LONDON (IT BOLTWISE) – Der BNP Paribas Easy ECPI Circular Economy Leaders UCITS ETF EUR setzt auf Unternehmen mit hohem Kreislaufwirtschafts-Rating statt auf klassische Recycling- oder Entsorgungsplayer. Der Fonds ist bereits seit April 2019 am Markt und erreicht ein Fondsvolumen von 353 Millionen Euro bei laufenden Kosten von 0,30 Prozent pro Jahr. Auffällig: Die zehn größten Positionen machen nur 28,9 Prozent des Fondsvermögens aus. Damit adressiert der ETF vor allem Anleger, die Kreislaufpraktiken in etablierten Industrie- und Technologiekonzernen suchen, nicht aber eine Wette auf die Recyclingbranche selbst.

Der BNP Paribas Easy ECPI Circular Economy Leaders UCITS ETF EUR wirkt auf den ersten Blick wie ein „Recycling-ETF“ – schaut man genauer hin, verschiebt sich der Fokus jedoch deutlich. Statt Unternehmen auszuwählen, deren Kerngeschäft primär in Entsorgung oder Recycling liegt, bündelt der ETF Aktien aus allen Branchen nach einem Kreislaufwirtschafts-Rating. Der ECPI Circular Economy Leaders Equity Index dahinter nutzt dabei keine reine Branchenlogik, sondern bewertet, wie konsequent Unternehmen Prinzipien der Kreislaufwirtschaft in der eigenen Wertschöpfung umsetzen – etwa über Materialeffizienz, Wasserrückgewinnung in der Produktion, Rücknahme- und Reparaturprogramme oder den Einsatz recycelter Werkstoffe. Genau diese Systematik erklärt, warum im Fonds an der Spitze keine „klassischen Namen“ wie man sie aus der Abfallwirtschaft kennt stehen, sondern Technologieunternehmen.
Die Konstruktion ist dabei nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell vergleichsweise untypisch für einen Themen-ETF. Der Fonds repliziert den Index physisch und vollständig, die Erträge werden thesauriert, und aufgelegt wurde das Produkt bereits im April 2019. Als geografisches Beispiel lässt sich die Auswahlmethodik ebenfalls gut ablesen: Die USA kommen im Fonds auf 51,3 Prozent – deutlich weniger als in einem marktkapitalisierungsgewichteten Welt-ETF üblich. Frankreich folgt mit 9,8 Prozent, Japan mit 8,3 Prozent und Deutschland mit 6,8 Prozent. Dass Japan und Frankreich in diesem Set-up stärker vertreten sind, passt zur im Text beschriebenen Grundannahme, dass dort Ressourceneffizienz und regulatorische Standards rund um die Kreislaufwirtschaft häufig besonders früh umgesetzt wurden. Auch innerhalb der Branchen zeigt sich eine breite Streuung: Industrie liegt bei 24,4 Prozent, Technologie bei 21,3 Prozent, danach folgen weitere Branchenanteile jeweils zweistellig.
Besonders prägnant wird das „Tech-lastige“ Profil über die Top-Positionen. Größte Position ist mit 5,3 Prozent Intel, gefolgt von Texas Instruments mit 3,2 Prozent und Cisco Systems mit 3,1 Prozent. Dass hier kein Recyclingkonzern im Sinne eines reinen Entsorgungs- oder Abfallgeschäfts führt, lässt sich aus dem beschriebenen Rating-Mechanismus ableiten: Die genannten Unternehmen erhalten das hohe Kreislaufwirtschafts-Rating unter anderem über Programme zur Wasserrückgewinnung und Materialeffizienz in ihren Produktionsstätten sowie über Recyclingprogramme für Altgeräte. Bei Cisco kommt zusätzlich die Idee eines zirkulären Produktdesigns ins Spiel, etwa durch Rücknahme- und Aufarbeitungsprogramme sowie den gezielten Einsatz recycelter Materialien in neuen Produkten. Für Anleger bedeutet das: Kreislaufwirtschaft ist hier eher ein Nebenaspekt der Betriebsführung – wichtig für das Rating, aber nicht das Geschäftsmodell, aus dem der Konzern seine Hauptumsätze generiert.
Genau an dieser Stelle wird auch der Marktvergleich im Text interessant, weil er den praktischen Nutzen für Portfolios erklärt. Von fünf verfügbaren ETFs auf weltweite Kreislaufwirtschaft ist dieser laut Darstellung der einzige, der sich mit einem Fondsvolumen von 353 Millionen Euro „wirklich etabliert“ hat. Die Wettbewerber wie der VanEck Circular Economy UCITS ETF oder der Xtrackers MSCI Global Circular Economy UCITS ETF bewegen sich demgegenüber im niedrigen einstelligen Millionenbereich. Gleichzeitig gilt der BNP-ETF als Kostenführer innerhalb des Segments: Mit 0,30 Prozent laufenden Kosten pro Jahr liegt er günstiger als die kleineren Alternativen. Für die Einordnung: Gerade in Nischen-ETFs ist die Größe häufig ein Proxy für Liquidität und die praktische Umsetzbarkeit im Handel; ohne diese Skalierung werden Spreads und Handelbarkeit für Privatanleger meist spürbar schlechter. Dazu kommt im Text der Hinweis auf einen niedrigen Konzentrationsgrad: Die zehn größten Positionen vereinen nur 28,9 Prozent des Fondsvermögens – für einen Themen-ETF ein ungewöhnlich niedriger Wert.
Auch die Wertentwicklung liefert eine Erklärung, warum sich die Rendite über die Jahre unterschiedlich gezeigt hat. 2023 legte der Fonds um 19,3 Prozent zu, 2024 um 11,6 Prozent, 2025 dagegen nur noch um 4,6 Prozent. Laut Darstellung hängt das mit der Gleichgewichtung über 50 Werte zusammen: In den Jahren, in denen besonders wenige KI-Technologie-Schwergewichte stark gestiegen sind, profitierte ein breit und bewusst verteilt aufgebauter ETF weniger stark von genau dieser Extremsituation. Für das laufende Jahr meldet der Text dagegen ein Plus von 15,1 Prozent an, gestützt durch eine breitere Markterholung, von der auch Industrie- und Halbleiterwerte außerhalb der ganz großen KI-Gewinner zunehmend profitieren. Strukturell wird das durch langfristige Trends rund um Ressourceneffizienz und Materialrecycling untermauert, die bei den im Fonds enthaltenen Unternehmen laut beschriebenem Profil eine wachsende Rolle spielen.
Im Risiko-Teil überrascht dann vor allem die geringere Schwankungsbreite. Die Volatilität liegt über ein, drei und fünf Jahre zwischen 10,7 und 12,8 Prozent, durchgehend niedriger als etwa die 14,7 Prozent des iShares Core MSCI World UCITS ETF über fünf Jahre. Für einen ETF mit thematischem Zuschnitt ist das nicht selbstverständlich, lässt sich aber mit zwei Stellschrauben erklären, die im Text bereits genannt werden: Gleichgewichtung und bewusst geplante Branchenstreuung. Dadurch fällt die klassische „Schwergewichtskonzentration“ weg, die marktkapitalisierungsgewichtete Welt-ETFs oft mitbringen. Auch die maximalen Kursrückgänge werden im Text als moderater beschrieben: Über fünf Jahre liegt der maximale Verlust bei minus 19,6 Prozent, seit Auflage im Jahr 2019 bei minus 30,5 Prozent – jeweils etwas weniger als im Vergleichszeitraum bei einem MSCI-World-ETF. Damit zielt der Fonds weniger auf die maximale Gewinner-Kurve eines einzelnen Teilmarkts, sondern eher auf ruhigere Schwankungen bei gleichbleibender thematischer Ausrichtung.
Für wen passt dieser Kreislaufwirtschaft-ETF konkret? Der Text positioniert ihn als Ergänzung für Anleger, die ihr Depot um eine breit gestreute, international etablierte Auswahl ergänzen möchten, die innerhalb der jeweiligen Firmen besonders konsequent auf Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft setzt. Das ist keine Wette auf die Recycling- oder Entsorgungsbranche als eigenständigen Wachstumssektor, sondern eine Art „Quality-Screening“ innerhalb der Industrie- und Technologiewelt. Wer dagegen explizit vom Wachstum der Recyclingbranche selbst profitieren will, sollte die Auswahlmechanik als klare Abgrenzung verstehen: In diesem ETF haben die Unternehmen zwar in ihren Prozessen und Produkten relevante Kreislaufpraktiken, aber sie stehen nicht zwingend für den größten Anteil des Branchenumsatzes im Abfall- oder Recyclinggeschäft. In der Praxis kann genau diese Logik für ein Portfolio attraktiv sein, weil sie Kreislaufwirtschaft als Faktor in der Unternehmensführung behandelt – und nicht als reines Segment, das in eine einzelne Wertschöpfungskette „einrastet“.
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