DORTMUND / LONDON (IT BOLTWISE) – Die adesso SE übernimmt den Schaden-KI-Spezialisten omni: us, um die KI-Kompetenz in der Versicherungswirtschaft auszubauen. Kernstück ist die Erweiterung der cloudfähigen Plattform in|sure Ecosphere um eine automatisierte, agentische Schadenbearbeitung. Ein Agentic Layer soll einfache Fälle vollautomatisiert lösen und bei komplexen Entscheidungen als Unterstützung für die Sachbearbeitung fungieren. Für die Zielkunden nennt das Unternehmen Effizienzsprünge von bis zu 35 Prozent und eine Verbesserung der Schaden-Kosten-Quote um bis zu vier Prozentpunkte.

Mit der Übernahme des Schaden-KI-Spezialisten omni: us setzt die adesso SE auf einen klaren Weg: Künstliche Intelligenz nicht als „Add-on“, sondern als Bestandteil operativer Kernprozesse. Der Hintergrund liegt auf der Hand. Gerade in der Versicherungswirtschaft sind Prozesse stark reguliert und datenintensiv, und jede Automatisierung muss im Tagesgeschäft zuverlässig funktionieren. adesso positioniert die Akquisition deshalb als Erweiterung seines KI-Portfolios – und konkret als Ausbau der cloudfähigen Anwendungslandschaft in|sure Ecosphere, die bereits für zentrale Versicherungsprozesse genutzt wird.
Technisch rückt dabei vor allem der „Agentic Layer“ in den Fokus. Laut Mitteilung soll er sowohl Transaktionen als auch Informationen erfassen, strukturieren und innerhalb klar definierter Rahmenbedingungen Entscheidungsgrundlagen vorbereiten. Für Versicherer ist das deshalb relevant, weil die Schadenbearbeitung typischerweise mehrere Schritte umfasst, die heute oft mit hoher manueller Varianz verbunden sind: von der ersten Meldung über die Plausibilisierung bis zur Auszahlung. Der Anspruch des Agentic Layers: einfache Schadenfälle vollautomatisiert abwickeln und bei komplexeren Fällen die Sachbearbeitung durch einen KI-Copiloten unterstützen.
Im Marktkontext folgt adesso damit einem Trend, der bereits in vielen Unternehmen sichtbar ist: Teilautomationen werden ausgebaut, aber die Integration in bestehende Systemlandschaften entscheidet über den realen Nutzen. Die Mitteilung unterstreicht deshalb die „natives“ Ansatzlinie für bestehende Kernsysteme. Statt KI als isolierte Zusatzanwendung laufen zu lassen, soll die Lösung dauerhaft in die gewohnte Umgebung der Versicherer eingebunden werden, ohne dass Anbieter- oder Systemwechsel nötig seien. Genau dieser Punkt ist für IT- und Fachverantwortliche in der Praxis meist der Engpass: Nicht nur Modellgüte, sondern auch Datenflüsse, Berechtigungen, Auditierbarkeit und die operative Stabilität im Zusammenspiel mit bestehenden Kernanwendungen.
Die Zahlen, die adesso und omni: us nennen, zielen auf messbare Effekte im Schadenmanagement. Für Kunden sind Effizienzsteigerungen „von bis zu 35 Prozent“ genannt, außerdem Verbesserungen der Schaden-Kosten-Quote um bis zu vier Prozentpunkte. Dazu kommt eine Leistungsbeschreibung der eingesetzten agentenbasierten Anwendung: Sie übernimmt demnach die Bearbeitung kompletter Schadenfälle eigenständig von der ersten Meldung bis zur Auszahlung. Bei komplexeren Fällen soll ein KI-Copilot unterstützen. Als zusätzliche Lernbasis führt die Mitteilung an, dass die Modelle mit mehreren Millionen annotierten Schadenfällen und über 80 Millionen Versicherungsdokumenten trainiert wurden; omni: us selbst weist zudem darauf hin, dass die Technologie mehr als eine Million Schadenfälle pro Jahr automatisiert.
Historisch betrachtet ist der Schritt von regelbasierten Assistenzsystemen hin zu agentischen KI-Workflows für Versicherer naheliegend. Während klassische Automatisierung häufig auf statische Prüfregeln setzt, verlangen moderne KI-Implementierungen eine engere Verzahnung von Datenverarbeitung, Kontextinterpretation und Entscheidungsunterstützung. Die Mitteilung adressiert genau diese Anforderung mit einem Ansatz, der Transaktionen auswertet, Informationen interpretiert und die Ergebnisse nachvollziehbar bereitstellt. Besonders in einem regulierten Umfeld ist das entscheidend, weil Erklärbarkeit, menschliche Aufsicht und Nachvollziehbarkeit nicht „später“ kommen dürfen, sondern in der Systemarchitektur mitgedacht werden müssen.
Für die Anbieterstrategie bedeutet die Transaktion zugleich organisatorische Kontinuität. omni: us führt sein Geschäft nach Abschluss der Transaktion unter dem bekannten eigenen Markennamen fort und bleibt mit der bisherigen Geschäftsführung als Teil der adesso Group eingebunden. Bestandskunden sollen demnach weiterhin in ihren aktuellen Produkt- und Technologieumgebungen betreut werden; gleichzeitig sollen sie zusätzlich von der Versicherungs-, Implementierungs- und Skalierungskompetenz der gesamten Unternehmensgruppe profitieren. Damit koppelt adesso die Technologie-Basis an eine größere Delivery- und Rollout-Fähigkeit – also an das, was bei KI-Projekten häufig den Unterschied zwischen Pilot und Produktion ausmacht.
Aus Unternehmenssicht ist die entscheidende Frage, wie schnell Versicherer KI-Funktionen als festen Bestandteil ihrer operativen Prozesse etablieren können. Die Mitteilung setzt dafür auf die Plattformlogik von in|sure Ecosphere und ergänzt sie um KI-gestützte Schadenautomatisierung. Wenn der Agentic Layer in der Praxis tatsächlich die in Aussicht gestellte Vollautomatisierung für einfache Fälle sowie die Copilot-gestützte Unterstützung bei komplexen Entscheidungen schafft, wird sich die Investitionsrechnung vor allem daran messen lassen, wie gut sich Ergebnisse in bestehende Steuerungskennzahlen übersetzen. adesso bleibt mit dieser Akquisition damit nicht nur bei KI als Forschungs- oder Beratungsfeld, sondern setzt auf ein konkretes Ziel: KI produktiv, sicher und messbar in Kernprozesse zu integrieren.
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