ERBIL / LONDON (IT BOLTWISE) – Teheran will nach Angaben des Außenministeriums seine Militäroperationen gegen „illegale US-Aggression“ fortsetzen. Der Vorwurf lautet, die USA verletzten das Friedensabkommen vom 18. Juni unter anderem durch eine angebliche Seeblockade, Angriffe innerhalb Irans und wachsenden wirtschaftlichen Druck. Als Auslöser nennt die Regierung Ereignisse um den 8. Juli in der Straße von Hormus. Gleichzeitig richtet sich Teheran mit einem Appell an Staaten der Region, keine logistische Unterstützung für US-Einsätze zuzulassen.

Iran kündigt weitere Militärschläge an und wirft den USA Bruch des Friedensabkommens vor
Iran kündigt weitere Militärschläge an und wirft den USA Bruch des Friedensabkommens vor (Foto: IT BOLTWISE)
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Iran hat die Eskalation im Konflikt mit den USA im Ton einer staatlichen Grundsatzansage fortgesetzt: Das Außenministerium in Teheran erklärte, man werde militärische Aktivitäten gegen das beschreiben, was es als „illegale Aggression“ der USA einordnet, und dabei zugleich den eigenen Anspruch auf Selbstverteidigung betonen. In einer ausführlichen Stellungnahme verwies die Behörde darauf, dass die „defensiven Schläge“ der iranischen Streitkräfte mit voller Wirkung fortgeführt würden. Damit positioniert sich Teheran nicht nur gegen einzelne Operationen, sondern stellt die argumentative Deutungshoheit über den Charakter der Gewalt in den Mittelpunkt: als Abwehr statt als Angriff.

Im Zentrum steht dabei der Vorwurf, Washington verletze das am 18. Juni geschlossene Friedensabkommen. Das Außenministerium behauptet, die USA unterhielten eine Seeblockade iranischer Häfen und des kommerziellen Schiffsverkehrs, führten Angriffe „innerhalb Irans“ durch und erhöhten zugleich den wirtschaftlichen Druck. Ergänzend nennt Teheran „unrechtmäßige Drohungen“ als Teil der Eskalationsdynamik. Auch die internationale Einordnung rückt die Regierung stark in den Fokus: Die Blockade und die US-Militärpräsenz seien nach iranischer Lesart Akte von Aggression im Sinne des Völkerrechts und verstießen gegen die UN-Charta.

Die Stellungnahme geht außerdem auf konkrete Zeitpunkte und maritime Details ein. Teheran widerspricht US-Begründungen und erklärt, die jüngste Phase der militärischen Operationen habe am 8. Juli begonnen – unter dem Vorwand, man reagiere auf Vorfälle mit drei Handelsschiffen in der Straße von Hormus. Den Angaben zufolge seien diese Ereignisse erfunden; Teheran sieht darin einen Deckmantel, um das Friedensabkommen zu brechen und die eigene Autorität über den strategischen Wasserweg herauszufordern. Zusätzlich erhebt die Regierung den Vorwurf, US-Schiffe hätten Handelsfrachter als Tarnung genutzt, und sie hätten Schiffe gezielt durch einen „nicht autorisierten“ südlichen Navigationskorridor geleitet.

Auch auf den operativen Modus der US-Seestreitkräfte versucht Teheran ein Bild zu setzen: Das Ministerium nennt einen Übergang einer Fregatte des US Central Command über die umstrittene Route und verknüpft dies mit der Passage unter dem „Schutz“ eines LNG-Carrier (Liquefied Natural Gas). In der iranischen Darstellung ist das ein Indiz dafür, dass Washington das Abkommen ausnutzen wolle, um vorbereitende Schritte für „feindliche“ militärische Operationen gegen Iran zu ermöglichen. Damit wird das Friedensabkommen nicht als Schutzmechanismus, sondern als potenzielles taktisches Instrument im Narrativ der iranischen Seite dargestellt – ein Unterschied, der für Verhandlungen relevant ist, weil sich dadurch die Frage nach Durchsetzbarkeit und Vertrauensbildung verschiebt.

Parallel übt Teheran Kritik an internationalen Akteuren, insbesondere an den Mechanismen der Vereinten Nationen. Das Außenministerium macht dem Sicherheitsrat Vorwürfe, er habe nicht gegen die USA reagiert, obwohl die Handlungen der vergangenen 15 Monate nach iranischer Darstellung Bedrohungen des internationalen Friedens, Verstöße gegen die internationale Sicherheit und Aggressionen darstellten. Ebenso wird UN-Generalsekretär António Guterres wegen einer als unzureichend beschriebenen Antwort kritisiert. Für die Region bedeutet das: Wenn Teheran die Wahrscheinlichkeit wirksamer multilateral gestützter Sanktionierung gering einschätzt, steigt tendenziell der Anreiz, Handlungsspielräume über direkte militärische und diplomatische Kanäle auszureizen.

Auf Staaten in der Region zielt die Stellungnahme mit einer klaren Warnung. Teheran verurteilt Länder, die nach seiner Darstellung US-Operationen unterstützen – etwa durch Bereitstellung von Territorium oder logistischem Rückhalt – und betont zugleich den Anspruch, freundschaftliche Beziehungen zu den Nachbarstaaten im Golfraum zu verfolgen. In einem gesonderten Appell fordert das Außenministerium regionale Regierungen auf, nicht zuzulassen, dass Einrichtungen oder das eigene Territorium für Einsätze gegen Iran genutzt werden. Gleichzeitig versucht Teheran, die eigene Vergeltungslogik einzuhegen: Die als „Vergeltung“ beschriebenen Schläge sollten nur die Quellen der US-Angriffe treffen und nicht als Aggression gegen Nachbarländer verstanden werden.

Zum Schluss verknüpft die Regierung das aktuelle Eskalationsnarrativ mit einer längerfristigen innen- und außenpolitischen Mobilisierung. Teheran erneuert seine Verpflichtung zu einer „autoritativen Verteidigung“ unter der Führung von Ayatollah Seyed Mojtaba Khamenei und kündigt an, man werde auf die Kombination aus Streitkräften, Diplomatie und öffentlicher Unterstützung setzen. In der Wortwahl wird der Gegner als „amerikanisch-zionistische Koalition“ gerahmt; zugleich stellt Iran die militärische Kampagne als Schutz der eigenen Souveränität und der Prinzipien des Völkerrechts dar. Für Entscheidungsträger außerhalb der Region ist vor allem die Gemengelage entscheidend: Der Konflikt bleibt laut iranischer Darstellung nicht nur eine Frage einzelner Vorfälle, sondern betrifft auch Handelsschifffahrt, regionale Unterstützungssysteme und die Frage, ob und wie ein erneutes Abkommen die maritimen Aktivitäten tatsächlich begrenzen kann.


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