LONDON (IT BOLTWISE) – XRP hat sein Allzeithoch von 3,84 US-Dollar vom 4. Januar 2018 bis heute nicht wieder erreicht. Obwohl Ripple in den USA inzwischen regulatorisch weitgehend geklärt ist, handelt der Token aktuell bei rund 1,07 US-Dollar und liegt damit etwa 72% unter dem damaligen Niveau. Der Kernpunkt: Der XRP-Preis wird vor allem von Angebot, Liquidität und der Frage gebremst, ob Ripple-Wachstum realen Bedarf am Token auslöst. Gleichzeitig spielt RLUSD als stabiler Abwicklungsbaustein in den Geschäftsmodellen eine immer größere Rolle.

Rund um Krypto gilt oft ein simpler Vergleich: Wenn Bitcoin und Ethereum neue Hochs markieren, müsste „der Markt“ eigentlich auch andere große Tokens nachziehen lassen. Genau dieses Bild passt bei XRP derzeit nicht. Der Token liegt bei etwa 1,07 US-Dollar und damit rund 72% unter seinem Allzeithoch von 3,84 US-Dollar vom 4. Januar 2018. Ripple dagegen hat in den letzten Jahren deutlich sichtbarer den Aufbau eines regulierten Finanzgeschäfts betrieben – inklusive einer US-amerikanischen „national trust bank“-Struktur als Rahmen für Rücklagen rund um RLUSD. Trotzdem bleibt die Kursentwicklung hinter dem zurück, was viele Anleger nach der Wiederzulassung an US-Börsen und der späteren Schließung des SEC-Verfahrens erwartet haben.
Um den Abstand zu verstehen, hilft zunächst ein Blick auf die Mechanik, die bei Bitcoin und Ethereum häufig als „Preistreiber“ interpretiert wird: Angebotsverknappung und der Weg, wie Nachfrage in steigende Preise übersetzt wird. Bitcoin halbiert alle vier Jahre die Mining-Auszahlung und damit die Rate neuer Coins. In der Folge entstehen zyklisch Phasen, in denen das Angebot langsamer wächst, während die Nachfrage aus dem Markt weiter zieht. Der Kursverlauf, so wie er in der Quelle skizziert wird, zeigt dieses Muster: Nach den Halvings folgten mehrfach Hochpunkte – etwa 2013, 2017, 2021 und zuletzt im Jahr 2025. Ethereum folgt dagegen nicht dem Halving-Mechanismus; stattdessen können Nutzer Coins staken, wodurch Liquidität gebunden wird, und zudem wird ein Teil von Transaktionsgebühren „zerstört“, was das effektive Angebotswachstum zusätzlich beeinflussen kann.
XRP läuft hier anders – und zwar auf mehreren Ebenen zugleich. XRP startete laut Zeitleiste bereits im Februar 2013 bei etwa „sechs Zehntel Cent“ und blieb lange unter einem Cent. Das änderte sich dann stark in der Retail-getriebenen Phase bis 2017: Innerhalb von zwölf Monaten stieg XRP um mehr als 50.000% und übertraf 3,00 US-Dollar bis Dezember. Der damalige Boom gipfelte im Januar 2018 im ATH von 3,84 US-Dollar, als XRP kurzzeitig sogar als zweitgrößte Kryptowährung galt. Danach kamen jedoch zwei bremsende Faktoren zusammen: eine lange Seitwärtsphase (2018 bis 2020 zwischen etwa 0,20 und 0,50 US-Dollar) sowie der rechtliche Druck. Laut SEC soll XRP in den USA als nicht registriertes Wertpapier gehandelt worden sein; infolgedessen wurden Börsenlistings entfernt und der Kurs fiel innerhalb von rund zwei Wochen von etwa 0,70 auf etwa 0,20 US-Dollar. Später, als eine gerichtliche Entscheidung im Juli 2023 festhielt, dass XRP-Verkäufe an Börsen nicht als Wertpapiergeschäft zu qualifizieren sind, erfolgte die Wiederzulassung; der Kurs konnte sich bis 2021 wieder auf rund 1,96 US-Dollar erholen, blieb aber dennoch strukturell unter dem Niveau von 2018.
Der wichtigste Grund für den „zu kurzen“ Weg zurück zum ATH liegt aus Sicht der Quelle im Verhältnis von Preis zu verfügbarer Menge. 2018 gingen rund 34 Milliarden XRP im Umlauf; bei 3,84 US-Dollar ergab das eine Marktbewertung von etwa 130 Milliarden US-Dollar. Heute seien es etwa 63 Milliarden XRP, also mehr als die doppelte Umlaufmenge. Um bei gleichem Kurs erneut 3,84 US-Dollar zu erreichen, müsste die Marktkapitalisierung auf grob 242 Milliarden US-Dollar steigen. Das ist nicht unmöglich, aber es macht die Hürde höher: Selbst wenn die Nachfrage „spürbar“ steigt, muss sie bei größerem Angebot zusätzlich stärker wirken, um denselben Preispunkt zu erreichen. Dazu kommt: Ripple gibt laut Quelle monatlich bis zu eine Milliarde XRP aus einem Escrow frei, sperrt jedoch den Großteil direkt wieder. Selbst wenn nur ein kleiner Teil tatsächlich in den Markt gelangt, bleibt das strukturelle Angebot höher als in der Zeit, in der das ATH erreicht wurde.
Dass Ripple-Wachstum nicht automatisch zu einem XRP-Preisschub führt, hat wiederum eine Geschäftslogik-Komponente. XRP gibt laut Quelle Anlegern keine direkte Beteiligung an Ripple, weil die Firma privat ist und ihre Gewinne nicht als Token-Dividende „auf den Preis durchschlagen“, sondern zunächst in der Kapitalstruktur des Unternehmens liegen. Entscheidend ist daher, ob Ripples Aktivitäten realen Bedarf an XRP erzeugen. Stattdessen werden viele Wertschöpfungsketten über RLUSD aufgebaut: Der stabilisierte Dollar-Token, der Trades aus Sicht der Quelle abwickelt, während XRP eher die Rolle einer Netzwerkgebühr (0,00001 XRP pro Transaktion) übernimmt. In den beschriebenen Beispielen – vom Prime-Brokerage-Arm über Treasury-Plattformen bis hin zu Custody- und Zahlungs-Rails – entstehen Erträge überwiegend in USD. RLUSD dient dabei als „Durchlauf“-Asset; XRP bleibt eher Nebenkosten-Mechanik. Solange institutionelle Anwendungen ihren Volatilitäts- und Abwicklungsbedarf bevorzugt über einen Dollar-Stablecoin lösen, ist das Preisbildungsmodell für XRP weniger direkt.
Dennoch nennt die Quelle zwei konkrete Hebel, die XRP wieder näher an 3,84 US-Dollar bringen könnten – einmal über Marktkapitalzufluss, einmal über Angebotsbindung. Erstens: Wenn sich ungefähr 242 Milliarden US-Dollar in XRP „einpreisen“, könnte der alte Preispunkt wieder erreichbar werden. Zweitens: Wenn XRP stärker als bisher aus dem frei handelbaren Markt gebunden würde. Hier wird unter anderem das Lending-Protokoll des XRP Ledger als potenzieller Startpunkt erwähnt: Es würde Token-Inhaber erlauben, XRP in Vaults zu sperren, um damit festverzinsliche Kredite zu finanzieren. Allerdings war demnach seit Januar auf validator-level noch nicht die nötige Breite erreicht; erst ein ausreichender Anteil der vertrauenswürdigen Validatoren müsste mitziehen. Die andere große Verschiebung wäre, dass XRP RLUSD als Settlement-Asset in Ripple-Tokenisierungs- und Fondsprozessen ablöst. Genau dort liegt jedoch das Spannungsfeld: Ripple habe RLUSD gewählt, weil Institutionen nicht in einem volatilen Asset abwickeln wollen. Solange ein echtes „Stabilitätsargument“ nicht entsteht – etwa durch ausreichend viel Sperrvolumen in XRP – bleibt die direkte Preiswirkung begrenzt. Dass der Token seit dem Starttempo trotzdem stark gewachsen ist, wird ebenfalls erwähnt: Von etwa „sechs Zehntel Cent“ bis heute ist der Kurs grob um 18.000% gestiegen, nur eben weitgehend vor 2018.
Für Unternehmen, die sich mit Tokenisierung und der Einbindung von Krypto-Infrastruktur beschäftigen, ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: Nicht allein die rechtliche Klärung entscheidet über Kursfantasie, sondern die technische und wirtschaftliche Kopplung zwischen einem Asset und den Cashflows im jeweiligen Use Case. Ripple zeigt mit RLUSD, wie stark der Abwicklungsbedarf Richtung stabile Werte tendiert. XRP bleibt damit im Kern ein Netzwerk-Asset, dessen Wertversprechen erst dann „voll“ monetarisiert, wenn mehr Prozesse XRP als zentralen Bestandteil verlangen oder wenn genügend Liquidität im Markt dauerhaft gebunden wird. Für die nächsten Schritte lohnt deshalb weniger die Frage „Wann kommen die großen Käufer zurück?“, sondern vielmehr: Welche Protokolle ermöglichen echte Bindung, und welche Settlement-Entscheidungen skalieren auf der institutionellen Seite so, dass Nachfrage nach XRP messbar wird.
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