LONDON (IT BOLTWISE) – Ripple nutzt für immer mehr institutionelle Zahlungen nicht XRP als Settlement-Asset, sondern den dollar-gestützten RLUSD-Stablecoin. In mehreren großen Deals berührt XRP das XRP Ledger nur noch als Quelle der Netzwerkgebühr, während die eigentliche Abwicklung stabilen Wertmaßen folgt. Der Text zeigt, warum diese Verschiebung vor allem mit dem Preisrisiko von XRP zusammenhängt und wie On-Demand Liquidity weiterhin spezielle Korridore abdeckt. Entscheidend bleibt, ob XRP jemals wieder als regelkonforme Abrechnungswährung dienen kann.

Die Diskussion um XRP wirkt auf den ersten Blick wie eine simple Frage nach dem „Cash-Channel“: Wenn Stablecoins die größten Zahlungsstrecken übernehmen, braucht es dann überhaupt noch eine Brückenwährung wie XRP? Die Antwort aus der vorliegenden Analyse fällt differenzierter aus. XRP wurde zwar ursprünglich als Zahlungstoken für den Transfer zwischen Finanzinstituten konzipiert – doch in der gelebten Praxis verschiebt sich der Schwerpunkt auf den Stablecoin RLUSD. Dadurch entsteht ein Bild, in dem XRP zwar noch im System präsent ist, aber seine Rolle stärker auf Gebühren und bestimmte Liquiditätsrouten schrumpft.
Im Kern beschreibt der Text eine institutionelle Umstellung: Ripple schließt den Großteil der „größeren“ Abwicklungen nicht mehr so ab, dass XRP als Settlement-Asset genutzt wird. Für die erste Hälfte 2026 werden zehn große Deals genannt, bei denen XRP laut Darstellung nicht als zentrales Abrechnungsinstrument auftaucht. Ein Teil der Vereinbarungen berührt das XRP Ledger überhaupt nicht, bei den übrigen erfolgt das Settlement in Stablecoins; XRP beschränkt sich dabei auf die Netzwerkgebühr von 0,00001 XRP pro Transaktion. Genau diese Trennung ist für Unternehmen wichtig, denn bei Preisvolatilität lässt sich ein fester Abwicklungswert nur schwer verlässlich in interne Prozesse und Compliance-Checks einpassen.
Der Grund, warum RLUSD in den institutionalisierten Workflows die Oberhand gewinnt, liegt laut Artikel vor allem in der Planbarkeit. XRP-Preisbewegungen seien kurzfristig unvorhersehbar; ein Compliance-Team müsse bei einem Trade von 50 Millionen US-Dollar letztlich sicherstellen, dass der endgültige Wert während der Abwicklung nicht in einen unzulässigen Korridor gerät. RLUSD wird demgegenüber als dollar-gebundener Stablecoin beschrieben, der vollständig durch Cash und US-Treasuries gedeckt sein soll und der durch die New York DFS reguliert wird. Für Treasury- und Risk-Teams zählt in der Praxis weniger die „Idee“ der Technologie als die nachweisbare Wertstabilität, die sich in Richtlinien, Buchhaltung und Freigabeprozessen abbilden lässt.
Dass diese Logik funktioniert, wird in der Meldung auch mit konkreten Integrationen unterfüttert: BlackRock nutze RLUSD für die Rückgabe seines tokenisierten BUIDL-Fonds, dessen Volumen mit „über 500 Millionen“ beziffert wird. Deutsche Bank habe die Zahlungsinfrastruktur integriert, ebenso wird LMAX Group genannt, bei der RLUSD als Kern-Kollateral in einem institutionellen Trading-Setup dienen soll. Außerdem nennt der Text Mastercard, das ab November 2025 echte Kreditkartenzahlungen über RLUSD auf dem XRP Ledger abgewickelt habe; dazu kommen Gemini und WebBank. In diesem Kontext ist die zentrale Aussage weniger, dass Stablecoins „gewinnen“, sondern dass RLUSD auf dem XRP Ledger sichtbar zum Abwicklungsstandard für reale Zahlströme wird – inklusive einer Ausweitung, die im Text über Marktdaten abgesichert wird, etwa beim Anteil am Stablecoin-Markt auf dem Ledger.
Parallel dazu liefert der Artikel eine zweite Ebene: Stablecoins verdrängen XRP nicht überall, sondern vor allem dort, wo das Marktgefüge „dicht“ genug ist. Ein Zahlungs-Korridor ist demnach eine Route, auf der Geld von A nach B wandert – und Stablecoins konzentrieren Liquidität in wenigen besonders liquiden Paaren, „meist USDC und USDT gegen den Dollar und den Euro“. Für alle anderen Korridore würden die Liquidität und damit die Handelsmechanik dünner; bei großen Beträgen könne der Spread den Preis während der Ausführung verschieben, sodass am Ende weniger Wert übrig bleibt als im Ausgangsplan. Dazu kommen Gebühren auf beiden Enden und ein weiteres praktisches Problem: In vielen Schwellenländern wollen Banken Krypto-Transaktionen noch nicht direkt anfassen, was Umrechnungen in lokale Währungen verteuert.
Genau in diese Lücke positioniert der Text XRP erneut – allerdings als Speziallösung. Ripple betreibe mit „On-Demand Liquidity“ (ODL) mehr als 40 Korridore; rund 40% der „300-plus“ Institutionen auf RippleNet sollen ODL aktiv nutzen. Dabei wandelt eine Firma lokale Währung in XRP um, transferiert den Wert in Sekunden über das Ledger und lässt den Empfänger anschließend in die Ziellandeswährung konvertieren. Für die Kosten wird im Artikel eine Spanne von 40% bis 85% gegenüber dem Korrespondenzbanking genannt. Beispiele liefern SBI Remit, das laut Darstellung rund 2 Milliarden US-Dollar pro Jahr in die Philippinen, nach Vietnam und nach Indonesien über XRP verschiebt, sowie Bitso für den Route-Transfer von US-Dollar in mexikanische Peso. Der Punkt: XRP bleibt dort attraktiv, wo Stablecoins mit vorhandener Liquidität wirtschaftlich nicht gut genug skalieren.
Am Ende stellt sich die Frage, ob Stablecoins XRP tatsächlich „unnotwendig“ machen – oder ob sie nur den ursprünglichen Versprechen-Umfang reduzieren. Der Text argumentiert für ein „kleinerer Job“: Die Settlement-Arbeit läuft inzwischen stärker über dollarbasierte Token, während XRP vor allem die dünnen Korridore übernimmt, in denen Stablecoins profitabel schwerer zu handeln sind. Gleichzeitig wird RLUSDs Wachstum auf dem XRP Ledger betont, inklusive einer Verschiebung des Anteils gegenüber Ethereum, sowie die Aussage, dass Ripple die Versorgung über einen Supply-Mechanismus steuert. Entscheidend bleibt laut Darstellung aber ein Engpass: Wenn Ripple seine eigenen Deals in XRP abwickeln wollte, müsste XRP preislich stabil genug sein, damit Compliance-Teams einen Abwicklungswert freigeben können. Solange XRP – im Artikel mit 46% Jahresrückgang beschrieben – weiterhin volatil bleibt, dürfte sich die Abkehr von XRP als Settlement-Asset eher fortsetzen als umkehren.
Für Entscheider in Finanz- und Payment-Teams bedeutet das vor allem eine Portfolio-Realität. Stablecoins sind für „breite“ Korridore mit hoher Liquidität häufig der schnellste und regelkonforme Weg, während Brückenmechaniken wie ODL dort wirken, wo der Markt für Stablecoin-Paare dünn ist. Ripple testet diese Trennung zudem über RLUSD-Expansionen, die im Text unter anderem mit institutionellem Minting/Redemption und Compliance-Netzwerk-Investitionen verknüpft werden. Für XRP selbst ist die zentrale Stellschraube damit weniger ein Marketing-Claim als die Frage, ob sich der Marktwert und die Liquidität so stabilisieren lassen, dass XRP wieder als planbarer Settlement-Wert nutzbar wird. Bis dahin bleibt XRP eher die „Werkzeugkiste“ für Spezialrouten – während RLUSD den Ton für den Massen-Transfer angibt.
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