LONDON (IT BOLTWISE) – Die Heizungsindustrie hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr Geräte verkauft: insgesamt rund 352.000 Wärmeerzeuger. Wärmepumpen legten dabei besonders stark zu und erreichten 194.500 verkaufte Einheiten. Gasheizungen bleiben zwar mit 134.000 Verkäufen präsent, der Bedarf verschiebt sich aber spürbar. Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie rechnet für 2026 insgesamt mit rund 700.000 Anlagen und fordert vor allem langfristige Planbarkeit.

Die Zahlen zur Heizungsindustrie im ersten Halbjahr 2026 zeichnen ein klares Bild: Der Markt kommt wieder in Bewegung, und zwar nicht nur, weil grundsätzlich wieder mehr ersetzt wird. Von Januar bis Juni wurden laut Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) insgesamt rund 352.000 Geräte verkauft – das entspricht einem Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auffällig ist dabei die Dynamik bei den Technologien, denn während Gasheizungen weiterhin auf hohem Niveau bleiben, verschiebt sich die Nachfrage spürbar Richtung Wärmepumpen.
Technisch betrachtet ist die Wärmepumpe deshalb so relevant, weil sie die Wärmeversorgung im Kern anders organisiert als klassische Systeme mit Verbrennung. Ein zentraler Grund für die wachsende Nachfrage zeigt sich in der Verteilung der Verkäufe: Wärmepumpen kamen auf 194.500 verkaufte Geräte. Damit war diese Geräteklasse die mit Abstand größte Nachfragekategorie. Gasheizungen folgten auf 134.000 Verkäufe – ihr Absatz bleibt damit zwar stabil (plus ein Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025), aber die Wachstumsraten sprechen eine andere Sprache. Entscheidend ist außerdem, dass Wärmepumpen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 40 Prozent zulegten, während Gasheizungen im Wesentlichen nur „mitlaufen“.
Neben den Wachstumszahlen lohnt auch der Blick auf das, was weniger nachgefragt wurde. Geräte, die mit Biomasse betrieben werden, kamen auf 14.500 Stück; hier blieb die Entwicklung weitgehend stabil. Bei Ölheizungen dagegen sank der Absatz um elf Prozent auf 9.500 Stüde. Diese Gegenläufigkeit ist für die Praxis nicht nur statistisch: Wer aktuell im Gebäudebestand modernisiert, steht oft vor einer zeitkritischen Entscheidung zwischen unterschiedlichen Systempfaden. Die Marktwerte deuten darauf hin, dass viele Eigentümerinnen und Eigentümer offenbar eher in Richtung Elektrifizierung der Wärmeversorgung planen – oder zumindest stärker bereit sind, diese Option in die Projektierung aufzunehmen.
Der BDH betont zugleich, dass das Wachstum zwar „positive Signale“ setze, das Marktvolumen aber weiterhin unter dem Niveau früherer Jahre liege. Als Vergleich nennt der Verband für das erste Halbjahr 2023 insgesamt 667.500 abgesetzte Geräte, wobei mehr als die Hälfte davon Gasheizungen waren. Genau hier entsteht ein Spannungsfeld: Einerseits zeigt die heutige Struktur, dass Wärmepumpen sichtbar an Bedeutung gewinnen. Andererseits bleibt die absolute Marktdimension hinter früheren Spitzen zurück, was im Umfeld von Lieferketten, Handwerkskapazitäten und Projektlaufzeiten spürbar werden kann. Für das gesamte Jahr rechnet der Verband nun mit dem Verkauf von rund 700.000 Heizungsanlagen; vergangenes Jahr lag der Absatz bei 627.000 Geräten – damit auf dem niedrigsten Stand seit 15 Jahren. Innerhalb dieses Rückgangs lag der Anteil der Wärmepumpen 2025 bei 299.000.
Damit die Modernisierung im Gebäudebestand dauerhaft skaliert, reicht die reine Technologiebegeisterung jedoch nicht. Der BDH macht deshalb vor allem Rahmenbedingungen zum Thema: Rund vier Millionen Heizungen seien älter als 30 Jahre. Zusätzlich entspreche ein großer Teil des Bestands nicht dem Stand der Technik: 40 Prozent der 21,5 Millionen Heizungen seien veraltet. Aus Markt- und Betriebslogik folgt daraus ein Investitionsbedarf, der sich in Wellen zeigt. Wenn sich die Regeln für Förderung, Anforderungen und Umstellung im Zeitverlauf stark ändern, verschiebt sich häufig die Projektentscheidung – weil Planungssicherheit fehlt. Der Verband fordert daher langfristige Planbarkeit und formuliert es bewusst als „Leitplanken“, die nicht mit jeder Wahlperiode neu verhandelt werden sollen.
Welche Umsetzungspfade dabei konkret greifen könnten, hängt auch an den politischen Leitlinien, die der BDH bereits nennt: Mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) und der angepassten Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) sieht der Verband klare Rahmen geschaffen. Im Kern geht es um zwei Effekte: Erstens sollen Eigentümerinnen und Eigentümer dauerhaft wissen, welche Anforderungen gelten, und zweitens sollen sie verlässlich einschätzen können, welche Förderung sie erwarten können. Genau diese Investitionssicherheit ist in der Praxis oft der Unterschied zwischen „wir prüfen“ und „wir beauftragen“. Wenn das Vertrauen in Modernisierungsvorhaben steigt, verkürzt sich tendenziell auch die Zeit zwischen Bedarfserkennung, Auslegung und tatsächlichem Austausch. Für den Markt wäre das unmittelbar relevant, weil im Wärmepumpenumfeld Projektierung, Hydraulik- und Heizlastberechnungen sowie die passende Systemintegration in Bestandsgebäude über die Qualität des Ergebnisses entscheiden – und damit auch darüber, ob Folgeaufträge entstehen.
Für Entscheiderinnen und Entscheider in Energie- und Immobilienwirtschaft bedeutet das: Der aktuelle Absatzschub ist ein Signal, dass Wärmepumpen nicht nur als Nischenlösung betrachtet werden, sondern in die Breite rücken. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung, das Tempo der Modernisierung so zu erhöhen, dass Klimaziele nicht ausschließlich über einzelne Förderfenster erreicht werden müssen. Wenn die Politik die genannten Leitplanken stabil hält und die Förderung planbar bleibt, kann der Markt seine Kapazitäten besser koordinieren – von der Beratung über die Auslegung bis zur Installation. Für Unternehmen in der Lieferkette und im Serviceumfeld ist das ein Vorteil, weil sich Investitionsentscheidungen in Personal, Lagerlogistik und Montageplanung eher an einer verlässlichen Nachfragekurve ausrichten lassen. Und genau darauf zielt der BDH mit seiner Forderung nach verlässlichen Rahmenbedingungen ab.
Im Hintergrund bleibt dabei jedoch eine technologische Konstante: Wärmepumpen funktionieren besonders effizient, wenn die Wärmeabgabe im Gebäude und die Systemauslegung zusammenpassen. Das heißt, in vielen Fällen entscheidet nicht allein der Pumpentyp, sondern auch die Einbindung in Heizkreise, die Dämmqualität und die Planung für Jahresarbeitszahl und Betriebsmodi. Der Markttrend liefert damit auch die Basis dafür, dass sich Know-how im Handwerk und in den Planungsbüros weiter verfestigt. Gleichzeitig werden Wärmepumpen in den nächsten Jahren zunehmend mit steigenden Anforderungen an Qualifikation und Prozesssicherheit verknüpft sein – weil die Anzahl der Projekte wächst. So wird aus dem Absatzplus am Ende nicht nur ein Statistikwert, sondern ein realer Schritt Richtung effizienterer Wärmeversorgung im Gebäudebestand.
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