DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Klöckner & Co meldet für das zweite Quartal 2026 ein operatives Ergebnis (EBITDA) vor wesentlichen Sondereffekten von 63 Mio. EUR. Das liegt klar über dem Vorquartal, bleibt aber unter dem Niveau des Vorjahresquartals. Gleichzeitig läuft der Zusammenschluss mit Worthington Steel weiter: Das Delisting-Erwerbsangebot endet voraussichtlich am 12. August 2026 um 24:00 Uhr. Im Hintergrund belasten die Wertberichtigung der Becker Gruppe sowie Investitionen den freien Cashflow trotz besserer operativer Lage.

Der Halbjahresauftakt wirkt bei Klöckner & Co vor allem operativ besser als die Zahlen der ersten Monate vermuten lassen: Im zweiten Quartal 2026 steigt das EBITDA vor wesentlichen Sondereffekten auf 63 Mio. EUR. Gegenüber dem Vorquartal (Q1 2026: 46 Mio. EUR) ist das ein spürbarer Fortschritt, allerdings bleibt der Wert auch hinter dem Vorjahresquartal zurück (Q2 2025: 65 Mio. EUR). Entscheidend ist dabei weniger die absolute Höhe als die Richtung, denn die Gesellschaft stellt gleichzeitig klar, dass sie die Strukturthemen im Konzern weiter abarbeitet und den strategischen Zusammenschluss mit Worthington Steel in der nächsten Phase „in den Vollzug“ überführt.
Beim Blick auf Umsatz und Volumen zeigt sich ein typisches Muster der Metall- und Service-Center-Branche: Der Absatz lag im zweiten Quartal 2026 bei 1,12 Mio. Tonnen und damit unter dem Vorjahreswert (Q2 2025: 1,16 Mio. Tonnen). Hintergrund ist der Ende 2025 abgeschlossene Verkauf von acht US-Distributionsstandorten, der das Vergleichsbild verzerrt. Bereinigt um diesen Verkauf steigt der Absatz auf Gruppenebene um 3,2 %. Der Umsatz verbessert sich im gleichen Zeitraum auf 1,7 Mrd. EUR (Q2 2025: 1,6 Mrd. EUR) und liegt damit leicht über dem Vorjahreszeitraum; auf verkaufsbereinigter Basis nennt das Unternehmen zudem einen Anstieg von 12,1 %, der nach Logik des Geschäfts vor allem mit dem höheren durchschnittlichen Preisniveau zusammenhängt.
Finanzielle „Schwere“ bleibt jedoch in der Ergebnisrechnung spürbar. Das Konzernergebnis beträgt im zweiten Quartal 2026 -268 Mio. EUR (Q2 2025: 2 Mio. EUR), maßgeblich getrieben durch eine Wertberichtigung der Becker Gruppe. Dadurch verschlechtert sich auch das Ergebnis je Aktie auf -2,70 EUR (Q2 2025: 0,02 EUR). Im ersten Halbjahr summiert sich das EBITDA vor wesentlichen Sondereffekten auf 109 Mio. EUR, doch unter Berücksichtigung wesentlicher Sondereffekte – genannt werden 151 Mio. EUR Wertberichtigung der Becker Gruppe sowie 17 Mio. EUR Transaktionskosten im Zusammenhang mit dem Zusammenschluss mit Worthington Steel – ergibt sich für die ersten sechs Monate ein EBITDA von -67 Mio. EUR. Für Investoren ist diese Trennung zentral: operativ steigt das Geschäft an, buchhalterisch belasten aber Sonderposten weiterhin die Kennzahlen, bis die Restrukturierungsschritte abgeschlossen sind.
Auch die Liquiditätsseite zeigt, dass operative Verbesserungen nicht automatisch sofort in freie Mittel übersetzen. Der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit liegt im zweiten Quartal 2026 bei 10 Mio. EUR, nach 75 Mio. EUR im Vorjahresquartal. Gleichzeitig fallen Netto-Auszahlungen für Investitionen von 3 Mio. EUR an (Q2 2025: 31 Mio. EUR), wodurch der Free Cashflow im zweiten Quartal 2026 bei 7 Mio. EUR liegt (Q2 2025: 44 Mio. EUR). In der Kommunikation werden damit mehrere Hebel sichtbar: geringere Investitionsauszahlungen stützen den Cashflow zwar, gleichzeitig wirken aber offenbar aus dem Working-Capital-Szenario kommende Mittelbindungen. Das ist in der Branche plausibel, weil Preissetzung, Lagerhaltung und Zahlungsziele bei Stahl- und Metallprodukten stark auf Marktnachfrage sowie auf Projekt- und Kundenstruktur reagieren.
Parallel zur operativen Entwicklung läuft der strategische Umbau durch den Zusammenschluss mit Worthington Steel auf konkrete Termine hinaus. Am 3. Juni 2026 wurde das freiwillige öffentliche Übernahmeangebot vollzogen; Worthington Steel hält seither gemäß Stimmrechtsmitteilung rund 62 % der ausstehenden Klöckner & Co-Aktien. Ergänzend wurde im Zuge des Kontrollwechsels ein syndizierter Kredit auf 150 Mio. EUR reduziert und durch ein revolvierendes Gesellschafterdarlehen von Worthington Steel bis zu 200 Mio. EUR ergänzt. Für den nächsten Schritt ist das Delisting-Erwerbsangebot relevant: Die Angebotsunterlage wurde am 15. Juli 2026 veröffentlicht, der Preis liegt bei 11,00 EUR je Aktie. Nach Angaben der Gesellschaft können Angebot und Delisting ohne Vollzugsbedingungen unabhängig von der Annahmequote vollzogen werden; der Antrag auf Widerruf der Börsenzulassung bei der Frankfurter Wertpapierbörse ist am 29. Juli 2026 gestellt worden. Als Annahmefrist nennt Klöckner & Co den 12. August 2026 um 24:00 Uhr (Ortszeit Frankfurt am Main) – damit dürfte das Delisting unmittelbar mit Ablauf der Frist wirksam werden.
Die laufende Veräußerung der Becker Gruppe bleibt in diesem Kontext ein zweiter, paralleler Mechanismus zur Bilanzbereinigung. Das Unternehmen beschreibt, dass der Prozess planmäßig voranschreitet und bereits im Januar 2026 nach Analyse und Bewertung strategischer Optionen kommuniziert wurde, die Einheit zu veräußern, um den Fokus noch stärker auf profitables Wachstum bei höherwertigen Produkten und Services zu legen. Genau diese Ausrichtung spiegelt sich auch im Ausblick: Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Klöckner & Co einen leichten Absatzrückgang, während der Umsatz voraussichtlich leicht steigt – unter anderem getrieben durch das höhere durchschnittliche Preisniveau. Das EBITDA vor wesentlichen Sondereffekten wird auf 170 Mio. EUR bis 250 Mio. EUR konkretisiert, und beim Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit rechnet das Management erneut mit positivem Verlauf, allerdings nun unter dem Vorjahresniveau eingeordnet, weil preisbedingt mit einer höheren Mittelbindung im Net Working Capital zu rechnen sei.
Für den Markt ist dabei weniger entscheidend, ob einzelne Quartalswerte „über“ oder „unter“ dem Vorjahr liegen, sondern wie schnell Sonderlasten aus der Bewertungs- und Transaktionslogik abnehmen und wie stabil sich die operative Marge über die verbleibenden Integrationsthemen zeigt. Mit dem Delisting und dem Vollzug des Übernahmeangebots verschiebt sich zudem der Takt der Unternehmenssteuerung: Nach dem Börsenrückzug dürften Kommunikations- und Berichtsschwerpunkte stärker auf die Umsetzung der Konzernstrategie ausgerichtet werden. In der Praxis bedeutet das: Für Kunden und Lieferketten zählt vor allem die Kontinuität der Service-Center-Leistung, während für Analysten und interne Teams die Frage im Vordergrund steht, wann aus den aktuell noch belastenden Effekten wieder ein sauberer, nachhaltig vergleichbarer Ergebnisverlauf entsteht.
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