LONDON (IT BOLTWISE) – Der KI-Boom macht Rechenzentren zur Engpassindustrie: Ohne Stromverteilung, Kühlung und Netzanbindung bleiben GPUs wirkungslos. Genau dort setzen Eaton, Vertiv und Quanta Services an – entlang der Infrastruktur-Kette von der Steckdose bis zur Server-Höhe. Während Eaton 307 GW Datenzentrum-Backlog meldet, wächst bei Vertiv der Umsatz und bei Quanta Services klettert der Auftragspuffer für elektrische Infrastruktur. Für Anleger verschiebt sich damit der Fokus weg vom reinen Chip-Hype hin zu Bau- und Betriebsfähigkeit.

KI braucht mehr als GPUs: Eaton, Vertiv und Quanta Services als Infrastruktur-Wette
KI braucht mehr als GPUs: Eaton, Vertiv und Quanta Services als Infrastruktur-Wette (Foto: IT BOLTWISE)
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Der KI-Hype hat das Investieren lange vereinfacht: Wer an leistungsfähige Grafikprozessoren glaubt, kaufte tendenziell auch die Hersteller. Doch der Engpass sitzt inzwischen häufiger nicht im Rechenzentrumsgelände, sondern davor und darunter. Eine GPU liefert nur dann Mehrwert, wenn das Umfeld stimmt – vom zuverlässigen Strompfad über die thermische Abfuhr bis hin zu einer Netzanbindung, die die Last überhaupt aufnehmen kann. Aus dieser Logik folgt eine andere Kategorie von Gewinnern, und sie lässt sich bei drei Unternehmen gut entlang der Infrastrukturkette denken.

Bei Eaton beginnt es auf der „Strom“-Seite mit Schalt- und Verteilungstechnik, die elektrische Leistung in nutzbare Rechenzentrumsleistung übersetzt. Das Unternehmen liefert zudem unterbrechungsfreie Stromversorgung (UPS) und erweitert sein Portfolio um immer anspruchsvollere Kühlkomponenten – also um die Bausteine, die aus Energie Rechenkapazität machen. Besonders greifbar wird die Dimension im Zusammenhang mit dem gemeldeten U.S.-Data-Center-Backlog: Eaton bezifferte ihn zuletzt auf 307 Gigawatt (GW). Das entspreche 15 Jahren Arbeit gemessen an den Build-Raten von 2025, zuvor waren es laut Angaben noch 12 Jahre.

Wichtig ist dabei die zeitliche Struktur dieses Backlogs, weil nicht jeder Gigawatt-Eintrag automatisch morgen als fertiger Standort endet. Nur etwa 20% sollen in der nahen Zukunft in Projekte übergehen; der Großteil der Auslieferungen verläuft in Richtung 2028 und darüber hinaus. Diese Trennung spielt eine Rolle, weil Branchen-Tracker zwar Pipelines in einem breiteren Korridor nennen – grob zwischen rund 250 GW bis „330-plus-GW“ –, viele Projekte aber erst durch langwierige Prozesse kommen: Netzanschluss-Warteschlangen, Genehmigungen, Arbeitskräfteknappheit, lange Lieferzeiten für Ausrüstung und Finanzierungsfragen. Für Anleger heißt das: Eaton bietet weniger „sofortige“ Story, dafür mehr Planungssicherheit über einen längeren Horizont.

Je näher man an den eigentlichen Datenhall-Betrieb rückt, desto konkreter wird der Bezug zu Temperatur und Verfügbarkeit. Vertiv positioniert sich in diesem Szenario als eher direkter Pure-Play für die Ausstattung innerhalb des Gebäudes: kritische Stromversorgung und thermisches Management. In den Zahlen zur zweiten Jahreshälfte 2026 sieht man dabei Dynamik: Der Umsatz stieg um 24% auf 3,27 Milliarden US-Dollar, das Adjusted EPS legte um 60% auf 1,52 US-Dollar zu. Zusätzlich nennt Vertiv für das Quartal 925 Millionen US-Dollar Adjusted Free Cash Flow. Auf der Guidance-Seite erhöhte das Management die Jahresprognose für den Umsatz auf 13,8 bis 14,2 Milliarden US-Dollar und erwartet Adjusted Earnings von 6,65 bis 6,75 US-Dollar je Aktie.

Technisch lässt sich die Investment-These relativ klar in die Architektur moderner Rechenzentren übersetzen: Wenn KI-Racks mehr elektrische Leistung ziehen, werden Stromverteilung und Kühlung zu „harte Physik“-Themen. Liquid Cooling, leistungsstärkere UPS-Systeme und fortgeschrittenes thermisches Management sind dann nicht mehr nur Komfortfunktionen, sondern Teil der Infrastruktur, die den Dauerbetrieb überhaupt erst ermöglicht. Damit verschiebt sich auch das Risikoprofil: Anders als bei reinen Chip-Wetten hängt Vertiv weniger an der Frage, welche GPU-Generation gerade im Trend liegt, sondern stärker daran, wie stark sich Rechenzentren real ausbauen und wie konsequent neue Thermo- und Energie-Standards implementiert werden.

Quanta Services wiederum spielt die Rolle näher an der Baustelle – und damit dort, wo es für viele Projekte zuerst hakt: beim Zugang zur Stromnetzinfrastruktur. Das Unternehmen baut Übertragungsleitungen, Umspannwerke sowie elektrische Systeme, die große neue Lasten überhaupt an das Netz koppeln. Für das erste Quartal 2026 meldete Quanta einen Auftragspuffer (Backlog) von 48,47 Milliarden US-Dollar nach 43,98 Milliarden US-Dollar zum Jahresende 2025; der Umsatz stieg um 26% auf 7,87 Milliarden US-Dollar. Der Backlog speziell für elektrische Infrastruktur lag bei 40,1 Milliarden US-Dollar. In dieser Logik ist Quanta ein direkter Hebel auf die „Zeit vor dem Serverrack“.

Der gemeinsame Nenner der drei Firmen lautet deshalb: Anleger müssen nicht die eine „richtige“ KI-Architektur treffen, um von KI-Infrastruktur zu profitieren. Eaton deckt den Weg zur elektrischen Backbone-Fähigkeit ab, Vertiv stellt kritische Energieversorgung und Kühlung innerhalb der Anlage sicher, und Quanta adressiert die Netzanbindung für enorme Lasten. Zwar sind Bewertungen in dieser Gruppe zuletzt gestiegen und nicht jedes angekündigte Rechenzentrumsprojekt wird termingerecht gebaut; genau deshalb gewinnt die länger sichtbare Pipeline bei Eaton an Gewicht. Selbst wenn es bei KI kurzfristig zu Engpässen bei verfügbaren GPUs oder zu Tempoverlusten bei der Ausgabenkurve kommt, bleibt ein Kern bestehen: Die physische Infrastruktur, die bereits geplant ist, reicht in vielen Fällen Jahre voraus – und kann damit zu einem stabileren Investment-Setup führen, als ausschließlich auf Chip-Taktung zu schauen.


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