LONDON (IT BOLTWISE) – Die US Space Force erweitert ihr Space Data Network (SDN) um fünf neue Vertragspartner, die Datenverbindungen zwischen Satelliten verschiedener Anbieter demonstrieren sollen. Pro Unternehmen sind 12 Millionen US-Dollar vorgesehen, jeweils inklusive der Entwicklung von Space Exchange Point Satelliten als „Router“ für das Netzwerk. Im Fokus stehen auf-Orbit-Tests mit schnellen optischen Kommunikationsrouten sowie verbindliche physische, elektrische und Daten-Schnittstellen. Parallel arbeitet das Programm weiter an der Integration von SDN mit Transport- und Tracking-Layern der Space Development Agency sowie etablierten militärischen SATCOM-Kapazitäten.

Space Data Network: US Space Force setzt auf fünf neue Vendoren für Interoperabilität
Space Data Network: US Space Force setzt auf fünf neue Vendoren für Interoperabilität (Foto: IT BOLTWISE)
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Die US Space Force treibt ihr Space Data Network (SDN) mit einem klaren Schritt in Richtung Multi-Vendor-Kompatibilität voran: Fünf Unternehmen sollen im Rahmen neuer Vertragsauszeichnungen jeweils 12 Millionen US-Dollar erhalten. Ziel ist nicht nur der weitere Ausbau einer proliferierten Daten-Transportkonstellation, sondern vor allem die praktische Demonstration, dass sich Satelliten unterschiedlicher Hersteller über definierte Schnittstellen miteinander „unterhalten“ können. Zu den Vertragspartnern zählen Rocket Lab, York Space Systems, Northrop Grumman, Lockheed Martin sowie Amazon LEO for Government, jeweils mit der Aufgabe, den Datenfluss zwischen eigenen Satelliten und denen anderer Anbieter im SDN-Umfeld aufeinander abzustimmen.

Technisch betrachtet hängt der Erfolg eines solchen Ansatzes an einer Art „Netzwerk-Übersetzer“ auf der Raumebene. Daher müssen die neuen Vendoren jeweils Space Exchange Point Satelliten entwickeln und bereitstellen – funktional als Router gedacht, die direkt an die Backbone-Struktur des SDN andocken. In der Kommunikation der Space Force wird dabei besonders betont, dass die Router-Komponente nicht nur Datenpakete weiterleiten soll, sondern auf einer Kombination aus hochperformantem optischem Routing (mit On-orbit-Tests für schnelle optische Kommunikationsverbindungen) und streng definierten physischen, elektrischen sowie Daten-Interfaces basiert. Genau diese Schnittstellenlogik soll laut Programmausrichtung einen wiederholbaren und sicheren Baseline-Betrieb ermöglichen, der externe kommerzielle Satellitenmodelle in ein gemeinsames Transportnetz integrierbar macht.

Dass SDN diese Standardisierung jetzt so stark in den Vordergrund stellt, hat auch eine industriehistorische Ursache. Die Space Force verweist darauf, dass der Staat bei früheren Programmen häufig über Jahrzehnte an einzelne Anbieter festverdrahtet war („single-source vendors“). Die aktuelle Logik setzt dagegen: Wer Interfaces und Testbedingungen akzeptiert, bekommt eine realistische Chance, sich mit seiner Technologie einzubringen. Vor diesem Hintergrund ordnet sich auch das bereits im Mai gestartete Großprojekt ein: Ein massiver Vertrag über 2,9 Milliarden US-Dollar geht an SpaceX, um das SDN-Backbone zu bauen. Dass damit zunächst ein dominanter Akteur im Zentrum stand, adressieren die Verantwortlichen ausdrücklich mit dem Hinweis, dass SDN langfristig wettbewerbsfähig bleiben und weitere Provider über definierte Integrationspfade beitragen können.

Die Programmausgestaltung bleibt dabei bewusst in Bewegung. Details zur SDN-Architektur seien „langsam“ durchgesickert, einen vollständigen Gesamtplan, welche Programme im SDN-Umfeld zusammengeführt werden und wie die einzelnen Bausteine orchestriert werden, nennt die Quelle noch nicht vollständig. Ein Aspekt ist jedoch bereits erkennbar: SDN soll die proliferierte Low-Earth-Orbit-Backbone-Infrastruktur mit Transport- und Missile-Tracking-Layern der Space Development Agency (SDA) verknüpfen sowie zugleich traditionelle militärische Kommunikationskonstellationen wie das Protected Tactical SATCOM abdecken. Dabei liefert das Programmmanagement auch eine Begriffsklärung: SDN wird nicht als ein einzelnes System beschrieben, sondern als „vereinheitlichte Architektur“, in der verschiedene konkrete Systeme zusammenlaufen, um Daten der Space-Force-Architektur zu unterstützen und die gemeinsame Streitkräfteebene (joint force) mit Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu versorgen.

Für die nächsten zwölf Monate ist die Stoßrichtung entsprechend: Laut Aussagen von Col. Ryan Frazier, portfolio acquisition executive für space-based sensing and tracking (inklusive SDN), liegt der Schwerpunkt darauf, Fortschritte an SpaceX’ Mesh-Netzwerk zu erzielen und gleichzeitig die Voraussetzungen zu schaffen, neue Vendoren einzubinden. Wichtig ist dabei nicht nur die physische Verbindung, sondern Interoperabilität „in den Backbone hinein“ – inklusive der Bedingung, dass Daten zeitkritisch bei Nutzern ankommen. Frazier skizziert außerdem, dass in dieses Ziel mehrere eher überschaubare Investitionen mit mehreren Anbietern einfließen sollen. Zusätzlich wird klargestellt, dass die Satelliten, die die Space Force von SpaceX bezieht, vollständig in staatlichem Eigentum sind und nicht einfach 1:1 von kommerziellen Starlink-Broadband-Satelliten kopiert werden: Es gibt Designanpassungen für staatsspezifische Anforderungen, vor allem in Bezug auf Sicherheit und Resilienz. Konkrete Unterschiede oder Stückzahlen nennt die Quelle allerdings nicht.

Auch über die SDA-Transportebene hinaus sucht das Programm nach Anschlussfähigkeit. Die Space Force plane, die Finanzierung der Transport Layer nach dem Start einer zweiten Satelliten-Tranche im kommenden Jahr zu beenden, sehe aber für das danach notwendige Beyond-Line-of-Sight-Coverage eine alternative Lösung als „Roadmap“ vor. Die Richtung dieser Roadmap soll laut Aussage nahtlos in der Gesamtarchitektur greifen, Details würden erst „mit der Zeit“ geteilt. Für die Industrie bedeutet das: Wer jetzt an SDN-Schnittstellen arbeitet, baut gleichzeitig Brücken zu einer Phase, in der die Verantwortung für die durchgängige Abdeckung stärker wieder im SDN-Ökosystem verankert werden dürfte – und in der Interoperabilität nicht mehr nur ein Testziel, sondern die Voraussetzung für den Dauerbetrieb wird.


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