LONDON (IT BOLTWISE) – Paraguay stellt die Glücksspielregulierung um: Die Steuerdirektion DNIT übernimmt künftig die Kontrolle bei Konzessionen, Lizenzen und Besteuerung. Präsident Santiago Pena treibt die Änderung mit dem Gesetz 7,438/2025 voran, das das bisherige Monopoldesign aufbricht. Gleichzeitig reduziert sich der Aufgabenbereich der staatlichen Kommission CONAJZAR auf Marktaufsicht, Vollstreckung und Spielerschutz. Damit reagiert der Staat auch auf die massive Kritik aus dem Jahr 2023 an Transparenz und Vergabeprozessen.

Paraguay nutzt das Jahr 2025, um seine Glücksspielregulierung strukturell neu auszurichten. Präsident Santiago Pena ordnete an, dass die staatliche Glücksspielkommission CONAJZAR künftig direkt der Steuerdirektion DNIT unterstellt wird. Die Änderung ist mehr als eine organisatorische Umbesetzung: Sie entzieht einer bisherigen Schlüsselstelle die Lizenzgewalt und verlagert wesentliche Entscheidungen in die Finanzverwaltung. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt weg von einem Modell, in dem eine einzelne Behörde die Vergabe weitgehend allein verantwortete, hin zu einer Aufsicht, die gleichzeitig Einnahmen und Regulierung eng miteinander verzahnt.
Technisch betrachtet geht es um die Trennung von Rollen innerhalb des regulatorischen Lebenszyklus: Wer definiert, wer eine Konzession bekommt, wer die Regeln durchsetzt, und wie Risiken für Spieler verhindert werden. Nach den Angaben im neuen Rechtsrahmen soll die DNIT fortan staatliche Ausschreibungen und Konzessionsentscheidungen kontrollieren. Für CONAJZAR bleibt dagegen ein eng umrissener Bereich: operative Marktverwaltung, Vollstreckungsmaßnahmen und vor allem die Überwachung problematischen Spielverhaltens. Genau diese Aufteilung ist entscheidend, weil sie die Anreizstruktur verändert: Lizenz- und Steuerlogik laufen bei der DNIT zusammen, während die Fachkommission den Blick auf den Spielerschutz und die Verhaltenskontrolle behält.
Auslöser für die Neuausrichtung war laut der Vorlage eine Entwicklung, die sich besonders um die Vergabe von Sportwetten-Lizenzen verdichtet hat. Im Jahr 2023 geriet CONAJZAR massiv unter Druck, weil der Prozess für die bundesweite Sportwetten-Konzession als „verpfuscht“ galt und Beschwerde- und Transparenzvorwürfe laut wurden. Die Kritik bezog sich dabei auf unfaire Wettbewerbsbedingungen und mangelnde Nachvollziehbarkeit der Ausschreibung; der Ruf der Behörde wurde dadurch nachhaltig beschädigt. Das neue Gesetz 7,438/2025 wird in diesem Kontext als direkte Antwort beschrieben: Es zerschlägt das bisherige, stark monopolverhaftete Konzessionsmodell und öffnet den Markt breiter für Wettbewerb.
Ein zentraler Punkt ist dabei die Frage, was mit bestehenden Verträgen passiert. Als prominentes Beispiel wird die exklusive Sportwetten-Lizenz von Aposta.la genannt, die zwar bis zum Ende der Vertragslaufzeit gültig bleiben soll, aber keine neuen ähnlichen Alleinstellungsmuster nach sich ziehen dürfte. Neue Lizenzen sollen künftig unter den „strengen Augen der DNIT“ und nach neuen Regeln vergeben werden. Oscar Orue, der Präsident der DNIT, formulierte dazu wörtlich: „DNIT wird die Struktur von CONAJZAR ändern, um die Abteilung auf die Aufgaben der Marktverwaltung, Vollstreckungsmaßnahmen und die Überwachung von Spielsucht zu konzentrieren.“ Der Satz macht die Stoßrichtung deutlich: Entscheidend ist die organisatorische Konzentration von Konzessions- und Durchsetzungslogik in einer Einheit, die am Ende auch für Steuereinnahmen rechenschaftspflichtig ist.
Neben dem Gesetzeswechsel spielt auch der personelle Umbau eine Rolle, weil er Timing und Kontrolle miteinander verbindet. Besonders pikant ist laut Bericht die Rückkehr von Carlos Liseras zur CONAJZAR per Präsidialdekret: Er ersetzt Roxana Carolina del Rio Villalba als Vertreter der DNIT innerhalb der Kommission. Dieser Wechsel erfolgt in einer Phase, in der die DNIT beginnt, ihre Kontrolle über Lizenzen und Durchsetzung zu festigen. Inhaltlich bedeutet das: Die Neuausrichtung wird nicht nur auf dem Papier durchgezogen, sondern mit einer Besetzungslinie abgesichert, die die Interessen der neu zuständigen Instanz in die operativen Abläufe hineinträgt.
Für den Alltag deutscher Spieler ändert sich zunächst wenig, vor allem weil die Umstrukturierung in Paraguay den Schwerpunkt auf die lokale Regulierung und Durchsetzung vor Ort legt. Deutschland folgt ohnehin einem sehr strengen Rahmen, der im Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) sowie in der Umsetzung über die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) sichtbar wird. Praktisch relevant ist dabei insbesondere das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat, das über das LUGAS-System überwacht wird. Dazu kommt das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten. Paraguay versucht im Kern, ein ähnliches Muster aus staatlicher Steueraufsicht und Transparenz aufzubauen, allerdings bleibt es vorerst Aufgabe der lokalen Ausgestaltung, wie konsistent Spielerschutz und Wettbewerbsschutz im Betrieb greifen.
Für Betreiber mit deutscher Lizenz ist die Entwicklung vor allem ein Indikator für den globalen Trend: weg von intransparenten Monopolen hin zu einem stärker steuerlich überwachten, regulierten Markt. Casinos, die bereits unter einem deutschen GGL-Rahmen arbeiten, profitieren indirekt, wenn internationale Standards steigen, weil das insgesamt die Reputation seriöser Anbieter stärkt. Gleichzeitig zeigt die Meldung, dass Märkte wie Malta (MGA) oder Curacao, die in der Praxis häufig als „Grauzonen“ diskutiert werden, regulatorisch unter Druck geraten könnten, sobald mehr Staaten die Steuer- und Lizenzvergabe stärker koppeln. Für internationale Anbieter, die in Paraguay aktiv werden wollen, heißt das: Compliance-Abteilungen dürften künftig mehr Personal und Prozessarbeit investieren müssen, insbesondere bei Dokumentation, Ausschreibungstransparenz und nachvollziehbaren Entscheidungen. Transparenz bei Vergaben ist dabei nicht nur ein politisches Ziel, sondern ein operatives Qualitätsmerkmal, das letztlich auch die Durchsetzung im Tagesgeschäft beeinflusst.
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