LONDON (IT BOLTWISE) – XRP fiel am 11. August auf 0,99 US-Dollar, nachdem ein Exploit über eine Brücke nahe 200.000 XRP vom XRP Ledger abgezogen haben soll. Gleichzeitig haben große Wallets in der Woche bis zum 9. August mehr als 380 Millionen XRP aufgebaut. Für die Marktlogik bleibt damit die Frage: Ist das nur die Vorbereitung auf weiteres Abwarten – oder nähert sich tatsächlich eine bullische Phase?

Warum XRP-„Whales“ trotz Kursrückgang weiter kaufen
Warum XRP-„Whales“ trotz Kursrückgang weiter kaufen (Foto: IT BOLTWISE)
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Am 11. August rutschte XRP erstmals seit fast zwei Jahren in Richtung 0,99 US-Dollar ab. In derselben Zeitspanne spielt offenbar auch der Vorfall mit, dass über eine Brücke „Coreum“ im Umfeld eines Exploits in kurzer Zeit knapp 200.000 XRP vom XRP Ledger abgezogen worden sein sollen. Interessant für Marktteilnehmer ist jedoch nicht nur der Rücksetzer, sondern die Gegenbewegung: Während der Kurs nachgab, bauten große Adressen weiter Bestände auf. Genau dieses Auseinanderlaufen von Preis und On-Chain-Verhalten bildet den Kern der aktuellen Debatte darüber, ob eine bullische Rally in Sicht ist.

Der Datenpunkt, der dabei oft zitiert wird, lautet: In der Woche bis zum 9. August sollen große Inhaber mehr als 380 Millionen XRP hinzugekauft haben. Dadurch sei ihre gemeinsame Wallet-Größe auf über 8 Milliarden XRP gestiegen, was bei dem damaligen Preis grob 8,2 Milliarden US-Dollar entsprochen habe. Entscheidend ist außerdem, dass das laut den genannten Metriken kein einmaliger Ausreißer war. So habe die Zahl der Wallets mit mindestens 1 Million XRP über drei Monate hinweg um 32 zugenommen, während gleichzeitig die Marktkapitalisierung um 29 % gefallen sein soll. Die Logik dahinter: Ein Kursrückgang „schüttelt“ offenbar nicht die großen Halter aus, sondern zieht weiteres Kapital aus der Phase relativer Stärke in eine Phase niedrigerer Preise.

Stützend für diese Interpretation wirkt auch das Handelsverhalten an den Börsen. Laut CryptoQuant sollen Abflüsse aus einer großen Börse am 3. August besonders stark in Richtung „large holders“ gegangen sein: 81 % der aus Binance abgezogenen XRP sollen in großen Bestände gemündet haben, während der Anteil über alle zentralisierten Börsen hinweg bei 72 % gelegen haben soll. Der Punkt dahinter ist weniger moralisch als technisch: Token, die „auf der Exchange liegen“, lassen sich im Normalfall in sehr kurzer Zeit verkaufen. Token in einer privaten Wallet sind dagegen nicht nur aus regulatorischer Sicht schwieriger, sondern vor allem operativ träge, weil erst Transfers zurück nötig sind. Wenn große Akteure XRP in dieser Phase eher abziehen als verkaufen, lässt das häufig auf eine Absicht schließen, den Markt nicht sofort zu „bedienen“, sondern Positionen zu halten.

Warum „Whales“ dabei trotzdem kaufen können, obwohl viele Marktteilnehmer Verluste sehen, liegt an der Kostenbasis. Laut Glassnode soll der durchschnittliche XRP-Holder rund 1,48 US-Dollar pro Coin gezahlt haben. Damit läge etwa 60 % des zirkulierenden Angebots rechnerisch im Minus. Das entspricht grob 36,8 Milliarden XRP, die von Käufern stammen, die höher eingestiegen sind und „ihre“ Schwelle zurückerwartet haben. Für diese Gruppen gilt: Jeder Verkauf braucht einen Käufer. Wenn große Inhaber in der Nähe dieser Schwellen nicht aussteigen, sondern weiterhin auf der Gegenseite stehen, kann sich ein struktureller Effekt ergeben: Während Retail-Anleger und kleinere Akteure in einzelnen Erholungsversuchen abwägen, absorbieren große Adressen Angebot, ohne dass der Kurs sofort nach oben durchbrechen muss.

Dass dieses Muster nicht nur bei XRP sichtbar sein soll, verstärkt die zyklische Lesart. Ähnliche Mechanismen werden auch für Bitcoin und Ethereum beschrieben, wo große Halter anscheinend kaufen, während die Kurse nahe oder unterhalb dessen handeln, was der durchschnittliche Holder bezahlt habe. In der Auswertung, die hier herangezogen wird, wird zudem ein Zusammenhang hergestellt: Das senke den „downside pressure“ und passe zur finalen Phase eines Abschwungszyklus. Gleichzeitig gibt es einen zweiten, stärker netzwerktechnischen Treiber, der in der Argumentation auftaucht: Die Aktivität auf dem XRP Ledger soll steigen, sogar wenn der Preis hinterherhinkt. Aktive Adressen seien von 23.642 am 1. August auf 43.543 am 11. August geklettert, also um 84 % innerhalb von elf Tagen. Wenn mehr Nutzer das Netzwerk verwenden, während der Token in dieser Phase weniger „Preisakzeptanz“ findet, wetten große Akteure typischerweise darauf, dass sich die Marktbewertung später an die Nutzungsentwicklung angleicht.

Trotz dieser Käuferseite bleibt allerdings ein Stolperstein: Die Akkumulation habe den Kurs bislang nicht nachhaltig gehoben. Als Gegenbelege werden mehrere frühere Kaufwellen angeführt: Whales sollen bereits im Januar bei etwa 1,77 US-Dollar, im April bei 1,38, im Juni bei 1,28 sowie während fünf Kaufwochen im Juli bei rund 1,16 aktiv gewesen sein. Jedes Mal sei das als bullisches Signal interpretiert worden, während der Preis im Anschluss jeweils niedriger gehandelt habe; aktuell liege XRP laut dem Text bei etwa 1,01 US-Dollar. Dazu kommt eine weitere Marktmechanik, die man als „Break-even-Kliff“ beschreiben könnte: Laut Glassnode sollen etwa 3 Milliarden XRP rund um 1,06 US-Dollar den Besitzer gewechselt haben. Diese Menge liege nur wenige Cent von einer Gewinnschwelle entfernt. Wenn diese Gruppe verkauft, sobald der Kurs wieder „ihrem“ Preis entspricht, entsteht eine Decke aus Angebot – und zwar genau dann, wenn Erholungen entstehen.

Auch auf der Derivatebene wird ein vorsichtiges Szenario skizziert. Für die nächsten Schritte heißt es nicht nur „Käufer versus Verkäufer“, sondern auch „Positionierung versus Absicherung“. So soll die 90-Tage-Taker-Cumulative-Volume-Delta von CryptoQuant von einem klaren Käufer-Vorteil in Richtung Neutralität abgedriftet sein. Das bedeutet in der Praxis oft: Große Akteure sitzen zwar mit Geboten im Buch, wollen aber nicht aggressiv am Markt nachkaufen, während Verkäufer bedient werden sollen. Gleichzeitig sei das Perpetual-Futures-Open-Interest auf 2,74 Milliarden XRP angestiegen, bewertet bei etwa 2,8 Milliarden US-Dollar, während der Kurs fiel. Wenn Open Interest zunimmt, während der Preis sinkt, spricht das eher für den Aufbau neuer Short-Positionen als für ein Aufgeben auf Halterseite. Laut dem genannten Kontext könnte es daher noch eine weitere Abwärtswelle brauchen, bevor ein „Floor“ stabil hält.

Ob daraus eine bullische Rally entsteht, hängt in der aktuellen Darstellung an klaren technischen Hürden: Für einen echten Reversal braucht XRP demnach einen Monatsabschluss über 1,06 US-Dollar. Darüber würden als nächste große Angebotszonen Werte um 1,35 und danach 1,64 US-Dollar liegen, wobei diese Pegel aus Glassnodes Verteilungsanalyse abgeleitet werden sollen. Aus der Logik der Spannen wäre damit ein Potenzial von ungefähr 32 % bis 1,35 und etwa 61 % bis 1,64 möglich – statt erneut nur ein „gescheiterter Bounce“. Ergänzend wird der Tom DeMark Sequential Indikator genannt: Er habe ein Kaufsignal angezeigt, wobei als historische Referenz zwei frühere Signale vor extrem starken Rallyes in April 2020 und August 2022 angeführt werden. Gleichzeitig gilt aber auch die Gegenrichtung: Im April 2025 soll der Indikator bereits ein Sell-Signal gesetzt haben, worauf ein Rückgang um 57 % folgte. Unterm Strich zeigt das Gesamtbild: Die Whale-Akkumulation ist relevant, aber sie entfaltet ihren Effekt erst dann, wenn Verkäufer oberhalb von 1,06 US-Dollar tatsächlich „durchgeräumt“ werden. Solange diese Zone intakt bleibt, kann sich Akkumulation wie ein Puffer verhalten, der zwar Angebot schluckt, aber den Preis ohne Breakout nicht nach oben zieht.


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