LONDON (IT BOLTWISE) – Monday.com meldet für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 364,6 Millionen US-Dollar und liegt damit beim Gewinn über den Erwartungen. Der durch KI-Lösungen getriebene ARR verdoppelt sich und erreicht 17 Prozent des Netto-Neu-ARR. Für das dritte Quartal senkt das Management jedoch die Umsatzprognose im Korridor, woraufhin die Aktie im Handel deutlich nachgibt. Gleichzeitig plant der Softwareanbieter eine Restrukturierung mit 20 Prozent weniger Belegschaft.

Der Softwareanbieter Monday.com hat seine Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 vorgelegt und damit gleich zwei gegensätzliche Signale ausgesendet: Auf der einen Seite stehen starke Kennzahlen und ein deutlich spürbarer KI-Schub, auf der anderen Seite wirkt der Ausblick auf das dritte Quartal wie eine Bremse für die Investorenstimmung. Während der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent auf 364,6 Millionen US-Dollar stieg, lag der Non-GAAP-EPS bei 1,48 US-Dollar über dem Marktkonsens von 1,11 US-Dollar. In der GAAP-Sicht fiel das Ergebnis zwar mit 0,08 US-Dollar pro Aktie positiv aus, aber es spiegelte nicht das gleiche Bild wie bei der bereinigten Darstellung. Genau diese Mischung aus Ergebnisqualität und vorsichtiger Zukunftsannahme erklärt, warum die Märkte nicht im gleichen Tempo nach oben reagierten wie die Quartalszahlen.
Technisch und geschäftsmodellseitig ist vor allem die KI-Komponente relevant, weil sie bei SaaS-Anbietern typischerweise nicht nur kurzfristige Umsätze, sondern auch die Zusammensetzung der Neuverträge beeinflusst. Monday.com berichtet, dass der über KI-Lösungen erzielte jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR) sich verdoppelt hat und inzwischen 17 Prozent am Netto-Neu-ARR ausmacht. Außerdem konnte das Unternehmen seine Position im Enterprise-Segment weiter festigen, was in der Praxis oft bedeutet, dass KI-Funktionen in bereits vorhandene Workflows integriert werden müssen – also weniger als „Add-on“, sondern als Teil der Plattform-Logik. Ein konkreter Hinweis darauf sind die Kundenzahlen nach ARR-Schichten: Die Anzahl der Kunden mit mehr als 500.000 US-Dollar ARR wuchs um 68 Prozent auf 114, während im Segment mit über 100.000 US-Dollar ARR ein Plus von 37 Prozent auf 2.019 Kunden gemeldet wurde. Auch die Basis mit mehr als 50.000 US-Dollar ARR stieg um 31 Prozent auf 4.834.
Bei den operativen Kennzahlen liefert das Quartal ebenfalls Substanz. Das Non-GAAP Operating Income lag bei 61,1 Millionen US-Dollar, entsprechend einer operativen Marge von 17 Prozent. Daneben nennt das Unternehmen eine Net Retention Rate (NDR) von 109 Prozent insgesamt; für Kunden mit einem ARR über 50.000 US-Dollar steigt dieser Wert sogar auf 115 Prozent. Eine NDR oberhalb von 100 Prozent gilt bei wiederkehrenden Umsatzmodellen als Indikator dafür, dass bestehende Kunden nicht nur bleiben, sondern zusätzliche Wertschöpfung über Upsells oder breitere Nutzung generieren. Gleichzeitig zeigt sich in der Guidance-Mechanik aber auch, wie empfindlich die Bewertung an kurzfristige Planannahmen gekoppelt ist: Monday.com prognostiziert für das dritte Quartal einen Umsatz von 368 bis 370 Millionen US-Dollar und damit unter dem, was der Analystenkonsens mit 372,8 Millionen US-Dollar erwartet hatte.
Die Kursreaktion fiel entsprechend deutlich aus: Im regulären Handel sank die Aktie um 6 Prozent; zeitweise hatte sie vorbörslich um 11,95 Prozent auf 82,00 US-Dollar nachgegeben. Für viele Investoren ist dabei nicht allein die Höhe des Ausblickskorridors entscheidend, sondern die Frage, ob das Management Wachstumstempo und Ergebnishebel zugleich unter Kontrolle halten kann. Monday.com rechnet für das dritte Quartal außerdem mit einem bereinigten operativen Ergebnis zwischen 57 und 59 Millionen US-Dollar bei einem erwarteten Umsatzwachstum von 16 bis 17 Prozent. Auf der Cashflow-Seite nennt das Unternehmen für das Quartal einen operativen Cashflow von 55,35 Millionen US-Dollar und einen freien Cashflow (FCF) von 52,34 Millionen US-Dollar. Ergänzend stiegen die Remaining Performance Obligations (RPO) um 34 Prozent auf 937 Millionen US-Dollar; die kurzfristigen RPO (cRPO) legten um 27 Prozent auf 750 Millionen US-Dollar zu. Damit wird sichtbar, dass sich ein Teil der zukünftigen Erlöse bereits in Vertragszusagen „einbucht“, auch wenn der nächste Quartalsausblick nicht maximal optimistisch wirkt.
Ungewöhnlich ist zugleich, dass Monday.com parallel zu den Quartalszahlen eine tiefgreifende Restrukturierung ankündigt. Das Unternehmen plant, die Belegschaft um 20 Prozent zu reduzieren; dafür nennt es Kosten in Höhe von 21,4 Millionen US-Dollar. Solche Maßnahmen sind in der Softwarebranche regelmäßig ein Zeichen dafür, dass Management-Teams Kapazitäten neu ausrichten wollen – etwa hin zu profitableren Produktbereichen, stärkerer Cloud-Nutzung oder einem effizienteren Go-to-Market. Bei KI-Funktionen kommen zusätzlich Integrations- und Betriebsthemen hinzu: KI-gestützte Features erhöhen typischerweise die Anforderungen an Datenflüsse, Qualitätskontrollen und die technische Bereitstellung, insbesondere wenn Kunden im Enterprise-Umfeld hohe Erwartungen an Zuverlässigkeit und Sicherheitsstandards haben. Monday.com adressiert diese Perspektive zwar nicht im Detail in Zahlen, betont aber den Fokus auf Skalierung digitaler Prozesse und Enterprise-Sicherheit. Aus Investorensicht ist entscheidend, ob die Kostensenkung kurzfristig den Cashflow stabilisiert und mittelfristig die KI-Dynamik nicht ausbremst.
Auch im Gesamtjahr bleibt das Bild gemischt, aber nachvollziehbar für den Markt: Monday.com bestätigt seine Prognose für 2026 mit einem Jahresumsatz zwischen 1,466 Milliarden und 1,474 Milliarden US-Dollar. Das bereinigte operative Ergebnis soll zwischen 230 Millionen und 234 Millionen US-Dollar liegen, der freie Cashflow wird auf 280 Millionen bis 290 Millionen US-Dollar geschätzt. In der Kapitalrückführung meldet das Unternehmen zudem den Abschluss seines Aktienrückkaufprogramms über 870 Millionen US-Dollar, wobei zuletzt 182 Millionen US-Dollar genutzt wurden. Für Unternehmen und Entwickler in der Umgebung der Plattform bedeutet das vor allem eines: KI ist offenbar nicht nur ein Marketingthema, sondern ein Umsatzhebel, der bei Monday.com bereits messbar skaliert. Gleichzeitig zeigt die Kursreaktion, dass selbst starke KI-Wachstumsraten kurzfristige Unsicherheiten im Ausblick nicht vollständig kompensieren können – besonders dann nicht, wenn Restrukturierung und operative Anpassungen in derselben Veröffentlichung zusammenfallen.
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