LONDON (IT BOLTWISE) – Zum 10. Jubiläum nennt Hello Games große Kennzahlen rund um No Man’s Sky: Millionen Spielerstunden, aber weiterhin extrem wenig erforschte Planeten. Laut Angaben von Studio-Chef Sean Murray wurden in den zehn Jahren seit dem Launch weniger als 1% der Planeten erkundet. Das liegt vor allem an der prozeduralen Erzeugung von Welten und Inhalten. Gleichzeitig plant das Studio mit „COSMOS“ neue Updates, während das Universum weiterhin vor allem aus unentdeckten Orten besteht.

Zum zehnten Geburtstag von No Man’s Sky steht weniger die Frage im Raum, wie groß das Universum inzwischen geworden ist, sondern wie viel davon Spielerinnen und Spieler tatsächlich gesehen haben. Hello Games nennt im Zuge des Jubiläums beeindruckende Nutzerzahlen: In den vergangenen Jahren sollen Millionen von Spielern zusammen Hunderte von Millionen Stunden in das Spiel investiert haben. Gerade deshalb wirkt die Diskrepanz auffällig, die gleichzeitig kommuniziert wird: Trotz dieser langen Spielzeit ist der Anteil des erkundeten Universums weiterhin verschwindend klein.
In den zehn Jahren seit dem Launch, so geht es aus den Angaben von Sean Murray hervor, wurden weniger als 1% der Planeten in No Man’s Sky erforscht. Das ist nicht nur ein „Zahlen-Flex“, sondern beschreibt direkt die technische Logik hinter dem Spiel. Statt eine feste Weltkarte zu bauen, erzeugt No Man’s Sky Planeten, Lebewesen, Raumschiffe und weitere Elemente mithilfe von Algorithmen prozedural. Diese Vorgehensweise macht es möglich, dass das Spieluniversum auf eine Größenordnung von etwa 18 Trillionen Planeten kommt, ohne dass Hello Games dafür 18 Trillionen manuell ausarbeiten muss.
Die prozedurale Erzeugung verändert dabei nicht nur die Menge der Inhalte, sondern auch das Gefühl von Entdeckung. Wer im Spiel unterwegs ist, arbeitet gewissermaßen gegen eine unendliche oder zumindest extrem große Suchlandschaft: Jede Fahrt ist eine potenziell neue Kombination aus biome-ähnlichen Bedingungen, Ressourcen, möglichen Lebensformen und Varianten der Umgebung. Dadurch bleibt „Erkundung“ selbst nach 10 Jahren ein Kernversprechen, aber eben auch ein langwieriger Prozess. Dass die Erkundungsquote trotzdem so niedrig liegt, zeigt vor allem, wie groß das System konstruiert ist, nicht wie wenig Zeit die Community investiert.
Parallel zur Systemgröße liefert Hello Games seit dem Launch kontinuierlich größere Inhalts-Updates. Insgesamt nennt der Rückblick 40 große Updates, die das Spiel über Jahre hinweg ausgebaut haben. Besonders relevant sind dabei Erweiterungen, die über das reine Erkunden hinausgehen: Basenbau und Siedlungen geben Spielern einen dauerhaften Ankerpunkt im Universum, während Mechs und Haustiere neue Kategorien von Interaktion hinzufügen. Ebenso verändern Expeditionen den Rhythmus des Spielens, weil sie zeitlich orientierte Ziele und Wiederanlaufpunkte erzeugen. In Summe verschiebt das Studio No Man’s Sky damit von einem „Start als Sandbox-Entdeckung“ hin zu einer Plattform, die auch strukturiertes Spielen jenseits der Reise durch den Weltraum ermöglicht.
Für das kommende Kapitel fällt der Blick erneut auf den Next-inhaltlichen Sprung: Unter dem Namen „COSMOS“ plant Hello Games weitere neue Inhalte. Genau hier treffen technische Grundlagen und Produktstrategie aufeinander. Je nachdem, wie neue Systeme in die prozedurale Welt eingreifen, entsteht entweder „nur“ mehr Content oder es entstehen auch neue Schichten von Spielmechaniken, die wiederum die Art beeinflussen, wie Spieler Planeten bewerten und ansteuern. Das Jubiläum zeigt, dass Hello Games über einen sehr langen Zeitraum nicht bei kosmetischen Veränderungen geblieben ist, sondern das Spiel wiederholt in Richtung breiterer Nutzungsprofile weiterentwickelt hat.
Historisch betrachtet ist der Weg von No Man’s Sky besonders lehrreich, weil das Spiel beim Start im August 2016 für PC und PlayStation 4 von vielen Seiten stark kritisiert wurde. Genannt wurden damals unter anderem technische Probleme und fehlende Features. Heute ist das Spiel neben PC auch auf allen Konsolen verfügbar und zusätzlich in VR spielbar. Diese Entwicklung illustriert, wie wichtig eine konsistente Update-Pipeline und eine klare technische Vision sind, wenn ein Projekt mit einer großen, prozeduralen Basis weiter wachsen soll. Für die Community bedeutet das: Das Universum bleibt groß genug, um langfristige Orientierung zu liefern, während das Regelwerk und die Erlebnisqualität durch Updates Schritt für Schritt verdichtet werden.
Unternehmen und Entwickler können aus dem Jubiläum vor allem zwei Signale mitnehmen. Erstens zeigt die sehr niedrige Erkundungsquote, wie stark Skalierung bei prozeduralen Systemen mit „Aufwandsverlagerung“ auf die Nutzerseite einhergeht: Wenn das System immens groß ist, wird Zeit zum eigentlichen Gatekeeper für Inhalte. Zweitens verdeutlichen die wiederkehrenden Erweiterungen, dass prozedurale Erzeugung allein nicht reicht, um über Jahre Bindung zu erzeugen; erst das Zusammenspiel aus Weltlogik, neuen Spielerzielen und wiederholbaren Formaten macht aus einem Entdeckungsmodell ein langfristig tragfähiges Produkt. In Kombination mit „COSMOS“ liegt der Fokus damit klar darauf, die nächsten Schritte der Sandbox- und Erlebnislogik zu definieren, während der Großteil des Universums weiterhin darauf wartet, überhaupt erstmals „besucht“ zu werden.
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