MONGOLEI / LONDON (IT BOLTWISE) – Sandvik stellt auf einer Fachkonferenz in der Mongolei neue Überwachungslösungen für die Boden- und Felssicherung vor. Mit xCell Banshee überwacht das Unternehmen Standardanker, während xCell Hydra instrumentierte Anker mit batteriebetriebenen Datenloggern nutzt. Einzelne Logger erfassen dabei Daten von bis zu neun Ankern, sodass Betreiber das Verhalten des Gebirges in Echtzeit verfolgen können. Ergänzend fließen weitere Automatisierungsaufträge in den Auftragsbestand, darunter die bevorstehende Produktionswiederaufnahme von Viscaria.

Sandvik setzt im Bergbau verstärkt auf digitale Sensorik, um Sicherungsentscheidungen schneller und datenbasierter zu treffen. Den Einstieg in diese Phase markiert die Vorstellung von xCell Banshee und xCell Hydra, die sich laut Konzern auf die Überwachung von Boden- und Felssicherung im Untertagebetrieb fokussieren. Während klassische Inspektionsroutinen oft auf Sichtkontrollen, manuelle Messungen und zeitlich versetzte Dokumentation setzen, adressieren die neuen Systeme das Problem, dass sich Lasten und Zustände im Gebirge dynamisch ändern können. Genau an dieser Stelle verspricht Sandvik eine Brücke zwischen Geotechnik und betrieblicher Steuerung: weniger Reaktionszeit, mehr Transparenz über den Zustand der installierten Felsanker.
Technisch betrachtet unterscheidet sich xCell Banshee von xCell Hydra vor allem durch die Art der erfassten Anker. Banshee ist auf Standardanker zur Gebirgssicherung ausgerichtet, während Hydra auf instrumentierte Anker setzt, die mit batteriebetriebenen Datenloggern ausgestattet sind. Ein zentraler Parameter für die praktische Umsetzung ist dabei die Dichte der Datenerfassung: Ein einzelner Logger kann die Daten von bis zu neun Ankern erfassen. Dadurch reduziert sich der Aufwand beim Verkabeln und bei der Erfassung, was gerade in Stollen, in denen Reichweiten, Platzverhältnisse und Bauzeiten begrenzt sind, eine Rolle spielt.
Die Kombination aus Echtzeitbeobachtung und mobil nutzbaren Messabläufen zielt auf eine proaktivere Sicherheitsführung. Sandvik beschreibt, dass Betreiber das Verhalten des Gebirges und die Leistung der Felsanker in Echtzeit verfolgen können. Das soll Entscheidungen zur Sicherheit in der Mine auf eine Grundlage „valider Daten“ stellen, statt sich auf zeitintensive manuelle Prüfungen zu verlassen. Ergänzend nennt das Unternehmen eine hohe Mobilität der Datenerfassung: Die Erfassung könne mit Geschwindigkeiten von bis zu 30 Kilometern pro Stunde erfolgen, sodass die Abläufe im Stollen kaum beeinträchtigt werden. Für die Praxis bedeutet das auch, dass sich Überwachungsfahrten eher in bestehende Transport- und Betriebsfenster integrieren lassen, statt separate Schichten nur für Inspektionen zu erzeugen.
Parallel zur Systemankündigung zeigt Sandvik laut Angaben zum operativen Geschäft messbare Ergebnisse im Kontext Automatisierung. Für die geplante Wiedereröffnung der schwedischen Kupfermine Viscaria in Kiruna wurde der Konzern mit der Lieferung einer automatisierten Produktionsflotte beauftragt. Dieser Auftrag war bereits im dritten Quartal 2026 verbucht und umfasst mehrere Langlochbohrgeräte vom Typ DL432i sowie Toro-Lader. Die Auslieferung der Maschinen ist für den Zeitraum zwischen Januar und August 2027 vorgesehen. Damit verschiebt sich der Fokus von der reinen Bohr- und Materiallieferung hin zu einem durchgängigen Automatisierungsansatz, in dem Softwaresteuerung und Wartungsfähigkeit früh mitgedacht werden.
Bei Viscaria liefert Sandvik nicht nur Hardware, sondern implementiert laut Quelle auch die softwareseitige Steuerung über die AutoMine-Plattform für den automatisierten Betrieb. Zusätzlich soll ein Servicevertrag die langfristige Wartung und Leistungsfähigkeit der Flotte absichern. Das Projekt hat zudem eine regionale Dimension: Ab 2029 sollen dort jährlich rund 26.000 Tonnen Kupfer produziert werden. In der Logik der Digitalisierung ist das relevant, weil Automatisierung im Bergbau selten bei der Maschine endet; sie erfordert verlässliche Betriebsdaten, planbare Servicezyklen und eine Abstimmung zwischen Leitstand, Maschinenstatus und Wartungsplanung. Wenn die Sicherungstechnik wie bei xCell Hydra und AutoMine wie bei Viscaria zusammen gedacht werden, entsteht ein Gesamtbild, in dem sowohl Prozessstabilität als auch Risikominimierung stärker datengetrieben gesteuert werden.
Auch international baut Sandvik die Breite seiner Lösungen aus, etwa in Botswana. Dort liefert das Unternehmen 15 Einheiten an Bohrgeräten und Ladern für die Karowe-Diamantenmine. Der Auftrag hängt laut Quelle mit der Umstellung der Mine von Tagebau auf Untertagebau zusammen, um die Lebensdauer des Standorts über 2038 hinaus zu verlängern. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Einbindung von Sandvik Financial Services, das Projekt wird dabei unter Absicherung der schwedischen Exportkreditagentur finanziert. Solche Finanzierungs- und Servicebausteine sind für den Markt deshalb wichtig, weil sie Projekte mit langen Vorlaufzeiten – gerade beim Umbau der Abbaumethode – überhaupt erst kalkulierbar machen. Für den Maschinen- und Automatisierungsanbieter heißt das: Der Wettbewerb verlagert sich zunehmend von der reinen Lieferfähigkeit hin zur Fähigkeit, komplette technische und wirtschaftliche Betriebsmodelle anzustoßen.
An der Börse zeigt sich der Titel im aktuellen Marktumfeld stabil, auch wenn der Kurs am Donnerstag leicht um 0,9 Prozent nachgab. Das Papier notiert bei 33,03 Euro und liegt damit rund 2,3 Prozent über dem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage, was charttechnisch als Unterstützung gewertet wird. Vom 52-Wochen-Hoch bei 38,29 Euro trennt den Wert ein Abstand von etwa 14 Prozent. Für Anleger und Unternehmensverantwortliche ist in der Einordnung vor allem entscheidend, dass die gemeldeten Investitionen in Automatisierung und langfristige Serviceverträge als langfristiger Nachfragehebel wirken können. Gleichzeitig zeigt der Mix aus neuen Sicherheitslösungen und Produktionsautomatisierung, dass Sandvik die Digitalisierung nicht als isoliertes Softwareprojekt versteht, sondern als Bestandteil der Modernisierung globaler Bergbauinfrastruktur.
Wichtig ist dabei: Diese Einordnung dient der technischen und marktbezogenen Einordnung der gemeldeten Entwicklungen und stellt keine Anlageberatung dar. Kursbewegungen bleiben von breiten Faktoren wie Konjunktur, Rohstoffpreisen und Risikoappetit abhängig, während sich die Wirkung konkreter Projekte typischerweise über mehrere Quartale und Projektphasen verteilt. Für Betreiber im Bergbau entscheidet am Ende, ob sich die versprochenen Vorteile – etwa Echtzeitüberwachung, reduzierte manuelle Prüfaufwände und schnelle Integration in bestehende Abläufe – im konkreten Stollenlayout und im Betrieb tatsächlich so darstellen, dass Sicherheits- und Produktivitätsziele gemeinsam erreicht werden.
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