DORTMUND / LONDON (IT BOLTWISE) – Der IT-Dienstleister adesso übernimmt den Schaden-KI-Spezialisten omni: us und baut damit sein KI-Portfolio für Versicherer aus. Die cloudfähige in|sure Ecosphere wird um eine automatisierte, KI-gestützte Schadenbearbeitung erweitert. Im Mittelpunkt steht die Stärkung des agentic Layer, der einfache Fälle vollautomatisiert bearbeitet und bei komplexen Entscheidungen unterstützt. Erwartet werden Effizienzsprünge und bessere Schaden-Kosten-Quote, während omni: us als eigenständige Marke nach Abschluss der Transaktion fortgeführt wird.

Die Übernahme von omni: us durch adesso ist auf den ersten Blick eine klassische Firmenintegration – technisch betrachtet geht es aber um eine sehr konkrete Frage: Wie bekommt man KI aus dem PoC in die operative Schadenbearbeitung einer Versicherung, ohne dass dort zusätzliche Medienbrüche entstehen. In der Mitteilung heißt es, dass die bewährte, cloudfähige Plattform in|sure Ecosphere um eine automatisierte, KI-gestützte Schadenbearbeitung ergänzt wird. Der entscheidende Hebel ist dabei der agentic Layer der Plattform: Er soll einfache Schadenfälle vollautomatisiert abwickeln und zugleich bei komplexeren Entscheidungen eine Unterstützung bereitstellen.
Damit verschiebt adesso den Fokus von „KI als Einzelskript“ hin zu „KI als Handlungs- und Entscheidungslogik“ im Prozess. Der Text beschreibt eine agentenbasierte Anwendung, die von der ersten Meldung bis zur Auszahlung komplette Schadenfälle eigenständig bearbeitet. Bei Fällen, die mehr Kontext erfordern oder nicht in standardisierten Regeln aufgehen, kommt ein KI-Copilot zum Einsatz, der die Sachbearbeitung unterstützt. Für Unternehmen ist das vor allem im Schnittstellen- und Prozessdesign relevant: KI-Modelle wirken hier nicht nur als Texterkennung oder Klassifikator, sondern sollen in definierte Rahmenbedingungen eingebettet werden, sodass Entscheidungen nachvollziehbar und steuerbar bleiben.
Die vermarktete Wirkungskette stützt sich auf konkrete Zahlen und einen klaren Qualitätsanspruch. adesso nennt Effizienzsteigerungen von bis zu 35 Prozent und Verbesserungen der Schaden-Kosten-Quote um bis zu vier Prozentpunkte, die Kunden mit der Lösung erreicht hätten. Dazu kommt der Ansatz, die Technologie „nativ“ in bestehende Kernsysteme der Versicherer zu integrieren: Statt die KI als isolierte Zusatzanwendung neben dem Prozesskern zu betreiben, soll sie als fester Bestandteil operativer Abläufe genutzt werden. Das ist für IT-Organisationen oft der Punkt, an dem sich Projektfortschritt oder -stillstand entscheidet, weil insbesondere Datenflüsse, Berechtigungen und Prozessstatus konsistent sein müssen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Daten- und Modellbasis von omni: us. Laut Mitteilung verfügt das Unternehmen über zehn Jahre Erfahrung in der Entwicklung von KI-Lösungen für die Versicherungswirtschaft. Trainiert wurden die eingesetzten Modelle demnach mit mehreren Millionen annotierten Schadenfällen sowie mit über 80 Millionen Versicherungsdokumenten. Solche Größenordnungen sind nicht nur ein Marketingargument: Für die Praxis zählen damit vor allem zwei Aspekte – erstens die Abdeckung unterschiedlicher Schadenmuster und Dokumentvarianten und zweitens die Fähigkeit, Ergebnisse so zu strukturieren, dass sie sich in bestehende Systemlandschaften integrieren lassen. Außerdem wird explizit erwähnt, dass Versicherer mit der Lösung spürbare Effizienzgewinne und messbare Verbesserungen zentraler Steuerungskennzahlen im Schadenmanagement berichten.
Marktseitig reiht sich die Transaktion in eine Strategie ein, die bei deutschen und europäischen Versicherern derzeit besonders Fahrt aufnimmt: agentische KI soll nicht nur Informationen extrahieren, sondern sich stärker an Prozessketten orientieren. In der Mitteilung werden hierfür auch konkrete Versicherer genannt, die bereits Teile ihrer Prozesse mit der KI-Technologie von omni: us automatisieren würden. Gleichzeitig wird beschrieben, dass adesso die Lösung in das Angebot der Tochtergesellschaft adesso insurance solutions integriert – mit einer Plattform, die als cloudfähige Anwendungslandschaft zentrale Versicherungsprozesse abdeckt, von Bestandsführung bis Schadenmanagement. Dadurch zielt die Gruppe offenbar darauf, KI-Mehrwert nicht als Sonderprojekt, sondern als standardisierte Funktion in wiederkehrenden Workflows zu skalieren.
Für die Umsetzung ist außerdem wichtig, wie adesso und omni: us den „Agentic Layer“ fachlich rahmen. Der Text beschreibt, dass der Layer Transaktionen erfasst, Informationen interpretiert und Daten verbindet, um innerhalb klar definierter Rahmenbedingungen Entscheidungsgrundlagen vorzubereiten. Als Leitplanken werden Erklärbarkeit, menschliche Aufsicht, operative Zuverlässigkeit und Nachvollziehbarkeit genannt – also genau die Kriterien, die in regulierten Versicherungsprozessen in der IT-Governance typischerweise über Erfolg oder Abbruch entscheiden. Hinzu kommt, dass omni: us nach Abschluss der Transaktion sein Geschäft unter dem bekannten Markennamen und mit der bisherigen Geschäftsführung als Teil der adesso Group fortführen will. Bestandskunden sollen demnach in ihren bestehenden Produkt- und Technologieumgebungen betreut werden und zusätzlich von Versicherungs-, Implementierungs- und Skalierungskompetenz profitieren.
In der Summe wirkt die Nachricht wie eine gezielte Bündelung von Prozess-Know-how und KI-Implementierung. Für Entscheidungsträger ist dabei weniger die Eigentumsfrage entscheidend als die Betriebsrealität: Kann die KI-Lösung in der täglichen Schadenbearbeitung zuverlässig arbeiten – unter finanziellen, regulatorischen und operativen Bedingungen? Die Mitteilung positioniert genau das als Ergebnis jahrelanger Entwicklungsarbeit und verbindet es mit dem Anspruch, die neue KI-Funktionalität in der „gewohnten Umgebung“ der Kunden bereitzustellen. Wenn die Integration wie beschrieben gelingt, dürfte der nächste Wettbewerbsvorteil weniger in einzelnen Modellen liegen, sondern in der Fähigkeit, agentische KI dauerhaft in Kernsysteme zu verankern und dabei Steuerungs- und Kontrollmechanismen konsistent zu halten.
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