LONDON (IT BOLTWISE) – XRP-ETFs haben seit dem Start rund 1,39 Milliarden US-Dollar Zuflüsse eingesammelt und damit knapp 270 Millionen US-Dollar mehr als die konkurrierenden Solana-Produkte. Trotz besserer Kursentwicklung von Solana fließt ETF-Kapital aktuell in die andere Richtung. Marktanalyst Sam Daodu sieht den Unterschied vor allem in der Regulierung, nicht in der Technik. Entscheidend könnte nun sein, ob der CLARITY Act die nötigen Klarheiten für Verwahrung und Bilanzbehandlung schafft.

Seit dem Launch im November 2025 ziehen XRP-ETFs messbar mehr Kapital an als Solana-Produkte: Laut einer Marktaufschlüsselung summieren sich die kumulierten Zuflüsse bei XRP auf etwa 1,39 Milliarden US-Dollar, während Solana-Fonds, die rund einen Monat früher gestartet sind, auf 1,12 Milliarden US-Dollar kommen. Die Differenz von ungefähr 270 Millionen US-Dollar bleibt dabei auch dann sichtbar, wenn man den Blick von den Zahlen auf den Kurs richtet: Solana hat in großen Teilen des Jahres eine stärkere Token-Performance gezeigt, während XRP zeitweise deutlich von seinen Sommerhochs abgerutscht ist. Genau diese zeitliche Entkopplung von Kurswirkung und ETF-Kapitalfluss wird in der aktuellen Analyse zum zentralen Signal erklärt.
In den Monatsschnitten wird die Asymmetrie noch konkreter. XRP meldete im April Zuflüsse in Höhe von 81,6 Millionen US-Dollar und konnte dabei in der Bilanz mehrere positive Tage am Stück verbuchen, darunter eine 14-tägige Serie mit Nettozuflüssen. Year-to-date lagen die XRP-Zuflüsse bis Ende April bei etwa 124 Millionen US-Dollar. Solana erreichte im gleichen Zeitraum rund 38,69 Millionen US-Dollar und blieb damit unterhalb der Hälfte der XRP-Zahl. Auffällig ist zudem der Kurs- und Zuflusskontext: Die Solana-Monatszuflüsse waren im November 2025 von 419 Millionen US-Dollar stark gefallen, was die späteren Volumenrelationen zwischen beiden ETF-Routen weiter geprägt haben dürfte.
Auch der Blick auf die kurzfristige Dynamik zeigt, dass sich der Wettbewerb zwar zuspitzt, aber nicht automatisch dreht. Für Mai werden bislang 19 Handelstage gegenübergestellt: Solana zieht in dieser Phase mehr als 99 Millionen US-Dollar an, während XRP mit rund 95 Millionen US-Dollar knapp dahinterliegt. Damit verschiebt sich das Bild von einem klaren Vorsprung hin zu einem deutlich engeren Rennen, ohne dass der grundlegende Kapitaltrend innerhalb des ETF-Kontexts bereits umkehrt. Für institutionelle Marktteilnehmer ist das relevant, weil ETF-Zuflüsse nicht nur kurzfristige Trading-Laune abbilden, sondern auch indirekt die Bereitschaft signalisieren, ein Asset in standardisierte Anlageprozesse zu übernehmen.
Die wichtigste Einordnung liefert dabei Sam Daodu: Der Unterschied sei strukturell eher regulatorisch als technisch begründet. Der CLARITY Act soll definierte Regeln für die Verwahrung von XRP vorsehen, zudem für die Behandlung von Sicherheiten und für die Exposure in der Bilanz. Solche klaren Vorlagen sind nach dieser Logik die Art von „Compliance-Gerüst“, das insbesondere für Pensionsfonds und regulierte Asset-Manager als Voraussetzung gilt, um Kapital in größerem Maßstab überhaupt erst aufnehmen zu können. Auf der anderen Seite positioniert Daodu das Solana-Thema anders: Mit einem Upgrade namens Alpenglow wird auf eine technische Zielmarke bei der Transaktionsfinalität gesetzt – weniger auf juristische Klarheit, mehr auf Durchsatz und Geschwindigkeit. Schnelleres Settlement ist demnach für Entwickler und Trader wertvoll, löst aber nicht automatisch die regulatorischen Hürden, die bestimmte Investorenklassen bei der Einstufung und Verwahrlogik benötigen.
Dass die Regulierung nun konkret „durch die Institution“ läuft, zeigt die politische Etappe: Der Senatsausschuss für Banking brachte den CLARITY Act laut Angabe in einer 15-9-Abstimmung voran. Das bewegte XRP kurzfristig über 1,50 US-Dollar; anschließend setzten Verkäufer erneut am Bereich um 1,45 US-Dollar an. Beim aktuellen Marktbild steht XRP bei rund 1,37 US-Dollar, was einem Wochenminus von 3,8% entspricht; Solana notiert nahe 86 US-Dollar nach einem wöchentlichen Rückgang von 6%. Bemerkenswert ist außerdem der technische Charakter der jüngsten Preisphase: XRP verzeichnete fünf aufeinanderfolgende bearish sessions, und der Bereich um 1,36 wird nun als Widerstand gelesen. Damit bleibt die Frage offen, ob der politische Prozess – falls er im Verlauf des gesamten Gesetzgebungsverfahrens vorankommt – wirklich die Art von nachhaltigem Breakout auslöst, den reine ETF-Zuflüsse bislang noch nicht vollständig herbei geführt haben.
Für die Markterwartungen liefert Standard Chartered eine spürbar ambitionierte Spannweite: Falls der Gesetzesentwurf tatsächlich Gesetz wird, erwartet die Bank demnach 4 bis 8 Milliarden US-Dollar an XRP-ETF-Zuflüssen bis zum Jahresende – also mehrere Male über dem aktuellen kumulierten Niveau. Schon an diesem Punkt wird deutlich, warum Anleger und Unternehmen das Thema nicht nur als Kursthema lesen: Eine gesetzliche Klarstellung kann für Anbieter und Intermediäre den Unterschied zwischen „machbar im Ausnahmefall“ und „skalierbar im Standardprozess“ bedeuten. Gleichzeitig zeigt der Verlauf der letzten Monate, dass bessere technische Roadmaps allein ETF-Kapitalströme nicht automatisch in die gleiche Richtung drehen. Entscheidend wird daher sein, ob die regulatorische Definition rund um Verwahrung, Sicherheitenlogik und bilanzielle Behandlung die institutionelle Risikofreigabe so weit erleichtert, dass das derzeit eng getaktete Konkurrenzrennen zwischen XRP- und Solana-ETFs nicht nur kurzfristig, sondern längerfristig mitziehen kann.
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