SAN JOSE / LONDON (IT BOLTWISE) – Cisco erwartet für das laufende Geschäftsjahr weiterhin hohes Wachstum, stützt sich dabei vor allem auf die Nachfrage nach Rechenzentrums- und Cloud-Infrastruktur. Doch der Ausblick auf KI-bezogene Umsätze löste an der Börse Enttäuschung aus: Im Bereich Künstliche Intelligenz peilt das Unternehmen 7,5 Milliarden US-Dollar Erlöse an. Das entspricht fast einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahr, fällt aber niedriger aus als viele Marktteilnehmer zuvor gehofft hatten. Insgesamt soll der Gesamtumsatz bis Ende Juli 2027 um bis zu knapp 16 Prozent steigen.

Der Netzwerkausrüster Cisco blickt trotz einer starken Kursentwicklung mit gemischten Signalen ins neue Geschäftsjahr. Laut den Angaben des Unternehmens rechnet man im laufenden Zeitraum mit anhaltend hohem Wachstumstempo. Treiber ist vor allem eine sehr hohe Nachfrage nach Produkten für Rechenzentren großer Cloud-Anbieter – und damit auch nach Infrastruktur, die KI-Angebote dieser Betreiber überhaupt erst skalierbar macht. Genau hier setzt jedoch der Markt offenbar an: Während die Aktie insgesamt bereits gut gelaufen war, sorgte der KI-bezogene Ausblick für Ernüchterung im frühen Handel.
Im Bereich Künstliche Intelligenz kalkuliert Cisco für das Geschäftsjahr 2026/27 mit Erlösen von 7,5 Milliarden US-Dollar (6,5 Milliarden Euro). Das ist laut Unternehmensangaben nahezu eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr – eine Zahl, die fundamental nach Wachstum aussieht. Gleichzeitig zeigt die Reaktion an der Börse, dass viele Analysten mehr erwartet hatten, insbesondere im Kontext des hohen Auftragsvolumens in diesem Segment. Im Ergebnis rutschte die Cisco-Aktie am Donnerstag im frühen US-Handel um sieben Prozent ab, obwohl Cisco im vergangenen Geschäftsjahr besser als erwartet abgeschnitten und auch die Ziele insgesamt über den Prognosen gehalten hatte.
Auf Gesamtunternehmensebene bleibt der Ausblick für Cisco dagegen ambitioniert. Für das Geschäftsjahr 2026/27 peilt der Konzern beim Gesamtumsatz ein Plus von bis zu knapp 16 Prozent auf 73,4 Milliarden US-Dollar an. Beim um Sondereffekte bereinigten Gewinn je Aktie soll es in den zwölf Monaten bis Ende Juli 2027 auf bis zu 5,11 Dollar nach oben gehen. Interessant ist dabei, dass diese beiden Kennzahlen deutlich über der durchschnittlichen Erwartung der Analysten liegen. Die Disziplin der Prognosen heißt aber nicht automatisch, dass jeder Teilbereich die Erwartungen trifft: Der KI-Ausblick scheint der wunde Punkt zu sein, während das klassische Infrastrukturgeschäft die Wachstumsstory weiterhin trägt.
Technisch betrachtet spiegelt sich in Ciscos Position vor allem die Rolle von Netzwerkkomponenten für datenintensive Workloads. Router und Switches sind für Cloud-Provider die Grundlage, um Rechenzentrumsdatenflüsse zu bündeln, Latenz zu kontrollieren und Dienste segmentiert auszurollen. Zwar wächst der Appetit auf KI-Funktionen dort besonders schnell, doch der finanzielle Schwerpunkt bleibt bei Cisco weiterhin klar: Der KI-bezogene Umsatz soll in 2026/27 nur etwas mehr als zehn Prozent des gesamten Erlöses ausmachen. Damit bleibt Cisco zwar ein Profiteur des KI-Booms in den Rechenzentren, wird aber im Anlagebild der Investoren weiterhin wie ein klassischer Infrastruktur- und Infrastruktur-Software-Zulieferer bewertet.
Ein Blick in die Kursgeschichte erklärt zusätzlich, warum die Erwartungen so hoch waren. Der Cisco-Titel hat in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 170 Prozent zugelegt und damit den Anstieg des Technologieindex NASDAQ 100 deutlich übertroffen. In den Jahren davor hatte das Unternehmen jedoch weniger stark vom KI-getriebenen Börsenhype profitiert, der seit Ende 2022 viele Technologie- und Chipwerte nach oben gezogen hat. Seit Anfang 2022 liegt Cisco wieder ungefähr gleichauf mit dem NASDAQ 100 – der Markt hat also bereits einen großen Teil der Erholung eingepreist. Wenn dann ausgerechnet im KI-Segment die Wachstumsdynamik nicht ganz das Erwartungsniveau der Analysten erreicht, reicht diese Lücke für eine spürbare Neubewertung am Kurs.
Auch der Branchenvergleich macht die Spannung deutlich. In ähnlichen Marktphasen haben insbesondere Chiphersteller und große KI-Plattformanbieter massiv davon profitiert, dass KI-Workloads nicht nur mehr Software benötigen, sondern auch mehr Rechenleistung, Speicher und Kommunikationsbandbreite. Während Nvidia mit einem Börsenwert von 5,4 Billionen US-Dollar als Konjunkturindikator für die Hardware-Seite gilt, erreichen auch andere Schwergewichte wie Broadcom Werte knapp unter zwei Billionen US-Dollar. Cisco liegt demgegenüber mit einem Börsenwert von etwas weniger als 500 Milliarden Dollar inzwischen eher im unteren Gewicht im Tech-Universum. Dass das Unternehmen dennoch lange als einer der wertvollsten Player während des DotCom-Booms wahrgenommen wurde, unterstreicht: Die Bewertungslogik hat sich verändert – und damit auch, wie stark der Markt einzelne Wachstumsbeiträge wie KI monetär einpreist.
Für Unternehmen und IT-Entscheider steckt in der kurzfristigen Kursreaktion trotzdem nicht automatisch ein negatives Signal für die Technologie-Pipeline. Die Nachfrage nach Rechenzentrumsinfrastruktur großer Cloud-Anbieter und deren KI-Angeboten bleibt ein stabiler Hintergrundtreiber, den Cisco ausdrücklich nennt. Gleichzeitig zeigt der Fall, wie eng getaktet die Erwartungen an skalierte KI-Integration inzwischen sind: Sobald eine Wachstumskennziffer in den Marktkommunikationen nicht „noch schneller“ wächst als zuvor gedacht, wirkt das im Börsenbild oft stärker als ein gutes Gesamtbild. In den nächsten Quartalen wird deshalb vor allem entscheidend sein, ob sich der KI-bezogene Umsatzpfad weiter dem bereits eingepreisten Tempo annähert – oder ob das klassische Infrastrukturgeschäft weiter die Hauptlast der Ergebnisstabilität trägt.
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