LONDON (IT BOLTWISE) – Das US-Haushaltsdefizit steuert nach Angaben des Congressional Budget Office (CBO) in Richtung von 2,1 Billionen US-Dollar für das Jahr 2026. Bereits nach den ersten 10 Monaten beläuft sich das Defizit auf rund 1,8 Billionen US-Dollar, wobei die Ausgaben schneller wachsen als die Steuereinnahmen. Besonders stark treiben steigende Zinskosten für die mehr als 39 Billionen US-Dollar hohe Staatsschuld sowie höhere Ausgaben für Social Security, Medicare und Medicaid den Fehlbetrag. Gleichzeitig liegen die Einnahmen voraussichtlich rund 200 Milliarden US-Dollar unter den früheren Erwartungen, unter anderem wegen geringer vereinnahmter Zolleinnahmen nach einer Gerichtsentscheidung.

Das US-Haushaltsdefizit nimmt im laufenden Fiskaljahr 2026 erneut Tempo auf, weil der Ausgabenblock deutlich schneller wächst als die Einnahmenseite. Das Congressional Budget Office (CBO) hat dazu in seinem monatlichen Budget-Update für Juli eine konkrete Projektion geliefert: Für das Gesamtjahr erwartet die Behörde ein Defizit von 2,1 Billionen US-Dollar. Ein solcher Wert wäre nicht nur eine Fortsetzung der bisherigen Entwicklung, sondern zählt nach der Darstellung des CBO auch zu den größten Fehlbeträgen historisch. Grundlage ist der Blick auf die ersten 10 Monate des Fiskaljahrs 2026, das bis Ende September läuft: In diesem Zeitraum kam es zu einem nahezu 1,8 Billionen US-Dollar schweren Defizit.
Rechenmechanisch lässt sich die Dynamik relativ klar aufdröseln: Das Defizit liegt um 169 Milliarden US-Dollar höher als im Vergleichszeitraum des Fiskaljahrs 2025. Auf der Ausgabenseite stiegen die Ausgaben gegenüber dem Vorjahr um 308 Milliarden US-Dollar; dem steht ein deutlich geringerer Zuwachs der Steuer- und sonstigen Einnahmen um 139 Milliarden US-Dollar gegenüber. Damit entsteht der klassische Effekt „Spending outpaces revenue“: Je stärker die Ausgaben wachsen, desto schneller kippt die Jahresbilanz ins Minus, selbst wenn die Wirtschaft wächst und einzelne Einnahmekomponenten zulegen. Das CBO verweist außerdem darauf, dass die erwarteten Auszahlungen (outlays) für 2026 nahe an den im Februar angenommenen Basiswerten liegen, während die Einnahmen voraussichtlich etwa 200 Milliarden US-Dollar unter den früheren Projektionen bleiben.
Für den Bruch zwischen Ausgaben- und Einnahmenpfad nennt das CBO zwei zentrale Hebel. Einer betrifft die Einnahmenseite aus Zöllen und tarifären Abgaben: Die vereinnahmten Beträge liegen laut Behörde voraussichtlich unter den Februarwerten, weil die Einnahmen aus Tarifzöllen geringer ausfielen als erwartet. Hintergrund ist dabei eine Supreme-Court-Entscheidung, die erst nach Veröffentlichung der CBO-Baseline getroffen wurde. Der zweite Hebel ist strukturell: Die Zinskosten auf die US-Staatsschuld steigen und schlagen im Budget unmittelbar durch. In den ersten 10 Monaten 2026 legten die Kosten für die Bedienung der Schuldverschreibungen um 117 Milliarden US-Dollar zu, was einem Plus von 14% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Laut CBO liegt die Erklärung in höheren langfristigen Zinsen und in der gewachsenen Schuldenhöhe selbst.
Auf der Seite der sogenannten „mandatory spending programs“ verstärkt sich der Druck zusätzlich über drei große Programme: Social Security, Medicare und Medicaid. Social Security verbuchte in den ersten 10 Monaten einen Anstieg um 70 Milliarden US-Dollar (plus 5%), wobei das CBO vor allem höhere durchschnittliche Leistungen nach Inflationsanpassungen sowie eine Zunahme der Zahl der Leistungsberechtigten nennt. Bei Medicare stiegen die Kosten um 66 Milliarden US-Dollar (plus 8%), begründet mit höherer Einschreibung und angepassten bzw. steigenden Zahlungsraten für Gesundheitsleistungen. Medicaid schließlich erhöhte seinen Ausgabenposten um 45 Milliarden US-Dollar (plus 8%), weil sowohl die Kosten je Leistungsempfänger als auch die Gesamtbelastung anziehen. Diese Kombination ist aus Budget-Sicht besonders wirkungsstark, weil sie weniger vom politischen Jahreszyklus abhängt als diskretionäre Ausgabenposten; sie läuft über Formeln, Anspruchsberechtigungen und Leistungsmuster.
Auch die Steuerseite zeigt dabei ein gemischtes Bild, das die Rolle von politischen Parametern und Gerichtsfolgen sichtbar macht. Insgesamt stiegen Einnahmen aus Lohnsteuern (payroll) und Steuern zusammen um 202 Milliarden US-Dollar (plus 5%) gegenüber dem Vorjahr. Die Quellen waren dabei vor allem höhere Einbehalte vom Gehalt (withholdings) um 141 Milliarden US-Dollar (plus 5%) aufgrund gestiegener Löhne und Gehälter sowie höhere ausgezahlte Steuererstattungen an Individuen um 23 Milliarden US-Dollar (plus 7%) im Zusammenhang mit dem sogenannten One Big Beautiful Bill Act (OBBBA). Gleichzeitig sanken die Corporate-Income-Tax-Collections um 89 Milliarden US-Dollar (minus 23%), weil das Gesetz Abzüge für Investitionen ausweitete und dadurch weniger Steuer in der Netto-Kasse landete. Bei den Zolleinnahmen zeigt sich zudem der Wirkungsmechanismus der Gerichtsentscheidung: Während die brutten Zolleinnahmen gegenüber dem Vorjahr um 18 Milliarden US-Dollar (plus 13%) zulegten, brach das Netto-Wachstum später ein, weil das US-Finanzministerium seit Mai Tarif-Rückerstattungen aufgrund der Supreme-Court-Entscheidung auszahlte. Nach CBO-Angaben wurden bis dato rund 100 Milliarden US-Dollar an solchen Rückerstattungen ausgegeben.
Die politischen und gesellschaftlichen Implikationen liegen damit weniger in einer isolierten Monatszahl, sondern in der Wechselwirkung aus Schuldenzins, Pflichtausgaben und Einnahmenstruktur. Maya MacGuineas, Präsidentin des Committee for a Responsible Federal Budget (CRFB), ordnet die Entwicklung in einem Kommentar als „beunruhigend“ ein und betont, dass ein Defizit oberhalb der Schwelle von 2 Billionen US-Dollar selbst dann nicht „normal“ sei, wenn die Konjunktur nicht ohnehin in einer Rezession steckt. Für Unternehmen und Haushalte ist vor allem relevant, was sich daraus mittel- bis langfristig ableiten lässt: Je höher die Zinslast und je größer die Pflichtausgabenkomponenten, desto weniger fiskalischer Spielraum bleibt für neue Prioritäten, ohne dass Entlastungsmaßnahmen entweder die Ausgabenbremsen oder die Einnahmenbasis verändern. In der Budgetdebatte verschiebt sich damit der Fokus zunehmend von kurzfristigen Steuer- und Ausgabenreizen hin zu Fragen der Tragfähigkeit und der Zieldefinition, etwa über eine längerfristige Defizitquote in Relation zum Bruttoinlandsprodukt. Für die nächste Haushaltsrunde heißt das: Jede Änderung an Tariflogik, Ausgabenformeln oder an der Zinsannahme wirkt schnell durch, weil die Defizitstruktur bereits stark von den Zins- und Pflichtprogrammen geprägt ist.
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