LONDON (IT BOLTWISE) – apoprojekt hat ein denkmalgeschütztes Industriegebäude aus dem Jahr 1899 für ein Berliner Energietechnologie-Unternehmen revitalisiert. Auf vier Ebenen entstanden rund 3.900 Quadratmeter flexible Flächen für Werkstatt, Schulung und Büro. Die Arbeiten dauerten 16 Monate und liefen bei laufendem Campusbetrieb. Der Umbau umfasste eine vollständige Erneuerung der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) sowie präzise Eingriffe, um Betrieb, Sicherheitstechnik und Bestand gleichzeitig zu sichern.

Mit der Revitalisierung eines historischen Industriegebäudes aus dem Jahr 1899 setzt apoprojekt auf eine typische Mischung aus Denkmalpflege und moderner Gebäudetechnik: Das Objekt liegt auf dem Konzerncampus eines Berliner Energietechnologie-Unternehmens und gehört zu einem denkmalgeschützten Ensemble. Ziel war nicht nur die Wiederbelegung von Flächen, sondern die funktionale Umrüstung auf heutige Anforderungen in Bildung, Entwicklung und Fertigung. Herausgekommen sind auf vier Ebenen etwa 3.900 Quadratmeter flexible Nutzfläche, die nun als Lehrwerkstatt, Schulungs- und Bürobereiche genutzt werden können.
Besonders anspruchsvoll war dabei die zeitliche und organisatorische Seite des Projekts. Laut Projektangaben lief der Campus während der Baumaßnahmen weiter, weshalb apoprojekt die Eingriffe abschnittsweise und in eng getakteten Abfolgen umsetzte. Die Teams mussten Staub- und Lärmemissionen über die gesamte Bauphase konsequent minimieren, Rettungswege durchgängig freihalten und zugleich sicherstellen, dass die unterbrechungsfreie Funktion der bestehenden sicherheitstechnischen Anlagen erhalten blieb. Diese Kombination aus Betriebssicherheit und Bauausführung ist in der Praxis ein häufiger Engpass, weil sie Freiräume für Sperrungen stark reduziert und Abstimmungen mit dem laufenden Betrieb extrem präzisiert.
Technisch führte der historische Bestand zu einer klar definierten Hauptaufgabe: Das ursprüngliche Dachtragwerk konnte laut Angaben keine zusätzlichen Lasten aufnehmen. Damit waren klassische Wege wie eine direkte Auflastung oder die einfachere Integration neuer Techniksysteme ausgeschlossen. apoprojekt entwickelte stattdessen eine sekundäre Stahlkonstruktion zur Lastabtragung, die die Installation der TGA-Systeme erst ermöglicht sowie die Umsetzung notwendiger Schallschutz- und raumakustischer Maßnahmen unterstützt. Ergänzend musste auch die Photovoltaikanlage in den Gebäudekontext passen; eine ultraleichte Sonderanfertigung wurde dafür auf einer maßgeschneiderten Unterkonstruktion montiert.
Auch im Innenausbau zeigt sich, dass moderne Energie- und Produktionsumgebungen andere Raumlogiken brauchen als ein reines Industriealtbau-Skelett. So wurden einzelne Deckenfelder der Bestandskappendecken ertüchtigt oder ersetzt, um eine effiziente Trassenführung zu ermöglichen. Im Erdgeschoss entstand eine Lehrwerkstatt mit CNC-Maschinen und Schweißkabinen, also ein Bereich, in dem technische Mediensysteme und akustische Randbedingungen direkt aufeinander treffen. Damit der Werkstattbetrieb nicht akustisch in die Lern- und Büroflächen durchschlägt, installierte apoprojekt abgehängte Schallschutzdecken sowie Wand- und Deckenabsorber. Zusätzlich wurden Zuleitungen und Anschlüsse für technische Gase eingerichtet und eine Kranbahn installiert, was das Gebäude in Richtung einer praxisnahen Ausbildungs- und Demonstrationsumgebung erweitert.
Den Schwerpunkt auf Funktion und Technik ergänzt apoprojekt schließlich um den sensiblen Umgang mit historischen Details. Besonders sichtbar ist das im Treppenhaus: Hier wurden Holzstufen, Podeste und Fliesenbeläge aus den 1920er Jahren erhalten oder originalgetreu restauriert. Auch die vorhandenen Schiebetore wurden als gestalterische Elemente in das neue Educationhouse integriert. Diese Entscheidung ist mehr als Ästhetik, denn sie verbindet die Denkmalwirkung mit der neuen Nutzung: Das Gebäude bleibt erkennbar historisch, während es gleichzeitig als moderner Lern- und Arbeitsort arbeitet.
Für die Zielbranche Energietechnologie ist die Revitalisierung damit ein praktikabler Baustein, um Flächen für Schulung und Werkstattbetrieb zu schaffen, ohne einen Neubau vollständig aus dem Kontext zu reißen. Gerade wenn Anlagen wie CNC- und Schweißtechnik sowie TGA-Installationen zusammenkommen, zählen robuste Schnittstellen zwischen Tragwerk, Mediensystemen, Schallschutz und Sicherheitstechnik. Der Umstand, dass das Projekt in 16 Monaten und bei laufendem Campusbetrieb realisiert wurde, macht zudem deutlich, wie stark Projektplanung, Terminsteuerung und konstruktive Sonderlösungen ineinandergreifen müssen, wenn historische Substanz nicht als Hindernis, sondern als Randbedingung verstanden wird.
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