiedene Stationen, wie unterschiedlich das System Rhein an einzelnen Orten reagiert. In Düsseldorf ist der historische Tiefstand als 10 Zentimeter vom 7. August eingeordnet; die Vorhersage geht davon aus, dass dieser Wert unterschritten wird. Aktuell stehen dort 12 Zentimeter an, und für den späten Freitagabend werden lediglich 2 Zentimeter erwartet. Das umfasst auch eine zeitliche Komponente: Die Lage ist nicht nur niedrig, sie bewegt sich entlang einer Prognosekurve, die in kurzen Zeitfenstern markant nach unten zeigt.
Daneben wird in Duisburg-Ruhrort ein Negativ-Rekord besonders greifbar, weil sich ein vormals erreichtes Niveau bereits wieder einstellen kann. Der Tiefstwert von 140 Zentimetern vom 8. August sei am Dienstagmittag wieder erreicht worden, allerdings nur für wenige Stunden. Für den späten Abend wird 139 Zentimeter vorhergesagt, anschließend soll der Wasserstand bis Freitagabend auf 131 Zentimeter zurückgehen und am Samstag auf 130 Zentimeter. Auffällig ist auch hier: Die absolute Zahl klingt nach einem statischen Ziel, tatsächlich handelt es sich jedoch um dynamische Schwankungen, die für die Transportplanung relevant sind. Betreiber müssen Zeitfenster für Durchfahrten und Umschlagsprozesse feinjustieren, weil sich verfügbare Tiefen in einem Tagesrhythmus ändern können.
Am Niederrhein zeigt sich das Bild besonders hart: In Emmerich bewegt sich der Pegelstand seit Tagen im negativen Bereich; der Schwimmer des Pegels liegt trocken, die Daten liefert eine Sonde. Am Dienstagmittag wurden minus elf Zentimeter gemessen, im Tagesverlauf sollen minus zwölf Zentimeter erreicht werden. Für Freitag wird kurz vor der niederländischen Grenze ein Wert von minus 18 Zentimetern erwartet. Schon diese Zahlen machen deutlich, warum ein rein „ufernaher Blick“ zu kurz greift: Der technische Messaufbau (Schwimmer versus Sonde) und die Umrechnung in einen Pegelwert sind Teil der Infrastruktur, über die sich die Lage realistisch erfassen lässt. Zudem gilt: Die Pegelstände der verschiedenen Messstationen sind nicht direkt vergleichbar, weil es keinen einheitlichen Nullpunkt für alle Stationen gibt.
Auch die historische Einordnung liefert eine Orientierung, wie außergewöhnlich der Verlauf aktuell ausfällt. Für die Pegel Köln, Düsseldorf und Duisburg-Ruhrort stammen die alten historischen Tiefstwerte, die vor der Trockenheit in diesem Sommer gemessen wurden, vom 23. Oktober 2018. Wenn die Prognose bis Freitagabend eintritt, würden diese Werte um mehr als 20 Zentimeter unterschritten. Am Pegel Emmerich liegt der alte, niedrigste bekannte Wasserstand bei 18. August 2022; hier könnte erneut ein Negativ-Rekord entstehen, der um 17 Zentimeter darunter liegt. Moritz Axt, Sprecher des Amtes, bringt die Situation in eine anschauliche Form: „Man kann es kaum glauben, was man da sieht.“ Gleichzeitig hält er in einer zweiten Aussage den Handlungsrahmen fest: „Das stellt noch keine Entspannung dar.“
Für die nächste Woche zeichnet sich zwar ein erster Lichtblick ab, aber eher in Richtung „langsamer Erholung“ als in Richtung sofortiger Normalisierung. Der angekündigte leichte Anstieg der Pegelstände bedeutet nicht automatisch, dass die Schifffahrt wieder mit voller Auslastung planen kann; vielmehr verschiebt sich die Lage innerhalb eines weiterhin sehr niedrigen Niveaus. Das ist für Unternehmen mit Binnenwasserstraßen-Logistik entscheidend: Der Transport wird nicht nur durch die Frage „passierbar oder nicht“ geprägt, sondern durch die für jede Fahrt verfügbare Zuladung, die sich an die Wasserstände koppelt. In diesem Kontext gewinnt auch der datengetriebene Betrieb an Bedeutung, weil Prognosen, Messwerte und lokale Geometrie zusammenlaufen: Wer die Entwicklung von Pegel und Fahrrinnentiefe operationalisiert, reduziert die Wahrscheinlichkeit teurer Umplanungen und kann Umschlag- und Fahrpläne in kleineren Zeitschritten anpassen.
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