LONDON (IT BOLTWISE) – Kurz vor den Q2-Zahlen richtet der Markt besonders auf Rigetti Computing. Für das zweite Quartal 2026 werden Erlöse von rund 5,1 Millionen US-Dollar erwartet, was einem Wachstum von etwa 183 % gegenüber dem Vorjahresquartal entspräche. Parallel dazu treibt das Unternehmen die technische Anbindung seiner Quanten-Hardware an klassische HPC-Infrastruktur mit dem Projekt „TangleLab“ voran. Die Integration am Pittsburgh Supercomputing Center soll laut Plan am 1. September beginnen.

Rigetti Computing steht an der Schnittstelle aus Kapitalmarkt-Erwartung und Infrastruktur-Fortschritt. Nachdem das Unternehmen nach dem offiziellen Handelsschluss an den US-Börsen seine Finanzergebnisse für das zweite Quartal 2026 veröffentlichen will, folgt kurz darauf eine Telefonkonferenz um 17:00 Uhr Ortszeit (ET). Für den Markt zählt dabei weniger die reine Form der Ergebnismeldung, sondern die Frage, ob das Expansionstempo aus dem ersten Quartal 2026 in eine nachhaltigere Planbarkeit überführt wird. Genau darauf zielt der Konsens ab, während Anleger zugleich den operativen Fortschritt im Umfeld von Hardware-Skalierung und Forschungskooperationen gegeneinander abwägen.
Für den anstehenden Bericht nennt die Vorlage Erlösannahmen von rund 5,1 Millionen US-Dollar. Sollte sich dieser Wert bestätigen, läge die Steigerung bei zirka 183 % gegenüber dem Vorjahresquartal, in dem Rigetti 1,8 Millionen US-Dollar umgesetzt hatte. Interessant ist dabei auch die Erwartung zur Profitabilität: Unter dem Strich soll nach Analystenprognosen weiterhin ein Verlust stehen, konkret mit einem Minus von 0,046 US-Dollar je Aktie. Das Muster entspricht dem, was viele Quanten-Startups in frühen Skalierungsphasen zeigen: hohe Wachstumsraten im Umsatz, aber noch keine unmittelbare Ergebnisentlastung. Im Hintergrund steht zusätzlich die kurzfristige Marktsignatur vor Zahlen; die Aktie notiert laut Angaben aktuell unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 16,23 Euro und der Abstand zum 52-Wochen-Hoch wird mit -71,15 % beziffert.
Technisch legt Rigetti die Messlatte stärker über meilensteinartige Kennzahlen als über reine Unternehmensstory. Bereits aus dem ersten Quartal 2026 wird ein Umsatz von 4,4 Millionen US-Dollar berichtet, was einer Steigerung von 199 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Damals verfügte das Unternehmen über liquide Mittel in Höhe von 568 Millionen US-Dollar und war schuldenfrei. Solche Bilanzparameter sind für die nächsten Quartale deshalb relevant, weil Quanten-Hardware in der Regel nicht nur F&E-Kosten verursacht, sondern auch Integrations- und Fertigungsaufwand, der sich erst mit einer engeren Kopplung an externe Rechenzentren amortisiert. Für Analysten wird außerdem entscheidend, ob technologische Fortschritte wie verbesserte Gate-Fidelities die langfristige Roadmap plausibilisieren. In der Vorlage werden dabei Fortschritte auf dem Weg zum Meilenstein für 2026 genannt: eine mediane Zwei-Qubit-Gatter-Fidelität von 99,5 % auf dem 108-Qubit-System Cepheus-1.
Der zweite große Treiber ist die geplante Kopplung von Quanten-Computing mit klassischem Hochleistungsrechnen. Am 27. Juli kündigte Rigetti eine Zusammenarbeit mit Hewlett Packard Enterprise (HPE) und dem Pittsburgh Supercomputing Center (PSC) an, deren Ziel die Entwicklung von „TangleLab“ ist. Dieses Vorhaben beschreibt einen hybriden Testbed-Ansatz: Quantencomputer sollen mit klassischem HPC verknüpft werden, damit Workflows nicht nur in Laborumgebungen funktionieren, sondern auch in Rechenzentrums-Umgebungen. Die Finanzierung erfolgt dabei laut Vorlage über einen Zuschuss der National Science Foundation in Höhe von 5 Millionen US-Dollar. Besonders konkret wird der Zeitplan: Rigetti will einen Novera-Quantenprozessor mit 9 Qubits an das PSC liefern, und die Bauarbeiten zur Integration sollen am 1. September beginnen. Für Unternehmen und Forschungsteams ist das mehr als ein Marketingbegriff, weil die praktische Kopplung typischerweise auch Fragen rund um Schnittstellen, Scheduling und Betriebssicherheit adressiert.
Aus Marktsicht fließt in die Bewertung zudem ein, wie stark sich technologische Synergien mit wachsender KI-Infrastruktur heben lassen. Laut Vorlage verwiesen Matt Bryson von Wedbush mit „Outperform“ und John McPeake von Rosenblatt Securities mit „Buy“ jeweils auf ein Kursziel von 40,00 US-Dollar. Der Schwerpunkt lag dabei auf langfristigen Effekten zwischen Quanten-Hardware und der KI-nahe Infrastruktur, was für viele IT-Entscheider vor allem dann Sinn ergibt, wenn hybride Modelle in reale Plattformen überführt werden können. Ergänzend wird in der Vorlage auch eine staatliche Förderabsicht erwähnt: Das US-Handelsministerium habe am 21. Mai eine Absichtserklärung über eine potenzielle Förderung von bis zu 100 Millionen US-Dollar unterzeichnet, um Forschung und Entwicklung zur Skalierung supraleitender Quantencomputer zu beschleunigen. Für die kommenden Monate bedeutet das: Während die Quartalszahlen einen Stimmungsanker liefern, liefern Projekte wie „TangleLab“ das operativ-technische Fundament dafür, dass das Ganze später in wiederholbare Deployments und messbare Nutzung übergehen kann.
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