LONDON (IT BOLTWISE) – Der Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL) warnt vor einer steuerlichen Steuerfalle bei Kapitalauszahlungen aus der betrieblichen Altersvorsorge. Entscheidend ist die nachgelagerte Besteuerung, weil hohe Einmalzahlungen durch die Steuerprogression überproportional belasten können. Altverträge vor dem 1. Januar 2005 könnten hingegen unter bestimmten Bedingungen anders behandelt werden. Parallel dazu wird mit Reformen zur Kapitalrente und einem Altersvorsorgedepot ab 2027 die Systematik weiter bewegt.

BVL warnt: Nachgelagerte Besteuerung macht Kapitalrenten für Rentner steuerlich riskant
BVL warnt: Nachgelagerte Besteuerung macht Kapitalrenten für Rentner steuerlich riskant (Foto: IT BOLTWISE)
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Wenn betriebliche Altersvorsorge in die Kapitalauszahlung übergeht, entscheidet häufig nicht nur die Höhe des angesparten Kapitals, sondern vor allem der Besteuerungsmechanismus. Der Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL) hat am 14. August 2026 genau diese Schnittstelle in den Fokus gestellt: Bei vielen Modellen greift die vollständige Steuerpflicht der Kapitalauszahlung im Rahmen der nachgelagerten Besteuerung. Praktisch bedeutet das, dass Rentnerinnen und Rentner den Steueranteil einer Auszahlung häufig wie zusätzliches Einkommen behandeln müssen. Dadurch kann eine einmalige Auszahlung hoher Summen zu einer spürbar stärkeren steuerlichen Belastung führen als es die reine Durchschnittsrechnung erwarten ließe, weil die Steuerprogression mit dem zu versteuernden Einkommen steigt.

Der Hinweis ist deshalb relevant, weil Kapitalrenten in der Praxis oft als “Entscheidung für einen großen Brocken” verstanden werden: Statt einer monatlichen Auszahlung wird ein Betrag auf einen Schlag ausgezahlt oder in eine lebensnahe Form überführt. Für die Steuerplanung ist jedoch entscheidend, ob und in welchem Umfang bereits im Vorfeld Gestaltungslogik möglich ist. Der BVL nennt als wichtige Ausnahme Altverträge, die vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden; diese können laut Verband unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei bleiben. Genau hier liegt auch der typische Stolperdraht: Wer zwischen Vertragsgenerationen und Auszahlungsformen vergleicht, betrachtet nicht automatisch die steuerliche Systematik, sondern zuerst Rendite, Liquidität und Flexibilität.

Während die Warnung auf die Konsequenzen der Kapitalauszahlung abzielt, laufen parallel Gesetzes- und Reformvorhaben, die die Rahmenbedingungen im Rentensystem ändern sollen. Das geplante Rentenpaket zur Kapitalrente soll nach aktuellem Stand bis Ende 2026 verabschiedet werden, damit ein Start im Jahr 2028 möglich ist. Ergänzend soll ab Januar 2027 das neue Altersvorsorgedepot eingeführt werden. Dafür ist eine staatliche Förderung von bis zu 1800 Euro pro Jahr vorgesehen, die sich aus Zulagen zusammensetzt: 50 Cent pro eingezahltem Euro bis zu einer Grenze von 360 Euro und anschließend 25 Cent pro Euro bis zum Fördermaximum. In Summe ergibt das höchstens 540 Euro Zuschuss, womit der Staat zwar nicht die gesamte Sparleistung übernimmt, aber den Aufbau in vielen Fällen finanziell spürbar stützt.

Aus Anlegersicht und aus steuerfachlicher Perspektive ist zudem der Zusammenhang von Förderung und späterer Besteuerung zentral. Je nach Grenzsteuersatz können aus der Förderung zusätzliche Effekte entstehen: Bei einem Jahreseinkommen ab 70.000 Euro und einem Steuersatz von 42 Prozent wird im Material mit einer Erstattung von 443 Euro gerechnet, bei 50 Prozent mit 630 Euro. Gleichzeitig bleiben Einzahlungen bis zu 11.880 Euro jährlich grundsätzlich ungeändert. Entscheidende Details betreffen später das “Innenleben” der Besteuerung: Umschichtungen sollen steuerfrei bleiben, aber beim Zeitpunkt der Auszahlung wird der geförderte Teil voll besteuert. Für den ungeförderten Teil greift dagegen das Halbeinkünfteverfahren. Das macht für viele Vorsorgesparer die Frage dringlicher, wie sauber geführte Konten oder Depotauszüge die Trennung der geförderten und ungeförderten Anteile abbilden.

Auch für Ruheständler mit bereits laufenden Einkommen verschiebt sich die steuerliche Landschaft durch neue Regelungen. Die sogenannte Aktivrente erlaubt es Personen im Ruhestand, bis zu 2.000 Euro monatlich beziehungsweise 24.000 Euro jährlich steuerfrei hinzuzuverdienen, konkret nach § 3 Nr. 21 EStG. An einem Beispiel wird das Prinzip greifbar: Eine 68-jährige Rentnerin mit einem Bruttoverdienst von 2.500 Euro könnte durch die Freistellung von 2.000 Euro eine deutlich niedrigere jährliche Steuervorauszahlung haben und im Ergebnis eine Erstattung von 400 Euro erzielen. Gleichzeitig sinken im Zeitverlauf die Rentenfreibeträge, weil der steuerpflichtige Rentenanteil steigt: Für 2025 lag er bei 71,7 Prozent, für 2026 wird ein Anstieg auf 84 Prozent genannt, und ab 2058 soll die Rente vollständig steuerpflichtig sein. Wer die Vorauszahlungen nicht rechtzeitig anpasst, riskiert daher Überzahlungen, Nachzahlungen oder zumindest einen unnötig hohen Liquiditätsdruck am Jahresende.

Für die praktische Umsetzung spielt zudem die digitale Steuererklärung eine immer größere Rolle, weil sich Freibeträge, Pauschalen und Fallkonstellationen laufend ändern. Der Text verweist in diesem Zusammenhang auf die Nutzung offizieller Finanzportale wie MeinElster und betont schrittweise Leitfäden als Unterstützung bei der korrekten Deklaration. Parallel zeigen weitere Neuregelungen, dass der Gesetzgeber mehrere Ebenen gleichzeitig adressiert: Im Entwurf der Lohnsteuer-Richtlinien (LStR) 2027 sollen Anpassungen bei Pauschbeträgen erfolgen, unter anderem steigt die Ehrenamtspauschale von 250 auf 275 Euro monatlich und soll rückwirkend zum 1. Januar 2026 gelten. Die Tagespauschale soll von 8 auf 9 Euro angehoben werden. Bei Betriebsveranstaltungen sollen künftig außerdem keine festen Freigrenzen von 110 beziehungsweise 60 Euro mehr gelten. Für Unternehmen und Arbeitnehmer, die solche Posten in die jährliche Abrechnung einbeziehen, wird dadurch vor allem die Abstimmung mit der laufenden Lohn- und Gehaltslogik wichtiger.

Abseits der klassischen Rentenlogik kommt zusätzlich Bewegung in Richtung Frühstart-Modell: Die Frührstartre nte wurde am 12. August 2026 vom Kabinett beschlossen. Für Kinder ab dem Geburtsjahrgang 2020 zahlt der Staat ab dem 6. Lebensjahr über 12 Jahre monatlich 10 Euro ein; bei einer angenommenen Rendite von 7 Prozent könnte der Staatsbeitrag bis zum 65. Lebensjahr auf 53.000 Euro anwachsen. Wenn Eltern zusätzlich 100 Euro monatlich einzahlen, wird mit einem Kapital von 385.100 Euro gerechnet, das eine monatliche Auszahlung von 2.760 Euro über 20 Jahre ermöglichen soll. Auch hier bleibt die Systematik nachgelagert: Das Kapital soll bis zum 65. Lebensjahr gebunden sein und anschließend der nachgelagerten Besteuerung unterliegen. Für die politische Debatte ist außerdem das Renteneintrittsalter zentral: In der Diskussion um eine Abschaffung der abschlagsfreien Rente mit 63 werden unterschiedliche Vorschläge genannt, unter anderem von der Alterssicherungskommission der Merz-Regierung. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas will die Vorschläge als Gesamtpaket umsetzen; der IAB-Direktor Bernd Fitzenberger nennt dabei einen Zugang, der an mindestens 42 Jahre tatsächliche sozialversicherungspflichtige Arbeit gekoppelt sein soll, ohne dass Zeiten für Minijobs oder Kindererziehung angerechnet werden. Für viele Betroffene wird dadurch noch stärker als bisher relevant, wie sich Regelungen über mehrere Jahre im Voraus in die persönliche Lebensplanung übertragen lassen.


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