LONDON (IT BOLTWISE) – Ripple verkauft RLUSD im XRP Ledger zunehmend als bevorzugtes Abwicklungswerkzeug statt XRP. Berichten zufolge wurden im ersten Halbjahr 2026 zehn große institutionelle Deals abgeschlossen, in denen XRP als Settlement-Asset praktisch keine Rolle spielt. Der Grund liegt weniger in der Infrastruktur als in der Preisvolatilität: Ein Compliance-Check soll zeitkritische Wertschwankungen bei großen Trades verhindern. Gleichzeitig wächst RLUSD laut den Angaben auf 1,57 Milliarden US-Dollar und hält 89% des Stablecoin-Markts im XRP Ledger.

Im XRP Ledger verschiebt sich der Schwerpunkt spürbar: Wo XRP traditionell als „Durchlaufmittel“ für Zahlungen zwischen Parteien gedacht war, erledigen Stablecoins inzwischen einen großen Teil der Abwicklungslogik. Die Kernaussage der aktuellen Betrachtung lautet, dass Ripple bei großen institutionellen Transaktionen inzwischen häufiger RLUSD als Settlement-Asset einsetzt, während XRP eher eine technische Nebenrolle spielt. So wird RLUSD in mehreren beschriebenen Use-Cases nicht als spekulatives Investment gehandhabt, sondern als dollar-pegged Zahlungsmittel, das den Compliance-Teams die nötige Planbarkeit liefert. Damit steht nicht die Frage „ob“ Stablecoins funktionieren im Vordergrund, sondern „wie gut“ sie sich gegen die praktischen Hürden von Preisrisiken durchsetzen.
RLUSD soll dabei konkret an Substanz gewonnen haben: Innerhalb eines Jahres sei der Stablecoin auf 1,57 Milliarden US-Dollar angewachsen und halte inzwischen 89% des Stablecoin-Markts auf dem XRP Ledger. Für die Marktmechanik ist das relevant, weil Liquidität und Handelsfähigkeit typischerweise mit der Konzentration der Nachfrage steigen. Gleichzeitig wird RLUSD als vollständig mit Cash und US Treasuries hinterlegt beschrieben und dem New Yorker Aufsichtssystem New York DFS untergeordnet. Genau diese Punkte adressieren in der Praxis zwei wiederkehrende Fragen bei Banken und institutionellen Investoren: Ist der Wert an einen stabilen Referenzkurs gebunden, und wie gut lässt sich das Asset gegenüber internen Kontroll- und Prüfprozessen erklären?
Die scheinbar technische Entscheidung hat laut Quelle einen sehr konkreten Compliance-Hintergrund: Abarbeitungsprozesse für große Trades sollen nicht genehmigt werden können, wenn der Gegenwert während der Abwicklung stark schwanken kann. Bei XRP wird genau diese Unsicherheit als Problem beschrieben. Ein Beispiel aus dem Text macht die Größenordnung deutlich: Eine Compliance-Mannschaft könne einen $50-Millionen-Trade in etwas, das bis zur finalen Klärung möglicherweise auf $47 Millionen fällt, nicht freigeben. Im Gegensatz dazu bleibt RLUSD laut den Angaben an den US-Dollar gekoppelt, was die Bewertung am Ende der Settlement-Kette stabil hält. Auch die Rolle von XRP wird entsprechend eingegrenzt: XRP werde im Wesentlichen nur zur Begleichung der Netzwerkgebühr von 0,00001 XRP pro Transaktion benötigt, während die wirtschaftliche Abwicklung über den Stablecoin läuft.
Dass diese Verschiebung nicht nur theoretisch ist, wird mit Deal-Zahlen untermauert: Ripple habe im ersten Halbjahr 2026 zehn große institutionelle Geschäfte abgeschlossen, ohne dass XRP als Settlement-Asset verwendet worden sei. Drei der Deals hätten das XRP Ledger sogar nie direkt berührt, die sieben, die es nutzten, seien in Stablecoins abgewickelt worden, während XRP lediglich die Netzwerkgebühr einsammelt. Hinzu kommt ein Marktindikator aus der Preisrichtung: XRP bewege sich laut den Angaben um $1,02 und liege um 46% unter dem Vorjahreswert bzw. im Jahresverlauf, während der Kursverlauf als unberechenbar beschrieben wird. In Summe ergibt sich daraus ein Entscheidungsmodell, bei dem Stablecoins weniger als „Alternative zur Zahlungsphilosophie“ wirken, sondern als operativer Ausweg, um Preisschwankungsrisiken aus Genehmigungsprozessen zu entfernen.
Für die Nachfrage nach RLUSD werden im Text mehrere institutionelle Beispiele genannt, die zugleich zeigen, wie breit die Stablecoin-Nutzung mittlerweile über klassische Payments hinausgreift. BlackRock nutze RLUSD, um BUIDL zurückzunehmen, einem tokenisierten Fonds, der über 500 Millionen US-Dollar an Vermögenswerten halten soll. Deutsche Bank habe außerdem Ripples Zahlungsinfrastruktur in die Integration für grenzüberschreitende Überweisungen einbezogen, während LMAX Group RLUSD als zentrales Collateral in der institutionellen Trading-Logik verankert habe. Besonders deutlich wird zudem die Brücke in den Massen-Zahlungsverkehr: Mastercard habe seit November 2025 reale Kreditkartentransaktionen über RLUSD im XRP Ledger abgewickelt, parallel genannt werden Gemini und WebBank. Auch die Währungsseite wird erweitert, indem Société Générale im Februar eine Euro-Variante des Stablecoins auf derselben Ledger-Infrastruktur gestartet haben soll.
Technisch und strategisch lässt sich daraus ableiten, warum XRP in solchen Setups weniger „Asset“ als „Netzwerkressource“ wird. Wer Stablecoins für Settlement einsetzt, reduziert die Notwendigkeit, Zahlungswerte während der Laufzeit laufend neu zu bewerten; damit sinkt der Druck auf die interne Freigabelogik, die sonst bei XRP-Kursbewegungen zwischen Start und Abschluss eines Trade-Prozesses entstehen kann. Gleichzeitig bleibt XRP als Gebührenträger zentral, weil die Transaktionsausführung am Ledger weiterhin Kosten verursacht. Entscheidend ist jedoch, dass Stablecoins mit hoher Wahrscheinlichkeit auch dort weiter wachsen, wo die Abwicklungsgeschwindigkeit hoch ist und der finanzielle Gegenwert in Echtzeit oder nahe Echtzeit final sein muss.
Für Unternehmen und Entwickler ergibt sich daraus eine praktische Planungsfrage: Wie gestaltet man Workflows, wenn die Token-Wahl nicht mehr nur von Usability abhängt, sondern von Genehmigungsfähigkeit und Bewertungsstabilität. Wenn Card Payments global mehr als 20 Billionen US-Dollar pro Jahr bewegen, würden schon ein Prozent davon rechnerisch 200 Milliarden US-Dollar jährlich auf eine Ledger-Abwicklungslogik bringen – ohne dass XRP in der wirtschaftlichen Wertübertragung berührt werden müsste. Genau deshalb ist die aktuelle Verschiebung aus Sicht von Compliance, Produktdesign und Liquiditätsplanung so bedeutsam: Stablecoins werden nicht zwingend XRP „ersetzen“, aber sie können die zentrale Abwicklungsebene übernehmen, während XRP auf die Netzwerkgebührenebene zurückfällt.
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