DETTINGEN/ERMS / LONDON (IT BOLTWISE) – ElringKlinger hat im zweiten Quartal 2026 den Konzernumsatz auf 478,9 Mio. EUR gesteigert und damit deutlich schneller als die globale Fahrzeugproduktion entwickelt. Besonders stark wächst das E-Mobility-Geschäft um 114 % auf 85,4 Mio. EUR; gleichzeitig verbessert sich die bereinigte EBIT-Marge auf 6,0 %. Der operative Free Cashflow legt auf 51,9 Mio. EUR zu, unter anderem dank einer Optimierung des Net Working Capital. Trotz hoher Volumenhochlaufsituation bestätigt das Unternehmen den Ausblick für 2026.

Das zweite Quartal 2026 zeigt bei ElringKlinger ein Muster, das viele Zulieferer in der Automobilindustrie derzeit nur schwer gleichzeitig hinbekommen: Umsatzwachstum trotz leicht rückläufiger globaler Fahrzeugproduktion und dabei eine spürbare Verbesserung der Profitabilität. Laut den Angaben im Quartalsbericht übertraf der Konzern den Markt um ein Vielfaches, obwohl die Fahrzeugproduktion insgesamt um 0,2 % zurückging. Der Konzernumsatz stieg auf 478,9 Mio. EUR nach 408,3 Mio. EUR im Vorjahresquartal, während positive Wechselkurseffekte in Höhe von 2,1 Mio. EUR unterstützend wirkten.
Technisch und buchhalterisch entscheidend ist, dass ElringKlinger das Wachstum nicht nur auf einzelne Sondereffekte schiebt. Organisch, also bereinigt um Währungs- und M&A-Effekte, erhöhte sich der Umsatz im zweiten Quartal um 74,8 Mio. EUR bzw. 18,6 %. Als konkrete Wachstumstreiber nennt das Unternehmen vor allem den Hochlauf volumenstarker E-Mobility-Serienprojekte sowie hochlaufbezogene Einmaleffekte im Umsatz von 28,1 Mio. EUR. Für das Vorjahresquartal werden M&A-Effekte aus der Einbindung der britischen Tochtergesellschaft hofer powertrain products UK Ltd., Solihull, mit 6,3 Mio. EUR berücksichtigt; die aktuelle Lage resultiert damit aus einer realen operativen Dynamik plus klar abgegrenzter Einflüsse aus der Konzernstruktur.
Die Zahlen zur Profitabilität unterstreichen den Anspruch, nicht nur zu skalieren, sondern dabei Marge und Ertragskraft auszubauen. Das bereinigte EBIT wuchs auf 28,9 Mio. EUR (Q2 2025: 24,2 Mio. EUR), die bereinigte EBIT-Marge stieg auf 6,0 % gegenüber 5,9 %. Gleichzeitig betrachtet das Unternehmen die Entwicklung im Kontext des E-Mobility-Hochlaufs: Dort gab es im zweiten Quartal weiterhin Anlaufbelastungen, dennoch gelang der Sprung von 8,1 Mio. EUR bereinigtem EBIT im aktuellen Quartal gegenüber einem negativen Vorjahreswert von -8,0 Mio. EUR (mit M&A-Effekten). Auch im ersten Halbjahr liegt die bereinigte Marge mit 6,4 % auf Kurs, trotz E-Mobility-Anlaufverluste von 24,1 Mio. EUR.
Wachstum und Profitabilität laufen bei ElringKlinger vor allem über die Segmentlogik zusammen. Das Segment Erstausrüstung steigerte den Umsatz im zweiten Quartal auf 339,5 Mio. EUR (Q2 2025: 276,9 Mio. EUR); der Fokus liegt dabei auf dem Hochlauf volumenträchtiger Serienprojekte im E-Mobility-Geschäftsfeld. Entsprechend dynamisch fällt die Entwicklung der E-Mobility-Umsatzerlöse aus: 85,4 Mio. EUR, was einem Plus von 45,4 Mio. EUR beziehungsweise 114 % gegenüber 40,0 Mio. EUR im Vorjahr entspricht. Berücksichtigt man die M&A-Effekte in der Vorjahresbasis, beläuft sich das Wachstum sogar auf 51,7 Mio. EUR oder 153 %, und der Anteil von E-Mobility am Konzernumsatz steigt laut Bericht auf 18 %. Daneben entwickeln sich auch die weiteren Geschäftsbereiche: Im Ersatzteilgeschäft kletterte der Umsatz auf 102,3 Mio. EUR, getragen von allen wesentlichen Vertriebsregionen, bei einer bereinigten EBIT-Marge von 19,8 % (nach 18,7 %). Das Segment Kunststofftechnik erzielte 36,8 Mio. EUR Umsatz trotz eines weiterhin herausfordernden konjunkturellen Umfelds; dort verbesserte sich die bereinigte EBIT-Marge auf 11,4 % (von 8,8 %), gestützt durch ein diversifiziertes Branchenportfolio und konsequentes Kostenmanagement.
Für den Blick nach vorn ist zudem die Kapitalbindung relevant, weil sie in Hochlaufphasen schnell zum Engpass wird. ElringKlinger berichtet im zweiten Quartal 2026 einen operativen Free Cashflow von 51,9 Mio. EUR nach 23,8 Mio. EUR im Vorjahr. Treiber ist neben der höheren Ertragskraft insbesondere die Optimierung des Net Working Capitals: Die NWC-Quote fiel auf 20,2 % des Konzernumsatzes (30.06.2025: 25,2 %), während das Net Working Capital zum 30. Juni 2026 bei 346,6 Mio. EUR lag. Unverändert bleibt dabei der strukturelle Charakter des Geschäfts, denn die Nettofinanzverbindlichkeiten stiegen auf 374,1 Mio. EUR (31.12.2025: 287,2 Mio. EUR), konnten aber gegenüber dem Vorquartal (31.03.2026: 413,2 Mio. EUR) erkennbar reduziert werden. Gleichzeitig verbessert sich die bereinigte Nettoverschuldungsquote auf 1,9 (30.06.2025: 2,1), und der bereinigte ROCE steigt auf 9,4 % (von 6,7 %).
Bemerkenswert ist auch, wie das Unternehmen die operative Steuerung in ein laufendes Transformationsprogramm übersetzt. Mit SHAPE2EMPOWER treibt ElringKlinger die organisatorische Transformation konsequent voran und richtet den Konzern stärker auf Kundennähe, Handlungsschnelligkeit und Effizienz aus. Ergänzend wirkt STREAMLINE als Effizienzprogramm, das entlang der Konzernstrategie SHAPE30 die operative Exzellenz stärken soll. Für die Markt- und Ergebnisplanung ist das Timing relevant: In einem Umfeld aus geopolitischen Spannungen und handelspolitischen Unsicherheiten erwartet das Unternehmen weiterhin leichtes organisches Umsatzwachstum, eine bereinigte EBIT-Marge von rund 6 bis 7 % sowie einen leicht positiven operativen Free Cashflow. Beim bereinigten ROCE peilt ElringKlinger weiterhin etwa 8 bis 9 % an; damit bleibt der Ausblick trotz Hochlaufvolumen und Einmaleffekten stabil.
Aus Branchenperspektive ist das vor allem deshalb interessant, weil Zulieferer im E-Mobility-Umfeld häufig gleichzeitig mit Serienanlaufkosten, Kapitalbindung und verschobenen Produktionszyklen ringen müssen. ElringKlingers Bericht zeigt, dass die Kombination aus organischem Umsatzwachstum, steigender bereinigter Marge und dem wieder besseren operativen Free Cashflow funktioniert – zumindest im betrachteten Quartal. Für Entscheider in Automobilzulieferketten heißt das: Der Hochlauf ist nicht nur ein Umsatzthema, sondern ein End-to-End-Thema entlang von Working-Capital-Logik, Produktionsrhythmus und Kostensteuerung. Ob die Dynamik im Jahresverlauf ebenso tragfähig bleibt, hängt dann weniger an einzelnen Zahlenwerten als an der Fähigkeit, den Serienanlauf in profitables, wiederholbares Geschäft zu überführen.
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