SCHWEIZ / LONDON (IT BOLTWISE) – Zum Jahresende 2026 wird die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) für viele Unternehmen verbindlich. Gleichzeitig rücken Pflichten rund um den Digitalen Produktpass (DPP) und strengere EU-Verpackungsregeln in den Fokus, inklusive PFAS-Grenzwerten. Für die Umsetzung werden saubere Datenflüsse in Lager, Beschaffung und Lieferketten wichtiger, statt nur einzelner Dokumente. Dazu kommt zusätzlicher Druck aus dem Finanzsektor, weil der EZB-Klimafaktor bereits jetzt die Bewertung von Kreditforderungen beeinflusst.

EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) ab 2026: So planen Unternehmen Compliance, DPP und Finanzierung
EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) ab 2026: So planen Unternehmen Compliance, DPP und Finanzierung (Foto: IT BOLTWISE)
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Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) trifft Unternehmen nicht als isolierte Einzelregel, sondern als neuen Knotenpunkt in einem bereits sehr eng getakteten Regulierungsnetz. Während viele Organisationen bisher vor allem auf punktuelle Nachhaltigkeitsnachweise gesetzt haben, verschiebt sich der Schwerpunkt nun auf die Fähigkeit, Warenflüsse lückenlos zu identifizieren und Daten so aufzubereiten, dass sie über mehrere Systeme hinweg konsistent bleiben. Laut den Angaben, auf die der Bericht verweist, gilt die EUDR für große und mittlere Unternehmen ab Ende 2026. Zugleich soll die praktische Vorbereitung deutlich früher beginnen: Die Firmen müssen Erzeugnisse und ihre genaue Rolle im Warenfluss frühzeitig identifizieren, weil sich daraus Sorgfaltspflichten und nachgelagerte Dokumentations- sowie Prüfprozesse ableiten.

Technisch betrachtet liegt die Hürde weniger im Schreiben von Texten als in der Verknüpfung von Produkt- und Logistikdaten. Genau hier setzt der Digitale Produktpass (DPP) an, der in der Logik der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) gedacht ist. Die EU-Kommission eröffnet dafür den freiwilligen Zugang für ausgewählte Sektoren wie Elektro- und Elektronikprodukte, Baustoffe sowie Maschinen. Für die Praxis wird dabei empfohlen, API-Schnittstellen für EPD- und DPP-Daten direkt in Unternehmenswebsites zu integrieren, damit sich Informationen aus den Produktdaten in Prozesse wie Lageraufnahme und grüne Beschaffung hineinziehen lassen. Das klingt zunächst wie ein Web-Thema, ist aber in Wahrheit ein Integrationsprojekt: Sobald Produktinformationen nicht mehr manuell in Reports wandern, müssen Datenformate, Identifikatoren und Schnittstellen zuverlässig zusammenspielen.

Auch die EU-Verpackungsregeln verstärken diese Daten- und Prozesslogik. Der Bericht nennt als Schwerpunkt das Inkrafttreten der Verpackungsregeln, inklusive strikter Grenzwerte für PFAS in Verpackungen, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Gleichzeitig sind die Ziele ambitioniert: Ausgehend vom Basisjahr 2018 soll der Verpackungsabfall bis 2030 um 5 % und bis 2040 um 15 % reduziert werden. Die Zahlen untermauern den Handlungsdruck: Pro Kopf fallen jährlich 180 kg Verpackungsabfall an, davon 35,3 kg Kunststoffe, während die Recyclingquote derzeit bei 42 % liegt. Hinzu kommt Zeitversatz in der Umsetzung: Ein einheitliches Kennzeichnungssystem wird ab 2028 verpflichtend, die Hauptmaßnahmen greifen ab 2030. Für Unternehmen bedeutet das, dass EUDR- und Verpackungsdaten nicht nur „irgendwie“ bereitgestellt werden müssen, sondern in mehreren Zeithorizonten und mit unterschiedlichem Detailgrad.

Während die operative Umsetzung damit stärker in den Fachbereichen Planung, Logistik und Einkauf verankert wird, wächst parallel der finanzielle Druck. Laut den im Bericht genannten Angaben weitet die Europäische Zentralbank (EZB) den sogenannten Klimafaktor auf Kreditforderungen aus; betroffen seien 29 % aller Sicherheiten. Für Unternehmen, die als klimaanfällig eingestuft werden, können dadurch Abschläge von bis zu 5 % auf Kredite fällig werden. Wichtig ist dabei auch der Umsetzungsaufwand: Eine Analystin warnt vor dem erheblichen administrativen Aufwand, der insbesondere kleinere Institute treffen könne. Die volle Wirkung der Maßnahme wird den Angaben zufolge frühestens Ende 2027 erwartet. Für die Unternehmensplanung heißt das: Selbst wenn EUDR formal „ab 2026“ startet, sollten Datenqualität, Auditierbarkeit und Wiederverwendbarkeit der Nachweise bereits jetzt so ausgelegt werden, dass sie in Finanz- und Risiko-Workflows nicht wieder bei Null anfangen.

Entsprechend weitreichend ist auch der Beratungs- und Engineering-Ansatz, der im Bericht skizziert wird. Dienstleister erweitern ihre Angebote für Compliance mit der EU-ESPR-Verordnung und nennen dabei Branchen wie Batterien, Textilien, Möbel, Reifen, Stahl und Chemie. Als technische Standards werden GS1 Digital Link und EPCIS 2.0 erwähnt, also zwei Bausteine aus dem Identifikations- und Ereignismodell, mit denen sich Produktinformationen und Datenereignisse entlang der Lieferkette strukturieren lassen. Der praktische Anspruch: Marktprozesse so zu unterstützen, dass sie mit den Anforderungen von über 450 Millionen EU-Verbrauchern kompatibel bleiben. Für IT- und Operations-Teams ist das vor allem eine Frage der Systemarchitektur: Wo entstehen EPD- und DPP-Daten, wie werden sie gepflegt, und wie lassen sich diese Informationen später über Unternehmensgrenzen hinweg konsistent ausspielen?

Ein weiterer Teil der Ausgangslage betrifft Unternehmen mit grenzüberschreitender Struktur, etwa aus der Schweiz. Der Bericht verweist darauf, dass Schweizer Firmen mit einem Umsatz von mehr als 450 Millionen Euro in der EU und einer Tochtergesellschaft, die über 200 Millionen Euro erzielt, ab 2026 gemäß der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) berichten müssen. Zudem würden Netto-null-Fahrpläne des Bundesamts für Energie zur Bedingung für den Erhalt bestimmter Fördermittel. Das vergrößert den Bedarf an belastbaren Datenmodellen, weil Berichtspflichten in der Regel nicht nur „Statusberichte“ sind, sondern auch Prüfpfade und Begründungslogik benötigen. Als Beispiel nennt der Bericht LX Pantos: Das Unternehmen habe seinen Nachhaltigkeitsbericht für 2026 vorgelegt und Scope-1- und Scope-2-Emissionen für Standorte in Korea sowie im Ausland unabhängig prüfen lassen; die ESG-Offenlegung wurde zudem auf Menschenrechte und Arbeitsbedingungen ausgeweitet. Solche Beispiele zeigen vor allem, wie sehr sich Nachhaltigkeitskommunikation in Richtung nachprüfbarer Daten und auditierbarer Prozesse verschiebt.


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