FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Der DAX hat ein neues Allzeithoch von 26.562 Punkten erreicht, und das spiegelt sich auch im Fondshandel wider. Laut Aussagen von Matthias Präger bleibt die Stimmung gut, obwohl es parallel zu Gewinnmitnahmen kommt. Immobilien-Publikumsfonds leiden weiter unter anhaltendem Abgabedruck und neuen Abflüssen. Dagegen verzeichnen Aktien- und insbesondere ausgewählte Tech-orientierte Fonds wieder stärkeres Interesse.

Der Fondshandel zeigt sich Ende Sommer 2026 erstaunlich robust: Während viele Anleger den Begriff „Sommerloch“ mit geringerer Aktivität verbinden, melden Markthändler an der Deutschen Börse Frankfurt eine durchweg rege Nachfrage. An der Aktienfront setzt der DAX dabei ein sichtbares Signal, denn er erreichte am Mittwoch das neue Allzeithoch von 26.562 Punkten. Gleichzeitig notieren auch US-Indizes nahe Rekordhochs, was die Erwartung stabiler Risikobudgets stützt – und damit häufig den Weg für höhere Handelsumsätze im Fondsbereich ebnet.
Die Dynamik ist jedoch nicht gleichmäßig über alle Fondssegmente verteilt. Bei der Baader Bank berichtet Matthias Präger von „Stimmung und Umsätze“ als gutem Grundrauschen, ergänzt aber den üblichen Effekt: Auch bei einer freundlichen Marktphase kommt es immer wieder zu Gewinnmitnahmen. Besonders auffällig bleibt dabei die Schieflage bei Immobilienfonds. Ivo Orlemann von der ICF Bank ordnet das Umfeld als anhaltend belastend ein, ohne dass neue negative Nachrichten das Bild anführen: „Neue negative Nachrichten blieben zwar aus, der Abgabedruck hält aber an.“ Diese Trennung aus Marktumfeld (positiv) und Produktprofil (verwundbar) ist ein typisches Muster, wenn Anleger zwar Aktien aufbauen, aber die Risiko-/Illiquiditätsprämie einzelner Vehikel neu bepreisen.
Konkrete Abflüsse machen die Lage greifbar: Für Immobilien-Publikumsfonds weist der Fondsverband BVI für das erste Halbjahr fortgesetzte Abnahmen aus. Nach einem Minus von 1,8 Milliarden Euro im ersten Quartal zogen Anleger im zweiten Quartal weitere 1,5 Milliarden Euro ab. Über 2024 summieren sich die Nettoabflüsse auf 5,9 Milliarden Euro, für 2025 werden 7,7 Milliarden Euro genannt. In der Vertriebspraxis betrifft das nicht nur ein einzelnes Produkt, sondern mehrere etablierte Häuser und Strategien – genannt werden etwa HausInvest (DE0009807016), der Grundbesitz Europa (DE0009807008) und der Deka-ImmobilienEuropa (DE0009809566). Wenn gleichzeitig Finanztip im Juli erneut zum Verkauf von Immobilienfonds riet – „über die Börse“, mit dem Argument des bekannten Ausstiegspreises und der schnellen Verfügbarkeit – dann passt das inhaltlich zu einem größeren Entscheidungsbild: Liquidität und Kursklarheit werden in der Umsetzung wichtiger als langfristige Narrativ-Fortschreibungen.
Bei Aktienfonds ist das Bild dagegen differenziert, aber insgesamt handelbar: Unter den aktiv gemanagten Fonds erzielten Aktienfonds im Juli an der Deutschen Börse Frankfurt die höchsten Umsätze. Laut Baader Bank dominieren wie üblich Abflüsse, dennoch tauchen mehrere konkrete Verkaufspositionen auf, etwa der DWS Deutschland (DE0008490962) sowie Small-Cap-Fonds wie der CT (Lux) European Smaller Companies (LU1864952335). Ebenfalls auf den Verkaufslisten stehen der Astra-Fonds (DE0009777003) und der DWS Akkumula (DE0008474024), beides international investierende Aktienfonds der DWS. Daneben wird aber nicht nur verkauft: Bei der ICF geht es weiter viel um den Fidelity Global Technology (LU0099574567), der nach Kursverlusten im Juni und Juli wieder zulegen konnte; seit Jahresanfang ergibt sich ein Kursplus von 18 Prozent. Auch Asien-Fonds bleiben keine Randnotiz, wenngleich die Umsätze dort eher dünn ausfallen; genannt werden der HSBC GIF Chinese Equity (LU0039217434) und der Baring Hong Kong China (IE0000829238).
Misch- und Geldmarktfonds liefern derweil den „Kassenbereich“ der Bewegung: Bei der ICF ist laut Matthias Präger ein Mischfonds Umsatzspitzenreiter – der aktienlastige Flossbach von Storch Multiple Opportunities (LU0323578657), der mit Handel in beide Richtungen agiert. Bei der Baader Bank kommt der ARERO – Der Weltfonds (LU0360863863) gut an. Noch stärker wirkt das Segment der Geldmarktfonds, weil es dort sowohl Zuflüsse als auch Abflüsse gibt, während einzelne Kassenprodukte eher Gegenwind bekommen: Orlemann nennt für den UniOpti4 (LU0262776809) eher Abgaben. Im gleichen Kontext werden für den Metzler Euro Liquidity (DE0009761684) und den Pictet Short-Term Money Market (LU0128494191) höhere Aufmerksamkeit bzw. Nachfrage beschrieben, während die DWS ESG Euro Money Market (LU0225880524) sowie die Deutsche Floating Rate Notes (LU0034353002) abgestoßen würden. Für Treasury-Teams und vermögensverwaltende Mandate ist genau dieses Nebeneinander entscheidend: Es zeigt, dass Liquiditätssteuerung und Risikoreduktion weiterhin parallel zur Börsenhausse laufen.
Auch bei Rohstoff-Strategien bleibt das Marktbild zweigeteilt. Für Gold- und Silberminenfonds werden „stabile Umsätze“ gemeldet, allerdings mit einem klaren Fokus auf Gewinnmitnahmen: Eher verkauft wird laut Präger der Earth Gold Fund (DE000A0Q2SD8), genannt werden aber auch Abgaben etwa beim Stabilitas Silber und Weißmetalle (LU0265803667). Dass gleichzeitig der Goldpreis zuletzt wieder deutlich stieg – von rund 4.000 auf kurzzeitig über 4.400 US-Dollar die Feinunze – kann diese Umschichtungsentscheidung in der Praxis erklären: Sobald steigende Spot-Notierungen die Erwartungshaltung verändern, reagieren Portfolios häufig nicht mit „Alles halten“, sondern mit taktischem Timing. Für die Fondsindustrie heißt das: Umsätze steigen zwar insgesamt, aber die Rotation entlang Liquidität, Laufzeitprofil und Risikoaufschlag wird zum eigentlichen Treiber. KI (Künstliche Intelligenz) spielt in solchen Setups oft indirekt eine Rolle, etwa über Portfolio- und Risikomodelle, die Handelsfenster und Abhängigkeiten zwischen Marktsegmenten auswerten; die aktuelle Meldung illustriert jedoch vor allem die konventionelle Mechanik aus Index-Stimmung, Produkt-spezifischen Abflüssen und selektiven Wiederaufnahmen im Aktien- und Tech-Segment.
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