LONDON (IT BOLTWISE) – Grayscale zieht die SEC-Anmeldungen für geplante ETFs zu Cardano (ADA), Polkadot (DOT) und Hedera (HBAR) zurück. In drei separaten Anträgen teilte der Krypto-Asset-Manager mit, dass er die geplante Verteilung der Trust-Anteile nicht weiter verfolgen will. Die Rücknahmen wurden vom Sponsor initiiert und traten ohne effektive Genehmigung in Kraft. Damit schrumpft Grayscales Pipeline für Single-Token-Produkte in einem Marktumfeld, in dem die Kurse der genannten Token zuletzt deutlich nachgaben.

Für Anleger ist die Nachricht weniger eine regulatorische Abweisung als ein leiser Rückzug aus dem Produktpipeline-Plan: Grayscale hat die von ihm initiierten SEC-Registrierungen für drei geplante ETFs zu Cardano (ADA), Polkadot (DOT) und Hedera (HBAR) zurückgezogen. Laut den drei getrennten Rücknahmeersuchen, die innerhalb von vier Minuten am späten Freitag bei der US-Regulierungsbehörde eingereicht wurden, beabsichtige das Unternehmen nicht, die geplante Verteilung der Trust-Anteile fortzuführen. Wichtig ist dabei der Status: Keiner der Vorgänge wurde wirksam, und es wurden keine Wertpapiere ausgegeben oder verkauft.
Technisch und prozessual zeigt sich hier ein typisches Muster im ETF-Entwicklungszyklus, bei dem ein Sponsor seine Registrierung wieder aus dem Verfahren nimmt, wenn sich Annahmen ändern. Grayscale formulierte dabei, dass die geplante Distribution aus Sicht des Unternehmens nicht weiter verfolgt werden soll. Die Rücknahmen wurden ausdrücklich als sponsor-initiierte Schritte beschrieben, nicht als Ablehnung durch die SEC. Offenkundig bleibt damit eine Option offen: Das Unternehmen könnte später neue Registrierungsanträge einreichen, falls sich Struktur, Timing oder Marktlage wieder besser anfühlen.
Der zeitliche Rahmen der einzelnen Vorhaben macht die Dynamik besonders greifbar. Die erste Initiative für den Cardano-ETF kam im Februar 2025, während die Polkadot-Pläne später im selben Monat folgten. Für ADA reichte Grayscale die Registrierungsunterlagen am 29. August ein, für DOT folgten die entsprechenden Einreichungen im Kontext der Polkadot-Anträge. Hedera (HBAR) wurde am 9. September registriert. Die geplanten Fonds sollten als passive Vehikel funktionieren, die nach Gebühren und Ausgaben den Wert der jeweiligen Token nachzeichnen. Damit zielten die Produkte auf einen „Index“-ähnlichen Ansatz ab, bei dem der Token-Kurs das zentrale Risiko- und Renditeprofil bestimmt.
Genau an diesem Renditeprofil dürfte sich zuletzt jedoch wenig Rückenwind ergeben haben. In der Berichterstattung werden für ADA ein Minus von mehr als 41 % im laufenden Jahr genannt, DOT verlor demnach 54 %, während HBAR um 35 % zurückging. Auch über die Zeit seit den Einreichungen wird die Schwäche sichtbar: ADA soll im betrachteten Zeitraum einen Rückgang von rund 70 % erlebt haben, DOT sogar in der Größenordnung von 80 %; HBAR fiel ebenfalls um mehr als 70 %. Für einen passiven ETF ist die Kursentwicklung unmittelbar „eingebacken“ – das senkt zwar nicht zwingend die regulatorische Umsetzbarkeit, erschwert aber häufig das wirtschaftliche Kalkül, weil Liquidität, Nachfrage und Erwartungswerte der Emittenten betroffen sind.
Mit den drei Rücknahmen reduziert Grayscale zudem sichtbar seine Pipeline für Single-Token-Produkte. Auf der eigenen Website führt der Asset-Manager laut dem Bericht aktuell 17 ETF-Produkte, darunter etwa ein Bitcoin-Produkt im Mini-Format sowie ein Ethereum-Staking Mini ETF und ein weiterer Staking-orientierter ETF. Dass Grayscale damit im Krypto-ETF-Bereich weiter aktiv bleibt, deutet eher auf eine Portfoliosteuerung als auf einen generellen Rückzug hin: Wo Staking-nahe Strukturen und etabliertere Marktmechaniken für Anleger möglicherweise robuster wirken, werden neue Token-Themen offenbar erst bei besseren Voraussetzungen weiterverfolgt.
Für die Branche ist die Episode dennoch ein Signal, dass die ETF-Entwicklung im Krypto-Segment deutlich schneller „re-optimiert“ wird als viele Beobachter annehmen. Gerade bei weniger liquiden oder stärker volatilen Märkten kann eine ohnehin anspruchsvolle Produktplanung durch Marktbewegungen und interne Annahmebrüche frühzeitig gestoppt werden. Gleichzeitig bleibt der Kernmechanismus bestehen: Sobald neue Registrierungen eingereicht werden, hängt viel vom Zusammenspiel aus Token-Preisregime, erwarteter Nachfrage und der konkreten Ausgestaltung ab. Unterm Strich sehen wir hier weniger ein juristisches Scheitern, sondern eine wirtschaftliche Neubewertung eines ETF-Ansatzes, bei dem die Kursreise der Basiswerte die entscheidende Weichenstellung liefert.
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