PITTSBURGH / LONDON (IT BOLTWISE) – Rigetti hat die Quartalszahlen für das zweite Quartal 2026 veröffentlicht und dabei den Umsatz im Jahresvergleich um 185 % auf 5,1 Millionen US-Dollar gesteigert. Gleichzeitig erhöhte sich die Bruttomarge von 31 % auf 43 %, während der operative Verlust auf 28,1 Millionen US-Dollar anstieg. Im Technologie-Teil rückt das Unternehmen die Rechengenauigkeit in den Mittelpunkt: die Zwei-Qubit-Fidelity des Cepheus-1-108Q-Prozessors liegt laut Angaben bei 99,1 %. Für 2026 peilt Rigetti eine Steigerung auf etwa 99,5 % an, begleitet von neuen Kooperationen wie TangleLab und einem Novera-System mit 9 Qubits.

Rigetti nutzt die jüngst vorgelegten Geschäftszahlen, um einen klaren Fokus zu setzen: nicht nur Wachstum bei den Einnahmen, sondern vor allem messbare Fortschritte bei der Rechengenauigkeit. Im Zeitraum bis zum 30. Juni 2026 stieg der Umsatz auf 5,1 Millionen US-Dollar, was im Vergleich zum Vorjahr einem Sprung von 1,8 Millionen US-Dollar auf 5,1 Millionen US-Dollar entspricht (185 %). Solche Wachstumsraten sind für Unternehmen im frühen Hardware- und Systemaufbau besonders relevant, weil sie zeigen, dass sich der Markt für Quantenrechnersysteme und begleitende Entwicklungsaufträge zumindest schrittweise öffnet. Entscheidend ist dabei auch, dass Rigetti die Bruttomarge deutlich verbessert hat: Sie kletterte von 31 % auf 43 %, obwohl gleichzeitig der operative Verlust auf 28,1 Millionen US-Dollar anwuchs.
Die Kombination aus steigenden Margen und höherem Kostenblock liefert eine erste Lesart, die auch technisch nachvollziehbar ist: Sobald ein Quantenanbieter stärker in Forschung und Entwicklung investiert, verschiebt sich die Bilanz häufig kurzfristig in Richtung höherer Ausgaben, während die Erlösstruktur erst mit Verzögerung stabiler wird. Laut Darstellung begründete die Firmenleitung die gestiegenen Kosten mit dem Ausbau der Forschungsabteilung, um ehrgeizige Ziele bei der Rechengenauigkeit der Systeme zu erreichen. Unter dem Strich belief sich der Nettoverlust nach GAAP auf 52,6 Millionen US-Dollar bzw. 0,16 US-Dollar je Aktie; der bereinigte Nettoverlust (Non-GAAP) lag bei 16,0 Millionen US-Dollar. Positiv für die operative Handlungsfähigkeit bleibt dagegen die finanzielle Basis: Zum Quartalsende verfügte Rigetti über 541,3 Millionen US-Dollar an Barmitteln und Äquivalenten und wies keine Schulden aus.
Technologisch ordnet Rigetti die Entwicklung nicht primär an der reinen Qubit-Zahl aus, sondern priorisiert die Verbesserung der Fehlerrate. Im Kern steht die Idee, dass ein Quantencomputer im praktischen Einsatz weniger durch die schiere Anzahl an Qubits limitiert wird als durch die Qualität der Operationen und die Fehler, die während der Berechnung entstehen. Rigetti formuliert diese Strategie über die Fidelity-Kennzahlen; das aktuelle Flaggschiff-System Cepheus-1-108Q erreicht laut Angaben eine mediane Zwei-Qubit-Fidelity von 99,1 %. Für das laufende Jahr 2026 will das Unternehmen diesen Wert auf etwa 99,5 % erhöhen. Das wirkt wie eine kleine Verbesserung in Prozentpunkten, ist aber in Quantenhardware-Entwicklung häufig genau der Bereich, in dem sich Fortschritt in der Fehlerkorrektur-Kette sichtbar macht: Selbst geringe Reduktionen der Fehlerwahrscheinlichkeit können die Effektivität von übergeordneten Verfahren stark beeinflussen.
Für den weiteren Weg nennt Rigetti ein Zielbild, das deutlich auf Skalierung und Geschwindigkeit abzielt: Langfristig sollen Systeme mit rund 1.000 Qubits entstehen, die eine Genauigkeit von 99,9 % und Gate-Geschwindigkeiten von unter 40 Nanosekunden bieten. Solche Anforderungen machen zugleich deutlich, warum die Fidelity-Strategie im Vordergrund steht: Höhere Genauigkeit allein reicht nicht, wenn Gate-Zeiten zu lang werden und damit die Kohärenzverluste dominieren. Gleichzeitig werden Unternehmen in der Branche zunehmend daran gemessen, wie gut Hardware-Verbesserungen mit System-Engineering zusammenspielen, also etwa mit Kontroll-Elektronik, Kalibrierung und dem Zusammenspiel aus Hardware-Stack und Software-Pipeline. In diesem Zusammenhang ist auch relevant, dass Rigetti neue Kooperationen nutzt, um den Übergang von Laborprototypen zu hybriden Workflows zu beschleunigen.
Konkrete Plattformarbeit spielt dabei im aktuellen Umfeld eine große Rolle. So wurde eine Partnerschaft mit HPE und dem Pittsburgh Supercomputing Center bekannt, die in das Projekt „TangleLab“ eingebettet ist. Dieses Projekt wird durch einen Zuschuss der National Science Foundation in Höhe von 5 Millionen US-Dollar gefördert. Das Ziel: ein hybrides Testbett, in dem Quantenrechner und klassische Supercomputer zusammenarbeiten. Rigetti liefert hier ein Novera-System mit 9 Qubits; der Baubeginn wird für den 1. September geplant. Hybride Testbetten sind für den Markt deshalb so wichtig, weil sie messbar machen, wie Quantenverfahren in reale Software- und HPC-Umgebungen eingebettet werden können – etwa über die Zuweisung von Teilproblemen, die Iterationsschleifen zwischen klassischem Optimierer und Quantenansatz oder über die Frage, wie stabil und wiederholbar Ergebnisse unter produktionsnahen Bedingungen sind.
Auch die Kapitalmarktperspektive zeigt die Spannung zwischen Technologiehype und Ausführungstempo. Analystenstimmen fielen laut Input unterschiedlich aus: Matt Bryson von Wedbush startete am Montag die Beobachtung mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 40 US-Dollar. Er betonte, dass für 2026 die Rechengenauigkeit der entscheidende Meilenstein für Rigetti sei. Demgegenüber zeigte sich Kevin Garrigan vom Analysehaus Jefferies zurückhaltender; er senkte das Kursziel von 20 auf 18 US-Dollar und bestätigte die Einschätzung „Hold“. Positiv sieht auch diese Sichtweise die langfristigen Fortschritte, allerdings fordert sie den Nachweis, dass die kurzfristig angekündigten technologischen Ziele zuverlässig umgesetzt werden. An der Börse notiert die Aktie aktuell bei 15,34 Euro, mit einem Tagesplus von 0,88 %. Trotz der Erholungstendenzen bleibt die Aktie laut Angaben 69,50 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 50,30 Euro, das im Oktober vergangenen Jahres markiert wurde.
Neben dem technologischen Fahrplan rückt zudem der staatliche Unterstützungsrahmen in den Fokus, weil Quantenhardware häufig hohe Vorlaufkosten mit sich bringt. Medienberichten zufolge existiert eine Absichtserklärung über bis zu 100 Millionen US-Dollar an Fördermitteln aus dem US-amerikanischen CHIPS Act, die über die nächsten drei Jahre fließen könnten. Für Unternehmen ist solche Perspektive vor allem dann wertvoll, wenn sie in konkrete Meilensteine übersetzt wird: zum Beispiel in den Ausbau von Testumgebungen, in die Verfügbarkeit von Engineering-Ressourcen oder in die Stabilisierung von Lieferketten für Spezialkomponenten. Gleichzeitig bleibt für Rigetti die zentrale Frage, wie gut Fidelity-Ziele und die Entwicklung hin zu größeren, schnelleren Systemen tatsächlich in messbare Produktfortschritte münden – denn genau an diesem Punkt treffen sich Technik und Markt. Mit den aktuellen Kennzahlen, dem Ausbau der Forschungsarbeit und dem hybriden Testbett setzt Rigetti zumindest einen Schwerpunkt, der für potenzielle Enterprise-Anwender später entscheidend sein dürfte: nachvollziehbare Leistungsdaten statt nur theoretischer Versprechen.
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